Leistungspsychologie – wenn Bronze - