Regeneration, was ist das - Beine hochlegen oder aktiv bewegen?

17. Dezember 2006 (Gharavi) - Wettkampforientierter Leistungssport hat in den letzten Jahrzehnten einen Wandel erlebt, der sich nicht zuletzt auch auf die Trainingshäufigkeit und -intensität ausgewirkt hat. Während in den 50er und 60er Jahren internationale Spitzenathleten mit 2 – 3 Trainingseinheiten pro Woche das Treppchen bestiegen, halten heute Nachwuchsathleten einen 6-Wochentag-Training ein, um sich in Ihrer Leistungsklasse behaupten zu können. Dabei absolvieren sie mitunter 2 bis 3 Trainingseinheiten pro Trainingstag. Umso größer wird daher der Schrei nach effizienten Methoden der Regeneration, um nicht in der Leistungsstagnation oder gar in das negative Übertraining zu gelangen.

Wünschenswert ist das positive Übertraining, welches in das allgegenwärtige Modell der „Superkompensation“ führt (siehe Abb.). Dabei erfährt der Organismus eine Erschöpfung oder nennen wir es einen gewissen Zerfall durch das Training, welcher im Körper Entzündungsvorgänge stimuliert, die dann ihrerseits den Wiederaufbau (Adaptationsvorgang) bewirken. Diese Vorgänge kompensieren also den gesetzten Schaden und können sogar, sofern das Training einen gewissen Mindestreiz setzen konnte, den Ausgangswert der Leistungsstärke übertreffen (Superkompensation). Geschick, Erfahrung und geschärfte Sinne von Trainer und Athlet setzen den neuen Trainingsreiz stets am höchsten Punkt der Kompensation, bevor die Leistungsfähigkeit sich – ohne einsetzenden Trainingsreiz – wieder den niedrigen Alltagsbelastungen eines Nichtsportlers anpasst. So kann eine stetige Steigerung der Leistung erwartet werden.

Ganz so nach Lehrbuch funktioniert es allerdings nie unentwegt. Es gibt Phasen erhöhter kollateraler Belastung (privat, Schule, Beruf), die großen Einfluss die Leistungsbereitschaft und die Erholung haben können. Selbst wenn wir diese kollateralkräfte ausser Acht lassen, so begegne ich regelmäßig Situationen, in denen übermotivierte Trainer und Athleten der Grund für eine negative Kurve sind. Dabei herrscht ein Ungleichgewicht zwischen Trainingsreiz (zu steile Kurve nach unten) und der Erholungsphase (zu kurz und/oder zu flache Kurve nach oben). Die Trainingsreize erfolgen so selten auf der Spitze, sondern davor noch in der frühen Erholungsphase!

Nicht nur viele Trainer, sondern auch Athleten arbeiten nach dem altmodischen und völlig wahnsinnigen Spruch, „Was mich nicht umbringt, ...“. (Insbesondere im Fussballsport). Sie trainieren Ihre 5 Trainingstage pro Woche und legen an den Wochenenden die Beine hoch, um am Montag wieder „Klotzen“ zu können.

Im Folgenden darf ich Sie mit auf eine kleine Reise durch die aktuelle internationale Literatur der Wissenschaft begleiten, in der das Thema der effizienten Methoden der Regeneration behandelt wird.

Aktive versus passive Regeneration:
2005 hat eine Australische Forschergruppe die Literatur durchforstet und festgestellt, dass es keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise gibt, dass eine bestimmte Methode die Regenerationszeit wirklich verkürze (Weerapong). Sie beanstanden den fehlenden Standard, der außerhalb der Trainingseinheiten nicht kontrolliert worden war (z.B. Alkoholkonsum, Schlaf, psychischer Stress, etc.). Der Einfluss dieser Faktoren auf die dargelegten Laborparameter seien nicht genügend erforscht. Ein gutes Jahr später veröffentlichte dann eine Britische (Gill) ihre Resultate, welche sie anhand harter Laborparameter (Muskelenzyme, die beim Training freigesetzt werden und als Maß für Ermüdung herangezogen werden, da der Säuregehalt, also pH-Wert, des Muskels nicht mit der Ermüdung des Muskels korreliert – Boska.), belegten. Auch hier wurde nicht auf die detaillierten privaten Einflüsse eingegangen. Es lässt sich jedoch klar belegen, dass die aktive regenerative Trainingseinheit einen signifikanten Vorteil gegenüber der passiven 'Beine-hoch-Methode' hat. Optimal hat sich die Kombination aus Kühlung und danach Kompression (durch entsprechende Strümpfe) unmittelbar nach dem Training sowie die aktive Einheit am Tag nach der hohen Trainings- bzw. Wettkampfbelastung erwiesen.

Über die Dauer und Intensität dieser aktiven Regenerationseinheiten lässt sich sagen, dass hohe (submaximale) Intensitäten von kurzer Dauer eine schnellere Erholung garantieren, als längere Einheiten bei moderater bis niedriger Intensität (Tomlin)

Massagen?
Auch hier zeigen sich die Australier skeptisch (Weerapong, Barnett), da in der Literatur meist nicht die einzelnen technischen Unterschiede getrennt untersucht wurden. Doch eine Freiburger Gruppe (Schillinger) hat nun zeigen können, dass die Lymphdrainage unmittelbar nach der Trainingseinheit einen deutlichen Vorteil in der Regeneration erbringt. Lymphdrainage klingt nach viel, ist aber im Grunde nur das kräftige Ausmelken der Beine und/oder Arme herzwärts.

Musikhören beim Training?
Japanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass emotional antreibende Musik nur in unteren bis untersten Leistungsklassen (Nichtsportler, die sich nun dem Sport “aussetzen” wollen) förderlich sein kann (Yamashita). Jedoch, um im Wettkampfbereich zu bestehen, wird vom Athleten während des Trainings ein hoher Fokus verlangt, der nur durch ungeteilte Konzentration erreicht werden kann. Wer im Grenzbereich trainiert, weiss, dass auch die Lieblings-CD als unerwünschter Störfaktor wahrgenommen wird.

Ernährung und Flüssigkeit?
Hier sind sich die Gelehrten ziemlich einig. Die Zuckerspeicher (Glykogen) müssen wieder aufgefüllt werden. Dies geschieht am besten alle 2 Stunden, wobei nicht geklärt ist, ob flüssig oder fest. Der Zucker sollte nicht in Form von raffiniertem Zucker, Süssigkeiten oder Limo aufgenommen werden, da diese hohen Stoßkonzentrationen schnell wieder über die Niere ausgeschieden werden. Es empfehlen sich: Pasta, Brot, Kartoffeln, etc.

Die Flüssigkeit sollte eine Zuckerkonzentration von 1,7 % (optimal) bis maximal ca. 7 %  halten. So wird die Aufnahme und die Retention (also das Verbleiben der Flüssigkeit im Körper) optimiert. Auch hier gilt die goldene Regel: Nicht erst auf den Durst warten, da dieser ein Alarmzeichen ist, wenn es schon zu spät ist. Schluckweise und kontinuierlich ohne Zwang trinken.

Früherkennung von negativem Übertraining?
Oft wird das unerwünschte Übertraining erst entdeckt, wenn der Zeitpunkt einer wirksamen Gegensteuerung verpasst ist. Mit “wirksam” sei auf die Frage abgezielt: “Ist die Saison noch zu retten?”.

Aus der Sportpsychologie bedienen wir uns verschiedener Mittel, die die subjektiv wahrgenommene Intensität der Trainingseinheiten dokumentiert und entsprechende Wahrnehmungsentwicklungen den tatsächlich erbrachten Umfängen gegenüberstellt. Psychologische Methoden, die im Sport noch viel zu selten genutzt werden, stellen eine sehr effektive Methode des gesunden Leistungserhaltes dar.

