WADA lenkt wiedermal vom Hauptproblem in der Dopingbekämpfung ab

Unsere Position: Trainingskontrollen ganzjährig und weltweit !

23. September 2006 (Pöhlitz) - Die Diskussion zur Dopingproblematik in den Medien hat seit Monaten Hochkonjunktur. Mit dem angedrohten Verbot von Höhentrainingskammern und -zelten, die die Weltantidopingagentur WADA auf die Verbotsliste setzen will, wird ein neuerlicher Versuch gestartet, die Diskussion in Gang zu halten und von der Hauptproblematik abzulenken : den ganzjährigen Trainingskontrollen weltweit ! Seit Jahrzehnten schafft es die IAAF nicht diese für eine „Waffengleichheit“, eine „Konkurrenzfähigkeit aller“ ( auch für unsere deutschen Athleten, die vergleichsweise einem Kontrollsystem gegenüberstehen, dass weltweit durchgesetzt zu erdrutschartigen Leistungsveränderungen führen würde !) wichtigste Form der Dopingbekämpfung funktionierend zu installieren. Sicher mag es an Finanzen, an Funktionären in den höchsten Gremien, die die Interessen ihrer Länder oder auch Kontinente zu vertreten haben oder sogar an Regierungen liegen, dass dies bisher nicht wirklich wirksam ist.

Wer aber weiß, dass verschiedene Dopingmittel schon nach Stunden oder auch Tagen nicht mehr nachweisbar sind, wundert sich über Reden, Drohungen und mit Stolz verkündeten scheinbaren Erfolgen, dass es z.B. bei der EM in Göteburg oder bei der Junioren-WM keine positiven Dopingfälle gab, überhaupt nicht. Dabei klingt es wie Hohn, wenn IAAF-Präsident Lamine Diack dazu verkündet : „......und jetzt sind wir genauso erfreut, dass diese Leistungen in einem sauberen, fairen und ehrenvollen Wettkampf erbracht wurden“. Wer sich heutezutage, nach etwa 45 Jahren weltweiter Dopingexperimenten bei Wettkämpfen wie EM, WM oder Olympischer Spiele noch erwischen läßt ist unfähig. Es reicht nicht mehr, wie zuletzt bei der EM gegenüber den russischen Frauen Verdächtigungen auszusprechen und gleichzeitig zu übersehen, dass z.B. in 14 Laufdisziplinen der Männer und Frauen die natürlich höhenbevorteilten Afrikaner so dominant sind, dass in der derzeitigen Weltbestenliste ( in Leichtathletik 38 / 2006 ) allein 91 (!) Kenianer ( 61 Männer + 30 Frauen, ohne die, die gerade im benachbarten Ausland „Dienst tun“) unter den jeweils 20 Weltbesten platziert sind. Die Schweizer und viele andere geben sich in ihrem Eldorado St.Moritz seit Jahren im Höhentraining sicher ähnliche Mühe, aber irgendwo hakt es am Ende doch. Woran mag es wohl liegen ? Vielleicht wird eines Tages das Höhentraining in Europa ganz verboten, damit die Afrikaner allein bei der Golden League um Weltrekorde rennen ? Wer könnte denn daran interesse haben ?

Dazu kommt, dass die Nachweisverfahren wohl auch nicht ganz wasserdicht sind, wenn Herr Schänzer vom weltweit anerkannten Antidopinglabor in Köln in LA 37/2006 erklärt, dass das EPO-Nachweisverfahren verbesserungswürdig sei und das Blutdoping momentan grassiert. Kein Wunder, das Wundersprinterin Marion Jones (USA) nach einer postiven A-Probe und negativen B-Probe laufengelassen wurde, US-Sprint-Erfolgscoach Graham ( nach Medienberichten trainierte er in den letzten Jahren 11 gedopte Sprinter) nach einem negativen Lügendetektor-Test wie nach einem Freispruch behandelt wird. Es ließe sich fortsetzen.

