Ein Bekenntnis zur Leistung und Eliten - Teil 1 von 6

Das Nachwuchsleistungssportkonzept 2012 des deutschen Sports

 

14. Oktober 2006 (Pöhlitz) - Wer das Nachwuchsleistungssportkonzept bis 2012 – eine gemeinsame Zielstellung des Deutschen Sportbundes, der Spitzenverbände, der Landessportbünde und Olympiastützpunkte  – aufmerksam gelesen hat, könnte eigentlich beruhigt in die deutsche Leistungssportzukunft blicken. Vor allem wenn man im Vorwort liest, das der „Gradmesser des Konzepts sein wird, inwieweit die praktische Umsetzung in der Nachwuchsförderung sich in Erfolgen im Spitzensport niederschlägt, insbesondere in Medaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften. Unter den Bedingungen der offenen, pluralistischen Gesellschaft und der föderalen Grundordnung sollen alle beteiligten Partner auf der Bundes-, Landes- und Standortebene ihre Kräfte im Kooperationsverbund für die gemeinsame Zielstellung gebündelt und effektiv zur Wirkung“ bringen. Im Deutschen Leichtathletikverband hat man bisher immer das Gefühl, dass für nicht erkämpfte  Medaillen ( in der öffentlichen Rechenschaftslegung ) ganz allein der DLV zuständig ist!

Da man aber in der Öffentlichkeit, den Medien bisher von diesem wichtigen Nachwuchsarbeitskonzept etwas wenig gehört hat und auch angesprochene Trainer mit den Schultern zuckten, hoffen wir, dass wenigstens alle beteiligten Partner (s.o.) inzwischen ihre individuellen Aufgaben kennen und bereits an die praktische Umsetzung gegangen sind, damit sie in 5-6 Jahren effektiv wirken !

Wir halten dieses Konzept – auch als unser Bekenntnis zur Leistung und Elite – für die Leistungssportentwicklung in unserem Land in den nächsten Jahren für so wichtig, dass wir vor allem die Kreise damit konfrontieren wollen, an die es gerichtet ist, die bei der Umsetzung helfen  bzw. die davon profitieren sollen. Deshalb wollen wir mit einer komprimierten Fortsetzungsreihe unseren Beitrag leisten.

1. Ausgangslage, Ziele, Zukunftsaufgaben

Im Jugend- und Juniorenalter wurde eine Vielzahl internationaler Erfolge erreicht, Deutschland zählt zu den erfolgreichsten Nationen im Nachwuchsbereich. Die Erwartungen im Hinblick auf Erfolge im Spitzensport, insbesondere bei den Olympischen Spielen konnten nur teilweise erfüllt werden. Im Übergang vom Nachwuchs zum Spitzenbereich gibt es oft ein Abflachen der Leistungsentwicklung oder sogar Karriereabbrüche. Es besteht ein erheblicher Mangel an qualifiziertem Trainer-Nachwuchs, die über Kenntnisse im Übergang von einer noch stark entwicklungsbeeinflussten Jugendleichtathletik zur trainingsbeeinflussten Leistungsleichtathletik verfügen. Daher schaffen die Jugendliche nur selten den Sprung in den  Leistungssport.

Gegenüber anderen führenden Spitzensportnationen bestehen deutliche Rückstände in einer insgesamt vergleichsweise gering ausgeprägten Kultur der Leistung und der Leistungseliten im Sport- und Bildungssystem. Es fehlen Talent – Scouts, die Strukturlösungen von Hochleistung und Studium / Beruf sind wenig entwickelt. Ein gesunder Patriotismus als Erfolgsmotivation ist relativ schwach.

Übergreifende Zukunftsaufgaben für die Weiterentwicklung des deutschen Nachwuchsförderungssystems für den Spitzensport bis 2012 sind:

  • Der DOSB setzt sich für eine klare Leistungskultur im Sport- und Bildungssystem und für die Ausbildung von Leistungseliten ein.
  • Es sollen mehr Talente für den Leistungssport in den Vereinen gewonnen werden. Die Talentsuche (Talent-Scouts) ist zu verbessern.
  • Die Sportvereine mit klarem Leistungsanspruch sind insgesamt weiter zu stärken
  • Im regelmäßigen Training sind mit qualifizierten und praxiserfahrenen Trainer/Innen vielseitige Grundlagen für eine langfristige Spitzensportkarriere aufzubauen.
  • Der Übergang in den Spitzenbereich ist für mehr Junioren mit echter Spitzensportperspektive zu sichern.
  • Strukturelle Lösungen für eine Verbindung von Leistungssport und Schule / Beruf / Studium sind zu verbessern oder zu entwickeln.
  • Die Effizienz der Kaderbetreuung ist bis zum U23-Altersbereich zu erhöhen.
  • Die Zuständigkeiten, Aufgaben und Verantwortlichkeiten zwischen Bundes-, Landes- und Standortebene sind durch höhere Klarheit, Verbindlichkeit und Verlässlichkeit
  • wirksamer zu gestalten.