Dr. Dr. Homayun Gharavi
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Literaturquellen:

  1. Barnett A, Using recovery modalities between training sessions in elite athletes: does it help?, Sports Med. 2006;36(9):781-96.
  2. Boska MD, et al., The metabolic basis of recovery after fatiguing exercise of human muscle., Neurology. 1990 Feb;40(2):240-4
  3. Burke LM, Nutrition for post-exercise recovery., Aust J Sci Med Sport. 1997 Mar;29(1):3-10
  4. Gill ND, et al., Effectiveness of post-match recovery strategies in rugby players. Br J Sports Med. 2006 Mar;40(3):260-3
  5. Kentta G. et al., Overtraining and recovery. A conceptual model., Sports Med. 1998 Jul;26(1):1-16
  6. Schillinger A, et al.,Effect of manual lymph drainage on the course of serum levels of muscle enzymes after treadmill exercise.,  Am J Phys Med Rehabil. 2006 Jun;85(6):516-20
  7. Tomlin DL, et al., The relationship between aerobic fitness and recovery from high intensity intermittent exercise., Sports Med. 2001;31(1):1-11
  8. Weerapong P et al., The mechanisms of massage and effects on performance, muscle recovery and injury prevention.,  Sports Med. 2005;35(3):235-56.
  9. Yamashita S, Effects of music during exercise on RPE, heart rate and the autonomic nervous system.,  J Sports Med Phys Fitness. 2006 Sep;46(3):425-30

Ein Weg im Marathon wieder zu Zeiten um 2:10 Std./min.

mit Wochenbeispiel 210 km

19. Dezember 2006 (Pöhlitz) - Auch deutsche Läufer können schnell laufen, wenn sie es nur wollen! Es erfordert vor allem eine hohe Bereitschaft „zur Arbeit“ in grenznahen Bereichen, hin und wider auch ein wenig Neigung zum „Quälix“, Disziplin zur Belastung und dazugehöriger organisierter Erholung und die notwendigen Willensqualitäten im Wettkampf.

Bevor es aber konkret wird soll eine „Ehrentafel“ unserer bisher 10 besten Männer und Frauen ehren und verdeutlichen, dass es bereits viele Deutsche zu Marathon-Ehren gebracht haben. Vielleicht können diese Vorbilder dazu beitragen, dass sich einige unserer Läufer/Innen das nachfolgende Training als Aufgabe für die nächsten Jahre vornehmen um wieder Anschluß an das Weltniveau zu finden.

Für die deutschen Frauen besteht gegenwärtig die besondere Problematik, das sich in der Phase in der sich Uta Pippig und Katrin Doerre-Heinig aus dem Hochleistungstraining zurückgezogen haben, die Weltspitze auf Zeiten unter 2:20 Std/min davonzog !

2006-12-19-trainingsorientierung-marathon2006-12-19-trainingsorientierung-marathon

Eine Verbesserung der Marathon- bzw. auch Halbmarathonleistung ist abhängig vom Niveau der aeroben Leistungsfähigkeit (vL2 bzw. vL3).Für eine Marathonleistung von 2:10 Std./min ist eine aerobe Schwelle von 5,4-5,6 m/s Basis, für 2:25 Std./min der Frauen sind 4,90 – 5,10 m/s Voraussetzung.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei der für das Training abgeleiteten Herzfrequenz in Abhängigkeit von klimatischen und tagesbiologischen Faktoren Schwankungen nicht selten sind. Die wichtigste leistungsbestimmende Größe ist der Umfang (km). Für Spitzenmarathonläufer/Innen ist ein wöchentlicher Umfang von 200 km und mehr, für Nachwuchsstraßenläufer (U23) von 140 -> 170 km notwendig.

Die physiologischen Anforderungen und die Verallgemeinerung praktischer Erfahrungen aus dem Training weltbester MarathonläuferInnen lassen zusammengefasst folgende Empfehlungen für das Hochleistungstraining zu ; mit viel weniger geht´s nicht:

  • mehrfache mehrwöchentliche ( 6 – 12 Wochen ) Umfangsorientierung, ansteigend im Jahr im Bereich von 180 – 260 km, möglichst im Höhentraining
  • 3 Monate Fettstoffwechseltraining bei ansteigender Intensität 3 – 5 Stunden bei Puls 120-140 bzw. 70-80 % von vL 2 ( auch kombiniert „mit anderen Sportarten“ ) zu Beginn des Jahres. Überdistanztraining
  • Belastbarkeit aufbauen, stabilisieren und sichern (allgemeine und spezielle Kraft / Athletik / Beweglichkeitsentwicklung / spezielle Fuß- und Fußgelenkskraft)
  • Aerobe Kraftausdauer (Bergan-und Bergabläufe / Querfeldeinläufe / Kreistraining / Ausdauersprünge / Lange Berganläufe im Gebirge )
  • Marathonspezifische Läufe (MSL) » 35 – 45 km (82 » 92 % v. L-Ziel) in den letzten 10 – 12 Wochen ansteigend ( v + s )
  • Tempodauerläufe 10 » 15 » 20 -> 12 -> 8 -> 6 km Entwicklung zur Zielgeschwindigkeit hin  93-105 % als Voraussetzungstraining für MSL mit guter Qualität. Dabei hat die 20 km Strecke die höchste Wirkung
  • Möglichst großer Anteil DL - km in mittlerer Geschwindigkeit (15–30 km / 82-92 % v. L-Ziel) d.h. : Männer : ~ 4,2 – 4,8 m/s / Frauen : ~ 3,8 – 4,5 m/s
  • Tempolaufprogramme ( Gesamt-Umfang bis 25 km ) oder 16–20 km DL–TW ( 1000:1000 oder 1000:600m) bzw. auch entsprechende Fahrtspiele, kurze ( 400 m ) » mittlere (1000 – 3000m) » lange TL ( 4 – 6 km ) Geschwindigkeit > 103 % vom Leistungsziel
  • Regeneration (kurze, langsame DL

Möglichst schnelle und tiefe Regeneration nach hohen Belastungen (Intensität / MSL) mit den verschiedensten Mitteln und Methoden der Physiotherapie. Optimale Ernährung (Mischkost) + Flüssigkeitsversorgung. Physiotherapie ist zwingend!

Wochenbeispiel ~ 210 km

Die Erfahrung Einzelner, ein unterschiedlicher Mehrjahresaufbau, die bisherige individuelle Belastungsgestaltung, die individuelle Anpassungsfähigkeit , unterschiedliche Zielstellungen u.a. machen es schwer, einen für alle gleichermaßen gültigen Trainingsplan vorzuschlagen. Trotzdem sollen hier Erfahrungen aus erfolgreichen Marathonvorbereitungen verallgemeinert in einem Wochenplan angeboten werden. Bei einer hiervon abgeleiteten Planung sollten Sie von der gegenwärtigen Ausgangsposition systematisch aufbauend das Ziel verfolgen, sich dem Vorschlag allmählich anzunähern. Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es im Hochleistungstraining kaum, sieht man einmal von der Besonderheit ab, das Frauen manchmal mehrere Tage im Monat durch die Menstruation behindert etwas kürzer treten müssen. Auch deshalb wird im folgenden Wochenbeispiel die Intensität nicht konkret, sondern in % vom Leistungsziel angegeben.

Im Jahresaufbau kommt es darauf an einen geschwindigkeitsgeführten Belastungsaufbau zur Zielgeschwindigkeit hin systematisch zu verfolgen.

In normalen Belastungsphasen sollten in einem typischen Belastungsplan folgende Trainingsinhalte realisiert werden :

  • 2 – 3 TE im mittleren ( DL2, auch ansteigendem Lauftempo )
  • 2 TE mit TL1 bzw. DL-TW oder Fahrtspiel oder auch Berganläufen
  • 1 TE „DL lang“ -> Long Jog
  • in Kombination mit ATHLETIK / Kraft / Motorik / Beweglichkeitsübungen / Lauf ABC usw.
  • 2 x wöchentlich Physiotherapie ( Di + Fr )

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Um die Zweifler ob einer solchen Belastung etwas zu beruhigen, will ich noch anfügen, das Katrin Doerre-Heinig aus einer Phase der speziellen Vorbereitung auf einen Marathon von absolvierten 60 km pro Tag berichtete, die sich auf 15 km am Morgen, 15-25 km am späten Vormittag, 15-25 km am Nachmittag mit noch anschließender Athletik oder auch einer erholsamen Sauna, zusammensetzten.

“ Es gibt keine Denkverbote”

15. September 2006 - Unter diesem Motto soll diese spezielle Internetplattform Leichtathleten (zunächst schwerpunktmäßig für den Bereich Lauf/Gehen) und ihren Trainern auf dem Weg zur persönlichen Höchstleistung, auf dem Weg vor allem zur internationalen Spitze Hilfe und Unterstützung, Informationen, Wissen und Erfahrungen, Anregungen, Tipps und Motivation und ein Diskussionsforum zu den vielfältigen Problemen der Leistungsvorbereitung, bieten.

Schrittweise werden Beiträge zur Theorie und Praxis des Leistungs- bzw. Hochleistungstrai-nings, ausgerichtet auf die olympischen Disziplinen – ein-schließlich des Jugendtrainings - auf den folgenden Seiten platziert. Wir werden schwerpunktmäßig mit dem Bereich Lauf/Gehen, Langsprint und Sprint beginnen. Zur Mitarbeit sind alle aufgerufen, die im In- und Ausland im Hochleistungstraining arbeiten oder sich dieser Aufgabe verbunden fühlen. Aus der Erkenntnis, dass es in der Trainingsmethodik im Prinzip keine Geheimnisse mehr gibt – sieht man mal von der Dopingproblematik ab – Umwege zur Leistung aber vermieden werden können und wir gern helfen würden das Tempo der Leistungsentwicklung zu beschleunigen, hoffen wir, dass Trainer, natürlich auch Verbandstrainer, Sportwissenschaftler, Sportmediziner, Physiotherapeuten, Sportpsychologen, Institute, die sich mit diesem Anliegen beschäftigen etc. diese Möglichkeit mit möglichst kurzen, praxisorientierten Beiträgen ( nur in deutsch ) entsprechend unterstützen.

Wir würden gern die verschiedensten Wege einer erfolgreichen Vorbereitung auf sportliche Höhepunkte hier darstellen und auch deutlich machen, dass sportwissenschaftliche Lehrsätze nicht immer einfach in sportliche Höchstleistungen umzusetzen sind.

Wir werden auch über das Training der Weltbesten berichten, soweit die zur Verfügung stehenden Informationen aussagekräftig und einigermaßen glaubhaft sind.

In einer Foto-Galerie bieten wir professionellen Sportfotografen eine Plattform zur Präsentation ihrer Bilder aus dem Bereich Lauf / Gehen, die unsere Leser dann direkt bestellen können. Das Foto des Monats bzw. Fotos zur Illustration der Textbeiträge werden aus dieser Galerie ausgewählt. Natürlich können auch Sie mit ihren privaten außergewöhnlichen Schnappschüssen das Glück haben sich hier wiederzufinden.

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Neu im Netz: www.la-coaching-academy.de


15. September 2006 - www.la-coaching-academy.de wird als unabhängige Trainer- und Athletenfortbildung ins Netz gestellt. Die Fäden im Hintergrund werden Lothar Pöhlitz, Kurt Ring und Dr. Dr. Homayun Gharavi (Sportmedizin) gemeinsam ziehen. Lothar Pöhlitz

Lothar Pöhlitz bringt Wissen und Erfahrung aus einer 41-jährigen hauptberuflichen Tätigkeit im Hochleistungssport mit. Er hat, was in der heutigen Zeit fast außergewöhnlich ist, in all den Jahren Sportler/Innen aller olympischen Lauf- und Gehdisziplinen selbst trainiert, hat 8 Jahre als Sportwissenschaftler und Trainingsmethodiker für den Leichtathletik Verband der DDR gearbeitet und war ab 1980 bis zu seiner Pensionierung 18 Jahre lang als Bundestrainer Lauf einschließlich der darin enthaltenen olympischen Vorbereitungen im DLV tätig. Die Trainer Aus- bzw. -fortbildung in Vereinen, Landesverbänden und an der Trainerakademie gehört seit vielen Jahre zu seinen Aufgaben.

Kurt RingKurt Ring bringt Wissen und Erfahrung als langjährig erfolgreicher Trainer, Cheftrainer und Teammanager der LG Domspitzmilch Regensburg ein. Sein Verdienst ist es, dass die LG Domspitzmilch zu einem in ganz Deutschland anerkanntem Verein herangewachsen ist. Besondere Erfahrung hat Kurt Ring im Trainingsmanagement und in der Nachwuchsausbildung. Verdienste hat er sich in den letzten Jahren als Organisator von vielen Landesmeisterschaften, drei deutschen Crossmeisterschaften, deutschen Straßenlaufmeisterschaften über 10 km und nicht zuletzt von der außerordentlich gut gelungenen Europacupausscheidung des DLV erworben. Er gilt als ausgesprochener Querdenker, der gerne eingefahrene Wege verlässt.

Homayun GharaviDer Vereinsarzt der LG Domspitzmilch (05/2006 - 10/2008), Dr. Dr. Homayun Gharavi, in Teheran geboren und bereits als Kleinkind nach Deutschland gekommen, schloss die Studiengänge Medizin und Sportwissenschaften jeweils mit der Promotion an der Georg-August-Universität Göttingen ab. Seine trainingswissenschaftlichen Arbeiten absolvierte er übrigens unter dem ehemaligen Olympioniken, Leichtathleten und Langstreckler Professor Dr. Arnd Krüger, wo er aktuell habilitiert. Von 1997 - 2001 arbeitete er in den USA, wo er die Ausbildung zum Athletic Trainer durchlief und unter anderem die College-Leichtathleten der Universität Davis (Kalifornien) unter der Leitung von Deanne Vochatzer (Olympia-Coach der US-Sprinterinnen in Atlanta) medizinisch betreute. Derzeit ist er als freier Dozent am Institut für Sportwissenschaften der Uni Regensburg tätig und leitet als Direktor der Deutschen Akademie für angewandte Sportmedizin eine international renomierte Fachgesellschaft, der zahlreiche hochkarätige Experten aus Medizin und Sportwissenschaft angehören. Er verfügt über eine beachtliche Liste an Profisportlern, Olympia- und WM-Teilnehmern sowie Kaderathleten, die sich erfolgreich in seiner Betreuung befinden.

Außenansicht: Geführt und verführtDas Publikum fragt nicht, ob Sportler dopen oder nicht - nur der Staat ist in der Lage, Stars vor sich selbst zu schützen Tübingen, 25. September 2006 (Digel)- In einer Sportsendung des Hessischen Rundfunks wurden

Außenansicht: Geführt und verführt

Das Publikum fragt nicht, ob Sportler dopen oder nicht - nur der Staat ist in der Lage, Stars vor sich selbst zu schützen

Tübingen, 25. September 2006 (Digel)- In einer Sportsendung des Hessischen Rundfunks wurden die Zuschauer vor kurzem über eine Ted-Umfrage gebeten, ihre Meinung zu einer Freigabe des Dopings zu bekunden. In der ersten Runde sprachen sich 50 Prozent der Zuschauer für eine Freigabe der Doping-Manipulation aus, nach einer 20-minütigen Studiodiskussion wuchs die Zahl der Befürworter auf 62 Prozent. Gewiss ist dieses Ergebnis nicht repräsentativ. Dennoch besitzen diese Zahlen eine alarmierende Aussagekraft.

Für immer mehr Zuschauer des Sports hat das Prinzip des Fairplays als leitendes Wertesystem des Hochleistungssports an Bedeutung verloren. Immer mehr Zuschauer erfreuen sich offensichtlich am Spektakel des Sports, und ihre Freude soll möglichst ungetrübt sein. Und dies scheint eher dann der Fall zu sein, wenn endlich die unendliche Diskussion über Doping beendet wird und man wieder den spektakulären Leistungen der Athletinnen und Athleten seine volle Aufmerksamkeit schenken kann.

Die hohe Zahl der Befürworter einer Dopingfreigabe kann niemanden wirklich überraschen. Die Empörung der Öffentlichkeit über aufgedeckten Betrug im Sport und entdeckte Betrüger des Sports ist stets nur vordergründig und äußerst kurzfristig. Kommen die Stars nach ihrem Betrug jeweils zurück in die Arena, so werden sie erneut als Helden gefeiert, ganz gleich, auf welcher Grundlage ihre sportlichen Leistungen erbracht werden. Beim ersten Tour-de-France-Skandal im Jahr 1998 hielt die Empörung lediglich wenige Wochen an. Die Zuschauer wendeten sich von der Sportart nicht ab, eher schien das Gegenteil der Fall zu sein. Beim diesjährigen Skandal wiederholte sich derselbe Sachverhalt. Im Fall der Sprinterin Grit Breuer war es in den neunziger Jahren so, dass sie nach ihrer zweijährigen Dopingsperre von den Zuschauern begeistert gefeiert wurde. Die italienischen Fußballbetrüger, die noch wenige Wochen vor der Fußball-Weltmeisterschaft in einer inszenierten öffentlichen Empörung als eine Art Mafia-Gang wahrgenommen wurden, wiederum sind wenige Wochen später als Weltmeister die gefeierten Helden der italienischen Gesellschaft.

Es ist kein neuer Befund, dass in Zeiten der Massenmedien die öffentliche Moral oft höchst widersprüchlich ist. Öffentlichkeit ist geführte und verführte Öffentlichkeit zugleich, sie wird gebildet und verbildet, wird aufgeklärt und hinters Licht geführt. Und ohne Zweifel sind es die Massenmedien, an allererster Stelle das Fernsehen, die dies auch noch begünstigen und verstärken. Wir können zwar nur spekulieren, wie wohl die Zuschauer vor 50 Jahren geantwortet hätten, wenn ihnen die Frage nach der Freigabe des Dopings gestellt worden wäre. Es kann jedoch unterstellt werden, dass damals die Idee des Fairplay sehr viel tiefer im Wertesystem von Sportlern und Zuschauern verankert war als heute. Heute hingegen muss man feststellen, angesichts der ständig wachsenden Verfehlungen im Hochleistungssport, im Breiten- und Gesundheitssport, im Fitnesssport, angesichts veränderter Einstellungen zum Gebrauch von Medikamenten und angesichts veränderter Lebensstile: Das Unrechtsbewusstsein in Bezug auf den Doping-Betrug erodiert. Wenn man mit US-Athleten über die Gefahren von Nahrungsergänzungsmitteln und Anabolika diskutiert, stößt man bei ihnen auf Unverständnis. Und auch in Deutschland scheint das Bewusstsein über die Bedeutung von Regeln zu schwinden, dem Sport scheint sein eigener Sinn abhanden zu kommen.

Der Sport hat sich ganz offensichtlich seine eigene Masse erzeugt. Doch Masse ist immer eben auch verführte und verführbare Masse, und sie liefert gewiss keine Richtschnur für verantwortliches politisches Handeln. Will der Sport ein schützenswertes und förderungswürdiges Kulturgut sein, will er über pädagogische, soziale und gesundheitsfördernde Qualitäten verfügen, so hat er sich vor seiner eigenen verführten Masse zu schützen. Er benötigt Schutz aus sich selbst heraus. Er benötigt aber auch Hilfe von außen, wobei gerade jene gesellschaftlichen Institutionen gefordert sind, die mit dazu beigetragen haben, den Sport zu jenem Massenphänomen zu entwickeln, das er heute ist. Politik, Wirtschaft und Massenmedien haben sich der Idee des Sports und deren ethischer Grundlagen zu versichern - und sich selbst auf diese zu verpflichten, soll der Sport auch künftig ein wünschenswerter Inhalt unserer Alltagskultur sein.