Wir würden uns gern dem DLV-Präsidenten Clemens Prokop anschließen, der nach LA 34 / 2006 „bei der nächsten EAA-Counsil-Sitzung den Antrag stellen will, künftig Athleten, die weniger als 5 x unangemeldete Trainingskontrollen nachweisen können, einem Start bei der EM ( wir möchten ergänzen : und bei den großen Events in Europa ) zu verweigern“! Bitte, Herr Prokop, geben sie gleich dem IAAF-Vize Herrn Prof. Diegel eine Kopie diese Antrages an die IAAF, an den Präsidenten Liame Diack mit, aber mit dem Vermerk : dringend und ernst gemeint.

Unsere Forderung : Trainingskontrollen weltweit, auf allen Kontinenten, auch in USA, Afrika und Asien. Vor allem in Phasen, in denen die Wettkampfleistung speziell vorbereitet wird. Fragen sie die besten Trainer der Welt und ihre Manager (auch die müssten bei positiven Tests mit gesperrt werden), sie wissen immer, wo sich ihre Athleten / Camps gerade zum Zwecke des Trainings ohne Kontrollen verstecken !

von Lothar Pöhlitz

 

"Lieber Lamine . . ."Weltverbands-Chef Diack hört Kritik aus der Leichtathletik-Szene 25. September 2006 (Hahn) - Der Schweizer Hansjörg Wirz, Präsident des Europäischen Leichtathletik-Verbandes EAA, unterliegt den Pflichten seines Amtes, das keineswegs

"Lieber Lamine . . ."

Weltverbands-Chef Diack hört Kritik aus der Leichtathletik-Szene

25. September 2006 (Hahn) - Der Schweizer Hansjörg Wirz, Präsident des Europäischen Leichtathletik-Verbandes EAA, unterliegt den Pflichten seines Amtes, das keineswegs das Nachbrüllen griffiger Parolen vorsieht. Und deswegen bewertet er den jüngsten, sehr offensiven Diskussionsbeitrag seines früheren EAA-Kollegen Luciano Barra nun auch nach zweierlei Kriterien. Erstens nach seinem Inhalt, zweitens nach seiner Form. Die Form also findet Wirz eher schäbig. Dem Präsidenten des Weltverbandes IAAF, Lamine Diack, hat Barra nämlich eine offene Rücktrittsforderung geschickt, die nicht nur an die 28 Mitglieder der IAAF-Ratsversammlung - des so genannten Councils - ging, sondern via E-Mail auch an mehrere Medienredaktionen. Und in dem Brief gibt es Formulierungen, die Wirz zu polemisch sind: "So eine Form geht sofort auf die emotionale Ebene." Aber der Inhalt? Den findet Wirz nicht schlecht. "Da gibt es verschiedene Inhalte", sagt er, "die sind als Probleme erkannt."

Der Privatier Luciano Barra aus Cortona in Italien, 64, ehemals EAA-Eventmanager und zuletzt leitender Geschäftsführer im Organisationskomitee für Olympia in Turin, hat auf seinen sieben eng beschriebenen Seiten den Frust einiger Leichtathletik-Funktionäre über Diack
bestimmt ganz gut wiedergegeben. Gerade in Europa, dem Kontinent mit den wichtigsten Meetings, fühlen sich viele gebremst von dem behäbigen IAAF-Chef aus dem Senegal. In der Tat ist Diack, 73, in den sieben Jahren seiner Amtszeit nicht gerade als Visionär aufgefallen, sondern eher als etwas fahriger Verwalter des Bestehenden. Und die Zeit ist reif für seine Gegner, sich zu formieren, denn nächsten August sind Neuwahlen, direkt vor der WM in Osaka.

Der Brief ("Lieber Lamine . . .") ist ein bisschen eitel, und er bemüht das Stilmittel der Dramatisierung. Barra schreibt: "Als mir einer der besten IAAF-Organisatoren zu meiner Arbeit bei Olympia gratulierte, sagte er: ,Kein Skifahrer in Turin ist so schnell abwärts gefahren wie unser Sport im Moment."" Aber seine Vorwürfe sind gut ausformuliert und mit Zahlen belegt.
Barra beklagt Diacks mangelnde Reformfähigkeit, zweifelhafte Investitionen sowie einen Schwund an Fernsehzeiten und Sponsoren-Engagement. Sogar eine gewisse Anarchie mit zu viel Macht für Manager und Athleten, die nach Gutdünken ihre stärksten Gegner meiden. Eine Abkehr von der Weltrekord-Hatz fordert er. Und in der Antidopingfrage wendet er sich gegen Diacks Forderung nach einer Sperre von vier statt zwei Jahren bei positiven Fällen. Das bringe nichts, findet Barra: "Die einzige Lösung ist, den politischen Willen und die Stärke zu haben, die Finger tiefer ins System zu legen, wenn nötig, zu ermitteln und letztlich alle im Umfeld des Athleten zu suspendieren, inklusive des nationalen Verbandes." Das klingt gut.

Die Frage ist nur, wem Barra dient. Sich selbst nicht, behauptet er ("auf keinen Fall bewerbe ich mich um irgendeinen Platz"). Allerdings genießt Barra einen Ruf als treuer Adlatus. Diacks Vorgänger Primo Nebiolo, der die Leichtathletik dem Kommerz öffnete und sie bis kurz vor seinem Tod 1999 als absoluter Herrscher prägte, diente Barra einst als ergebener Assistent. Nach der WM 1987 in Rom stellte sich sogar heraus, dass Barra, damals Generalsekretär des italienischen Verbandes, einen absichtlichen Messfehler abgesegnet hatte, der dem heimischen Weitspringer Giovanni Evangelisti Bronze brachte. Nebiolo liebte italienische Erfolge. Barra musste gehen.

Und jetzt? Es heißt, dass Luciano Barra dem griechischen Milliardär und IAAF-Council-Mitglied Minos Kyriakou nahe steht. Das könnte bedeuten, dass Barra mit seinem Angriff die Stimmung im Verband ausloten soll, damit Kyriakou seine Chancen auf eine Nachfolge Diacks besser einschätzen kann. Noch gibt es keine Gegenkandidatur, aber eine Karriere im Sport findet Kyriakou offensichtlich attraktiv, sonst wäre er kaum Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Griechenlands geworden. Sein Interesse gilt vor allem dem Internationalen Olympischen Komitee, aber auf dem Weg dorthin kann es nicht schaden, sich als Chef des mitgliederstärksten olympischen Fachverbandes zu profilieren. Was wiederum einen etwas zu harschen Kontrast zum trägen Diack bedeuten könnte. Wie ernst Kyriakou es mit den Werten des Sports meint, ist nicht ganz klar. Seit diesem Jahr ist er auch Präsident der Internationalen Olympischen Akademie, eine Art Oberwächter der olympischen Ideale also, aber sein erster Auftritt als solcher bei der Session diesen Sommer in Olympia wirkte nicht sehr beseelt. Er kam mit dem Hubschrauber, ließ sich mit dem Golfwagen über das Gelände chauffieren, sprach ein paar routinierte Worte und flog nach ein paar Stunden wieder mit dem Hubschrauber weg. Ist das die Zukunft der Leichtathletik? Luciano Barra wird es wohl wissen.

von Thomas Hahn

mit freundlicher Genehmigung des Verfassers

Behandlung einer Stressfraktur

26. September 2006 (Gharavi)


Wichtiger Hinweis!

Der folgende Fall ist eine Dokumentation. Er beschreibt Rehabilitations-Algorithmen, die unter strenger, engmaschiger medizinischer Aufsicht durchgeführt wurden. Dieser Fall ist keinesfalls als Therapieempfehlung zu werten. Unqualifizierte Nachahmung kann die Gesundheit und folglich auch das Leben des betreuten Athleten gefährden. Gerne steht der Verfasser Dr. Dr. Homayun Gharavi unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! beratend zur Verfügung.

Fallbericht: Ermüdungsbruch Vorfuß

Liedl Julia
Alter: 15 Jahre
25 cm Wachstum in vergangenen 15 – 18 Monaten

Nachwuchsathletin Bayernkader Schülerinnen 400m/800m

stellt sich mit Schmerzen im rechten Vorfuß vor (seit drei Tagen)

MR-Aufnahme bestätigt die Diagnose „Stressfraktur“ (Metatarsale III re’)
Kernspin
Kernspin





 

Phase 1
Entlastungsphase/Tag: 0-14

Entlastung der Frakturzone (optional mit
Immobilisationsschuh, z.B. Aircast)

Ziele: Kontrolle von Schwellung und Schmerz.
Ungestörte Kalusbildung, Aufrechterhaltung der
Trainingsbereitschaft und –leistung.

  • NSAR bei Bedarf. Kühlung. Kompression.
  • Sportartspezifische kardiovaskuläre Konditionierung
    im Wasser ohne Bodenkontakt ab Tag 3.
  • Durchgehend “Stressimpfung“
    mit Wettkampfszenarios

 

 

 

Phase 2
Frühe Teilbelastungsphase/Woche: 3-5

Pooltraining mit schmerzfreiem Bodenkontakt
(Brusttiefes Wasser, aszendierender
Belastungsaufbau durch Verlagerung in flacheres
Wasser im Laufe der 3 Wochen)

Ziele: Wiedererlangung der propriozeptiven und
koordinativen Fähigkeiten des Fußes und der
gesamten unteren Extremitäten

  • Gehen (Stemm-, Amortisations-, Abdruckphase)
  • Skipping, Seitschritt , Rückwärtsläufe, beidbeinige und
    einbeinige Sprünge, etc. ohne Bodenkontakt ab Tag 3.

 

 

 

Phase 3
Intermediäre Übungsphase
Adaptierte Vollbelastung (30 min je Mo, Mi, Frei) /Woche: 6

Voraussetzung: Schmerzfreies
Gehen und volle Muskelkontraktionsfähigkeit

Ziele: Rekonditionierung des Bewegungsablaufes,
Wiederherstellung der vollen neuromuskulären
propriozeptiven Fähigkeiten

Pooltraining ohne Bodenkontakt am Di, Do.
Ergometer am Mi.

Auszüge aus der Performance Enhancement:
Sprintbewegungsablauf mit Schwerpunktoptimierung

 

Sprintbewegungsablauf mit Schwerpunktoptimierung

 

Intermediäre Übungsphase
Adaptierte Vollbelastung (30 min je Mo, Mi, Frei) /Woche: 6

Voraussetzung: Schmerzfreies
Gehen und volle Muskelkontraktionsfähigkeit

Ziele: Rekonditionierung des Bewegungsablaufes,
Wiederherstellung der vollen Kraft- und funktionellen
Beweglichkeit der benachbarten Gelenke

Pooltraining ohne Bodenkontakt am Di, Do.
Ergometer am Mi.

 

Sprintbewegungsablauf mit Schwerpunktoptimierung

 

von Dr. Dr. Homayun Gharavi

Behandlung einer Stressfraktur

27. September 2006 (Gharavi)


Wichtiger Hinweis!

Der folgende Fall ist eine Dokumentation. Er beschreibt Rehabilitations-Algorithmen, die unter strenger, engmaschiger medizinischer Aufsicht durchgeführt wurden. Dieser Fall ist keinesfalls als Therapieempfehlung zu werten. Unqualifizierte Nachahmung kann die Gesundheit und folglich auch das Leben des betreuten Athleten gefährden. Gerne steht der Verfasser Dr. Dr. Homayun Gharavi unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! beratend zur Verfügung.

Fallbericht: Ermüdungsbruch Vorfuß

Liedl Julia
Alter: 15 Jahre
25 cm Wachstum in vergangenen 15 – 18 Monaten

Nachwuchsathletin Bayernkader Schülerinnen 400m/800m

stellt sich mit Schmerzen im rechten Vorfuß vor (seit drei Tagen)

MR-Aufnahme bestätigt die Diagnose „Stressfraktur“ (Metatarsale III re’)
Kernspin
Kernspin

 


Phase 4
Erweiterte Übungsphase
Vorbereitung auf sportärztliche Vollbelastung
Woche: 7

Voraussetzung: Schmerzfreies Joggen &
Springen auf Sand und volle
Muskelkontraktionsfähigkeit

Ziele:
Progressiver Belastungsaufbau,
Angleichende Rekonditionierung des
Bewegungsablaufes

Pooltraining ohne Bodenkontakt am Di, Do.
Ergometer am Mi.

Nicht-steroidale Schmerzkontrolle bei Bedarf

Sprintbewegungsablauf mit Schwerpunktoptimierung

 

Phase 5
Fortgeschrittene Übungsphase
Woche: 8

Voraussetzung: Schmerzfreiheit beim Joggen auf Grasbelag

Ziele:
Restitution auf 100 %ige Kraft, Dynamik und
Beweglichkeit. Volle Wiederherstellung
der konditionellen Fähigkeiten

 

Phase 5

 

Phase 5
Fortgeschrittene Übungsphase
Woche: 8

Voraussetzung: Schmerzfreiheit beim Beschleunigungslauf auf Grasbelag

Ziele:
Restitution auf 100 %ige Kraft, Dynamik und
ROM. Volle Wiederherstellung
der konditionellen Fähigkeiten

 

 

Phase 5: Beschleunigungslauf auf Grasbelag

 

Phase 5
Fortgeschrittene Übungsphase
Ende Woche: 8

Voraussetzung: Schmerzfreiheit beim Beschleunigungslauf auf Tartan

Ziele:
Restitution auf 100 %ige Kraft, Dynamik und
ROM. Volle Wiederherstellung
der konditionellen Fähigkeiten

Nicht-steroidale Schmerzkontrolle bei Bedarf

 

 

Phase 5: Beschleunigungslauf auf Tartan

 

Phase 6
Rückführung ins volle Training,
Wettkampfteilnahme
Woche: 9

Phase 6: Wettkampf | © Theo Kiefner
Foto: © Theo Kiefner

von Dr. Dr. Homayun Gharavi

Deutschlands Athleten stehen selten im Mittelpunkt

Die nationale Meetinglandschaft leidet unter Strukturproblemen

7. Oktober 2006 (Ring) –  „Es gibt viel zu viele Meetings, leider aber viel zu wenig gute“, sagte einmal Jürgen Mallow, als er noch leitender Landestrainer in Bayern war und sprach da durchaus ein Thema an, das an Brisanz nie verloren hat. Inzwischen hat sich in der Meetingszene einiges getan. Aus einem Wirrwarr von größeren und kleineren Veranstaltungen haben sich inzwischen Kategorien herausgeschält, die durchaus Wert darauf legen, gewisse Standards zu erfüllen. Dabei wird aber immer noch nicht vordergründig in Richtung Förderung der nationalen Spitze gedacht.

Hier und heute soll nun nicht über jene Events gesprochen werden, die im Dunstkreis der IAAF oder der EAA stattfinden, dort gewissen Regularien unterworfen sind und in der Regel der Weltklasse Startmöglichkeiten en masse bieten. Inzwischen gibt sich der Unterbau immer mehr  Mühe, sich zu verständigen, nach dem Motto „vereint sind wir stärker“. In Deutschland sind so die German Meetings, in Bayern, noch ein Stückchen darunter die Bayern Top - Meetings entstanden.

Fangen wir einmal bei den German Meetings an. Ein solches zu werden ist gar nicht so leicht. Der Qualitätsanspuch ist recht hoch. Man bedient sich der internationalen Regeln des (Veranstaltungs-)Rankings über eine Punktetabelle. Die Meetings selbst werden von Managern organisiert, die auch die Teilnehmerfelder zusammenstellen. Das Sponsoraufkommen ist beträchtlich, meist im sechsstelligen Euro-Bereich. Dies hat natürlich Folgen fürs Starterfeld.  Die Güte des Feldes will und kann sich selten an der Klasse der nationalen Elite orientieren, einzige Zielsetzung ist, die Leistungsgüte der einzelnen Disziplinfelder zu verbessern. Der Sieg selbst steht nicht im Vordergrund. Nationale Eliteathleten/Innen kommen je nach Veranstaltung hier unter, auch unter Verzicht auf irgendwelche finanzielle Zuwendungen. Für junge Anschlussathleten/Innen gibt es B-Wettbewerbe. Die Zwänge der Meetings über Fernsehzeiten und Sponsorenverpflichtungen sind im Hintergrund gegeben, die Gestaltungsmöglichkeit durch Trainer relativ gering, die Einflussnahme durch den DLV nur sehr früh im Vorfeld möglich.

So wird denn das Hauptaugenmerk auf das Athletenmanagement gelegt, ohne Rücksicht auf die  Nationalitäten. Wünsche der Trainer zwecks Terminplanung sind schwer durchsetzbar. Nicht gemanagte Athleten/Innen haben es schwer, in die Wettbewerbe hineinzukommen. Die Meetings selbst kämpfen mit regem Publikumszuspruch, weil die  Weltklasse  meist  nur ein bis zwei Kategorien höher zu rekrutieren ist und Fachpublikum nicht in vorzeigbaren Massen angelockt werden kann. Natürlich brauchen diese Veranstaltung von Jahr zu Jahr immer wieder „Frischfleisch“, am besten nationales. Das wächst aber auch nicht zu auf den Bäumen, braucht Praxis, um überhaupt präsentierbar zu sein.

Sich bei regionalen bzw. LV- Meisterschaften „zu bemühen“ ist für viele  eine Möglichkeit, die andere eine One-man-show, mit dem Ziel, eine gute Leistung bei Provinzevents abzuliefern. Der Entwicklung der/des Athleten/In dient das nur bedingt und an der Schwelle zum „zu gut für die Provinz und (noch) zu schlecht für die Einladungsveranstaltungen“ scheitern viele hoffnungsvollen Nachwuchstalente.

Die Verbände reagieren darauf mit Fördermeetings und LV-Vergleichswettkämpfen. In Bayern sind zumindest aus den Förderwettkämpfen die „Bayern Top - Meetings“ entstanden, bei denen Anschlussklasse gebündelt werden soll, leistungsgleiche Konkurrenz immer mehr entsteht und freie Teilnahme uneingeschränkt möglich ist. Zuschauer kommen deswegen natürlich auch kaum. Dies fällt in der Regel aber meist nicht auf, weil die hohen Teilnehmerfelder das Meeting zum echten Familienfest, nämlich das der Leichtathletikfamilie machen. Gelingt dann auch noch über regionales Kleinsponsering eine sinnvolle Investition in die Organisation und Moderation,, entsteht ein durchaus erlebenswertes und leistungsförderndes Meeting für die zahlreich Beteiligten.

Wünschenswert wäre es, diese bisher hauptsächlich auf Landesebene begrenzten Meetings im Regionalverbund (z.B. Bayern + Thüringen + Württemberg) oder auch unter Einbeziehung grenznaher „Ausländer“ anzubieten.  Dies hat sich in Belgien bereits gut entwickelt. Ein Ansatz in diese Richtung war die Domspitzmilch-Gala in 2006 Regensburg, bei der es gelang, neben Top-Rennen C- und D-Läufe bzw. Nachwuchswettbewerbe zu platzieren und am Ende zwischen 20-22 Uhr auch noch die 10.000 m-Läufer/Innen sehr zahlreich um Bestzeiten kämpften. Eine Möglichkeit, die im Veranstaltungs-Deutschland schon Seltenheitscharakter hat, aber äußerst leistungsfördernd war.

Diese Veranstaltung am 1. Juni diese Jahres 2006 entstand  aus verschiedenen besonderen Umständen heraus. Erstens hatte das Event durch die anstehenden Europacupqualifikationen plötzlich einen Teileinladungscharakter durch den DLV, zweitens den Nebeneffekt des absoluten Wettbewerbscharakters, unabhängig der Leistung, rein vor allem auf den  Sieg ausgerichtet. Befürchtungen einiger Insider, vor allem aus Managerkreisen, man würde am Ende lediglich mit den zwei, drei vom DLV eingeladenen nationalen Topleuten (pro Disziplin) und einer mehr oder weniger großen Schar von Nobodys vor leeren Rängen eine schale Leistungsshow im minderen Bereich erleben, bewahrheiteten sich nicht. Die Anschlussathleten/Innen, meist managerfrei und  über ihre Vereine gemeldet, strömten in so großer Zahl in die Domstadt, dass die Veranstalter vor den magischen Zahl 1000 einen Aufnahmestopp vollziehen mussten. Am Tag selbst fühlte sich dann Deutschlands Leichtathletikelite so herausgefordert oder auch mitgerissen, dass ein Feuerwerk an Bestleistungen entstand vor immerhin über 3000 Zuschauern. Aus wem sich die zusammensetzten, spielt eigentlich keine Rolle. Randbemerkung dazu: viele, sogar sehr viele Topathleten/Innen stellten ihr entgangenes Antrittsgeld nicht in der Vordergrund sondern äußerten spontan: „Wir kommen wieder“.

Was ist nun an dieser Domspitzmilch Gala bezüglich der weiteren Zukunft so nachdenkenswert? Der Versuch nationale Spitze via Einladung mit Anschlussspitze via Meldung zu verbinden ist voll aufgegangen. Es ist machbar, A-B-C- Läufe dem Publikum zu präsentieren, wenn dies zeitlich geschickt mit „Vorprogramm“ und „Hauptprogramm“ geschieht. Der Großteil des Publikums kann damit umgehen, weil es sich zum großen Teil um „Fachleute“ handelt. Den Faktor Stimmung konnte man über die im Vorprogramm teilnahmeberechtigte „Rahmenwettbewerblern“ im Hauptprogramm auf einen akustisch messbaren Level heben. Die wo anders so dringend benötigte Ausländerpower wurde nur sporadisch, den  deutschen Bedürfnissen entsprechend, eingesetzt. Die einheimischen Heroes standen im Mittelpunkt. Es ging um was, in erster Linie um den Sieg. Das hat den Leistungsdurchschnitt nicht geschmälert.
Regensburg ist sicher so nicht „eins zu eins“ nachzumachen, weil es eine so hohe Einladungsquote seitens des DLV in Richtung eines Großevents zum Nutzen einer Veranstaltung nicht oft geben wird. Der Einladungsanteil könnte durchaus aber von einem Managementproportium ersetzt werden, überall in Deutschland, zum Nutzen der deutschen Leichtathletik. Der Angst, die nötigen Ranking-Punktzahlen nicht mehr erreichen zu können, kann entgegengehalten werden, dass die Domspitzmilch Gala nach Aussage von DLV Manager Siegfried Schonert locker mit seinen Leistungen hätte mithalten können.


Festzuhalten ist:

Unser nationales Wettkampfsystem muss zugunsten „aller leistungsorientierten“ Athleten/Innen  überarbeitet und neu geordnet werden. Ziel ist der Leistungsfortschritt in allen Altersbereichen.. Altersübergreifenden Wettkämpfe mit leistungsgleichen Jugendliche und Erwachsenen, Frauen mit Männern, müssen forciert werden.
Ein Regionalkonzept mit vernünftigen Reisewegen ist zu entwickeln. Der DLV hat dazu schon die ersten Schritte eingeleitet.
Die „Meisterschaftssucht“ auf den unteren Ebenen (Kreis/Bezirk) muss eingedämmt werden. Das Ansammeln von wertlosen, weil konkurrenzlos erkämpften Kreis-/Bezirksmeistertiteln ist nicht leistungsentwickelnd.

von Kurt Ring


Meetings Scoring - Outdoor 2006

Hier gehts weiter zur Meeting Auswertung ...