von Lothar Pöhlitz

Ein Bekenntnis zur Leistung und Eliten - Teil 2 von 6

2. Langfristiger Trainings- und Leistungsaufbau – Trainings- und Wettkampfsysteme

 

15. Oktober 2006 (Pöhlitz) - Nachwuchstraining ist vielseitig und hat Voraussetzungsfunktion für darauf aufbauende Trainingsziele im Spitzenbereich. Es hat perspektivischen Charakter. Die Erfüllung der inhaltlichen Ziele und Aufgaben für diesen Altersbereich steht im Vordergrund und ist im Einklang mit der biologischen, psychisch-sozialen und schulischen Entwicklung zu gestalten. Das Nachwuchstraining umfasst das Grundlagentraining (GT), das Aufbautraining (ABT) und das Anschlusstraining (AT).
Das Grundlagentraining zielt auf die Ausbildung grundlegender und sportartspezifischer Leistungsvoraussetzungen und eine hohe vielseitige Belastbarkeit für künftige Trainingsanforderungen.
Das Aufbautraining als zweite Etappe des Nachwuchstrainings zielt auf eine vielseitige, stärker sportartbezogene Ausbildung. Das Niveau der allgemeinen und sportartspezifischen Leistungsvoraussetzungen und die Belastbarkeit sind weiter zu erhöhen.
Das Anschlusstraining verfolgt das Ziel in einer ersten Phase das nationale und internationale Leistungsniveau bei gleichzeitigem Ausbau der Grundlagen für weitere Leistungssteigerungen, zu erreichen. In einer zweiten Phase ist der Anschluss an die Leistungs- und Trainingsanforderungen der nationalen und internationalen Spitze herzustellen.

Das Strukturmodell eines langfristigen Trainings- und Leistungsaufbaus ist gleichermaßen offen für Früh- und Spätentwickler, Spät- und Seiteneinsteiger und Sportartwechsler. Die „Kunst“ der Trainer/Innen im Nachwuchsleistungssport besteht darin, das Training auf das jeweilige individuelle Entwicklungs-, Erfahrungs-, Ausbildungs- und Leistungsniveau zuzuschneiden.
Zur Erfüllung der Trainingsziele werden in den Rahmentrainingsplänen der Spitzen-Verbände kontinuierlich steigende Zeitbudgets für Training und Wettkämpfe konzipiert.
Solche Orientierungswerte für die Trainingshäufigkeit und Trainingszeit sind:

2006-10-15-nachwuchsleistungssportkonzept-2

Die Empfehlungen sollen in Abhängigkeit vom individuellen Vorbereitungs- und Entwicklungsstand der Sportler/Innen, von der Spezifik der Anforderungen der Sportart und von der Zielstellung des jeweiligen Zyklus im Trainingsjahr in differenzierter Form der Trainingsplanung zugrunde gelegt und angestrebt werden.

Training und Wettkämpfe stehen in enger gegenseitiger Wechselwirkung. Wettkämpfe im Nachwuchsleistungssport haben Aufbaufunktion und sollen inhaltlich mit der Trainingsaufgabenstellung verbunden sein. Die Vermehrung internationaler Schüler, Jugend- und Juniorenwettkämpfe und ihre Aufwertung darf nicht zu einer forcierten frühzeitigen Spezialisierung führen. Im Altersbereich U23 sollen stärker als bisher hochwertige ( internationale ) Wettkämpfe angeboten werden.
Bis 2008 sollen als sportartübergreifender Nachwuchs-Wettkampfhöhepunkt Deutsche Jugendspiele in Olympischen Sportarten für Sporttalente eingeführt werden. Damit soll der Nachwuchsleistungssport aufgewertet und für jugendliche Talente klare Identifikationslinien und dauerhafte Bindungskräfte begründet werden. Ob die gegenwärtigen Strukturen dies so kurzfristig möglich machen ist zweifelhaft.

„Richtlinienkompetenz“ der Spitzenfachverbände

Eine inhaltlich-konzeptionelle Zuständigkeit der Spitzenfachverbände für den gesamten langfristigen Trainings- und Leistungsaufbau einer Sportart ( Gesamtentwicklungskonzept ) ist unverzichtbar. Nur die Spitzenfachverbände sind durch Analyse der internationalen und nationalen Leistungssituation und  Leistungsentwicklung in der Lage, die strategischen Schwerpunkte zur Weiterentwicklung der sportartspezifischen Trainings- und Wettkampfsysteme auch für den Nachwuchs zu bestimmen.

Die Wahrnehmung der „Richtlinienkompetenz“ erfordert eine kooperative Zusammenarbeit mit den Landesverbänden und Leistungsvereinen und beinhaltet folgende Schwerpunktaufgaben:

  • Festlegung der Eckdaten des durchgängigen Trainings- und Wettkampf-Systems in Form von Rahmentrainingsplänen und Wettkampfkonzepten
  • Bestimmung einer bundeseinheitlichen Kaderstruktur für alle Landes- und Bundeskaderstufen
  • wünschenswert wäre zur Effektivierung der Kaderarbeit eine deutliche Verringerung und strengere

von Lothar Pöhlitz

Ein Bekenntnis zur Leistung und Eliten - Teil 3 von 6

3. Talentsuche

 

16. Oktober 2006 (Pöhlitz) - Ziel der Talentsuche ist es, viele sportlich talentierte Kinder und Jugendliche für ein dauerhaftes Wettkampf- und leistungsbezogenes Engagement im Sportverein zu begeistern und zu gewinnen. Landesweit organisierte, flächendeckende Kooperationsprogramme von Leistungssport und Schule bieten dafür günstige Voraussetzungen.
Nicht in Ergänzung zum Bundeswettbewerb „JUGEND TRAINIERT FÜR OLYMPIA“  sondern als Ersatz (unsere Meinung) sollte  in Zusammenarbeit mit den Spitzenverbänden ein neuer „Talentwettbewerb“ aufgebaut werden. Dabei sollte besser nicht der  Mannschaftsgedanke, sondern das Einzeltalent in den Mittelpunkt gestellt werden. Programme zur Talentsuche sind schwerpunktmäßig auf den Altersbereich von 10 – 15 Jahren zu fokussieren.
Ein gezielter Einsatz von Talent – Scouts wird – je nach landestypischer Programmstruktur – als ergänzendes Modul innerhalb vorhandener Strukturen in den Landesfachverbänden, Vereinen und Landeskooperationsprogrammen angebunden oder es werden neue Positionen dafür in den Ländern geschaffen.

Ergebnisbezogene Qualitätskriterien für Programme zur Talentsuche sind:

  • wie viele talentierte Kinder durch das Programm in Sportvereine eintreten
  • für wie viele erfolgreiche Spitzenathleten wurde der Einstieg in den Leistungssport vermittelt


Prozessbezogene Qualitätskriterien für Programme zur Talentsuche sind:

  • Fokussierung der Programme auf die beschriebenen Altersbereiche
  • Systematisches Talent-Scouting
  • Zeitnahe und effektive Kommunikation zwischen Übungsleiter/Innen, Trainer/Innen, Sportlehrkräften der Schulen, Eltern und dem Talent
  • Wirksame Qualifikations- und Fortbildungsmaßnahmen fürdie Talent-Scouts durch die Landesfachverbände
  • Kooperation zwischen Sportarten

von Lothar Pöhlitz

Ein Bekenntnis zur Leistung und Eliten - Teil 4 von 6

4. Trainer im Nachwuchsleistungssport - 17. Oktober 2006 (Pöhlitz)

 

Die erfolgreiche Nachwuchsförderung steht und fällt mit qualifizierten und engagierten Trainer/Innen vor Ort.
Von Trainer/Innen im Nachwuchsleistungssport werden vielfältige Leistungen erwartet. Sie vermitteln:

  • Freude am Sport und Werte
  • an der Trainingsgemeinschaft
  • an der Leistungsentwicklung
  • und beachten die langfristige Perspektive

Trainer/Innen arbeiten nach verbindlichen Trainingskonzeptionen, sind dabei kreativ und innovativ, verfügen über fachliche, pädagogische und sozial-kommunikative Kompetenzen, arbeiten zielgerichtet an der Entwicklung der Persönlichkeit, organisieren und pflegen den Verbund Elternhaus – Schule – Verein, suchen ständig nach Talenten, arbeiten regelmäßig an ihrer Fortbildung und erwerben Lizenzen des Verbandes.

Im deutschen Nachwuchsleistungssport sind gegenwärtige Probleme im Bereich des Trainer Nachwuchses unübersehbar. Um die Zukunftsfähigkeit des deutschen Nachwuchsleistungssports zu sichern, sind zur Trainerproblematik rasch verbesserte Lösungen aufzubauen. Ab dem Aufbau- bzw. Anschlusstraining können die Aufgaben im Nachwuchsleistungssport zumeist nur hauptberuflich geleistet werden.              
*Eckpunkte zur Traineranstellung und –vergütung sind in der „Konzeption für Leistungssportpersonal in  den Spitzenverbänden“ von 2004 beschrieben. Weitere wichtige Zukunftsaufgabe (Rahmenbedingungen,  Vertragsgestaltung, Vergütung, Prämien) werden im Rahmen der Traineroffensive im Bundesvorstand  Leistungssport 2005 / 2006 bearbeitet.

Den Erfordernissen der Qualifizierung von Nachwuchstrainer/Innen nach modernen Maßstäben können die Lizenzierungsprogramme der Verbände allein nicht mehr ausreichend gerecht werden. Zusätzliche neue Formen sind für eine Qualifizierungsoffensive in Zusammenarbeit der Spitzenverbände, Landesfachverbände, LSB und der Trainerakademie Köln zu entwickeln (Wissen anreichern Fortbildungen fokussieren – Theorie-Praxis-Transfer optimieren – Defizite in internationalen Austausch
Aufarbeiten – Sport bezogenes Studium). Internet Ressourcen sind noch effizienter zu nutzen.

Kriterien zur Beurteilung von Nachwuchstrainer/Innen :

  • langfristiger Erfolg im Spitzensport
  • Gewinnung von Talenten für die wettkampforientierte Trainingsgruppe
  • Vermittlung von Begeisterung und Interesse für das dauerhafte Engagement
  • Organisation des Verbundes Elternhaus – Verein - Schule
  • Schaffung vielfältiger Grundlagen für die weitere Leistungsentwicklung
  • Umsetzung eines fachlich versierten Trainings nach Maßstäben moderner langfristiger Trainingskonzepte (RTP)

Die vielfach verbreitete Ansicht, Trainer/Innen hätten sich allein mit Methodik und Didaktik der Trainingseinheiten im engeren Sinne bzw. der Saisonentwicklung des/der zu betreuenden Athleten/Innen im erweiterten Sinne zu widmen, ist eine sehr enge und so nicht zum Ziel führende Vorstellung. Der oft vernachlässigten Trainingsumfeldanalyse und - beeinflussung muss von den Trainer/Innen  mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden.

von Lothar Pöhlitz

Ein Bekenntnis zur Leistung und Eliten - Teil 5 von 6

5. Strukturen in der Nachwuchsförderung

 

18. Oktober 2006 (Pöhlitz) - Das Fördersystem im Nachwuchsleistungssport muss alle Strukturen und Maßnahmen, die langfristig die Erfolgschance im Spitzensport erhöhen sollen, erfassen. Das System bietet Förderung für engagierte und leistungsmotivierte Talente an, die bereits mehrjährig Herausforderungen in Sport und Umfeld eigenständig bewältigt haben. Ziel ist, dass mit steigendem Leistungs- und Altersnivau (keine frühzeitige, unangemessene Förderung von Kindern, Schwerpunkt der Landesförderung im Jugendalter und Anschlussbereich) auch das Anreizniveau (Vergünstigungen, Unterstützung, Auszeichnungen, Prämien) bis in das U23-Alter durchgängig steigt.

Sportvereine im Nachwuchsleistungssport

Die Vereine binden Talente oft langfristig, sichern in der Regel – mitunter auch in vereinsübergreifenden Talentgruppen – einen Großteil des täglichen Trainings ab und sind die Grundlage zur Bildung von Stützpunkten. Häufig erfolgt zugunsten der Spitzensportkarriere ein- oder mehrmals ein Vereinswechsel.
Von den Sportvereinen wird erwartet, dass vielfältige attraktive Übungs- Spiel- und Trainingsangebote gewährleistet werden, die überwiegend auf Wettkampf- und Leistungssport ausgerichtet werden. Die Forderung, dem einzelnen Talent klar darzustellen, wo die vereinseigenen Grenzen der Möglichkeiten liegen und wo eine weiterführende Hochleistungskarriere in einem anderen Verein (vorausgesetzt dort arbeitet ein qualitativ guter Trainer ! ) Erfolg versprechend fortgesetzt werden soll, muss forciert werden .
Die kommunale Förderung muss gesichert und wieder verbessert werden. Den Negativ-Trends der letzten Jahre ist entschieden entgegenzuwirken und auch die Möglichkeiten der Länder und Landessportbünde zur direkten Vereinsförderung sind auszubauen. Damit wird die Basis für die Talentsuche und die Grundlage zur weiteren Entwicklung von Nachwuchsathlet/Innen bis in den Spitzenbereich und zur Bildung von Stützpunkten gestärkt.