Betrachtet man den immer massiveren Doping-Betrug, so muss man erkennen: Über Reichweite und Struktur dieser Verbrechen kann lediglich spekuliert werden. Es liegt deshalb auf der Hand, dass der Beitrag des Sports ganz offensichtlich nicht ausreicht, um sie angemessen zu bekämpfen. Der Sport ist auf die Unterstützung des Staates angewiesen, und das heißt vor allem: auf staatliche Strafverfolgung. Notwendig ist, dass auch die Verantwortlichen des Sports begreifen, dass es sich bei Doping nicht um ein

Kavaliersdelikt handelt, dass alle Verantwortlichen wirklich bestraft gehören. In erster Linie muss der Sport vor Kriminellen geschützt werden, die als Dealer, Manager, Trainer, Ärzte, Pharmakologen und Funktionäre den Doping-Betrug des Athleten beziehungsweise der Athletin möglich machen. Der Sport muss aber auch vor kriminellen Sportlern geschützt werden, die ihre sauberen Konkurrenten betrügen, wirtschaftlich benachteiligen und die ethisch-moralische Grundlage des Kulturguts Sport gefährden. Wünschenswert wäre dabei, dass auch der Athlet und die Athletin bei einem Schuldnachweis mit staatlichen Strafen zu rechnen haben. Sie sind ja die zentralen Figuren bei diesen Verbrechen.

In Deutschland ist es üblich, Athleten, insbesondere in der Zeit, in der sie erfolgreich sind, zu verhätscheln. Es ist jedoch nicht nachvollziehbar, wenn dopende Athleten milder behandelt werden als jene, die mit ihnen gemeinsam die Verantwortung und damit auch die Schuld an Doping tragen. Wer den Athleten eine Amnestie zusagt, aber Strafen für Ärzte, Funktionäre und Trainer fordert (wie einst bei der Aufarbeitung der DDR-Dopingvergehen), der verkennt jene Strukturen, die den modernen Hochleistungssport prägen. Vom mündigen Athleten sollte deshalb nicht nur bei der Verleihung der Verdienstkreuze durch den Bundespräsidenten die Rede sein. Wenn Athleten als hinreichend kompetent gelten, um hoch dotierte Verträge mit Sponsoren abschließen zu können, wenn sie als Privatunternehmer des Sports auftreten, so sollten sie auch für ihr eigenes Handeln haften.

von Helmut Digel

Helmut Digel, von 1993 bis 2001 Präsident des Deutschen Leichtathletikverbandes(DLV), ist Vizepräsident des Leichtathletikweltverbandes IAAF. Professor Dr. Helmut Digel

mit freundlicher Genehmigung des Verfassers


Anmerkung der Redaktion

Herzlichen Dank für diesen Artikel!
Trotzdem möchten wir zwei Dinge anmerken:
  • So vehement der Kampf gegen Doping im innerdeutschen Sport geführt wird, so vehement muss nun auch der Druck auf Weltsportverbände mit dem Ziel qualitativ gleich guter und unabhängiger Kontrollen auf der ganzen Welt erhöht werden. Unsere Athleten/Innen benötigen diese Chancengleichheit dringend, um dopingfrei konkurrenzfähig zu bleiben.
  • Die Beurteilung unserer zum Hochleistungstraining bereiten Talente muss vom DOSB und DLV so geändert werden, dass die derzeit vorhandene, vielleicht sogar immer im größeren oder kleineren Maße bestehend bleibende Ungleichheit mit berücksichtigt wird.
Redaktion la-coaching-academy.de