Stützpunkte und Olympiastützpunkte

Zentrale Zielstellung des Stützpunktsystems ist es, ein qualitativ hochwertiges tägliches Training in ausreichendem Umfang zu gewährleisten.
In Bundesstützpunkten, Bundesstützpunkten – Nachwuchs und Landesstützpunkten wird zusätzlich zum Vereinstraining ein vereinsübergreifendes Training mit hoch qual ifizierten Trainer/Innen für die Kaderathlet/Innen der Region angeboten.

Die Olympiastützpunkte betreuen die A- bis C-Kader der Spitzenverbände bei Priorität für Top Teammitglieder. Um dieses Ziel flächendeckend erreichen zu können, müssten in Zusammenarbeit mit den Stützpunkten Außenstellen entstehen. Die koordinierende Mitwirkung in der Erstellung und Umsetzung der Regionalkonzept, der Leitung der Regionalteams der Eliteschulen des Sports, der Kooperation mit Hochschulen und in der Planung und Umsetzung der dualen Karriere hat sich außerordentlich bewährt, muss aber ausgebaut und grundsätzlich professionell modernen Ansprüchen angepasst werden. Die besondere Kompetenz von OSP-Mitarbeitern (Trainingslehre, Sportmedizin u.a.) soll punktuell in Fortbildung u.a. von Trainern eingesetzt werden.

Kaderstrukturen in der Nachwuchsförderung

Das Kadersystem bildet die Grundlage für eine gezielte Förderung. Die Förderung ist insbesondere auf die Gewährung der trainingsinhaltlichen Bedingungen für erfolgreiche sportliche Karrieren gerichtet.
Der Kaderstatus ist Kriterium für Fördereinrichtungen wie OSP, Stiftung Deutsche Sporthilfe, Bundeswehr, Bundespolizei, Zoll, Zivildienst, Hochschulen, regionale Sporthilfen, Landespolizei, Kommunen, Vereine etc. Die Berufungen für Landes- und Bundeskader erfolgen durch die Verbände, in der Regel jährlich zu Beginn des Trainings- und Wettkampfjahres. Rechte und Pflichten der Kadersportler werden im Leistungssportkonzept des Verbandes festgelegt. Im Sinne der inhaltlichen Konzentration soll der Schwerpunkt der Förderung in den Ländern im Jugendalter und dem Anschlussbereich liegen.

Der D-Kader bildet die erste Stufe der Förderung und ist Schwerpunkt der Landesförderung im Alter des Aufbautrainings. Die Unterteilung in D1-D4 wird aufgelöst. Die D-Kader-Aufnahme sollte deutlich erschwert werden, damit eine  höhere Übergangsquote in die DC- bzw. C-Kader erreicht werden kann.

In den DC-Kader werden einzelne, aufgrund besonderer Spitzensport-Perspektive ausgewählte Sportler aus dem D-Kader aufgenommen. Als Landeskader bleibt er weiterhin im täglichen Training in der Förderkompetenz der Länder, kann aber in Maßnahmen des Spitzenverbandes einbezogen werden.

Der C-Kader ist der Bundes-Nachwuchskader des Spitzenverbandes. Er umfasst Athlet/Innen mit der höchsten mittel- bzw. langfristigen Erfolgsperspektive für den internationalen Spitzensport sowie aussichtsreiche Teilnehmer/Innen an internationalen Wettkampfhöhepunkten im Juniorenbereich. Kriterium für die Auswahl ist die langfristige Spitzensportperspektive. Merkmale zur Auswahl sind:

  • perspektivisch bedeutsame Leistungsvoraussetzungen einschlieĂlich kĂśrperbauliche Disposition und Gesundheitsstatus
  • Wettkampfleistungen und -erfolge , Stand und Entwicklung
  • Bereitschaft zum leistungsorientierten Training nach RTP

Eine längerfristige Förderung der C-Kader wäre sinnvoll, auch unter dem Aspekt, dass im C-Kader-Alter die Entwicklung der Jugendlichen oft plateauförmig, auch mit längeren Leistungsentwicklungsstill-ständen verbunden sein können.

von Lothar Pöhlitz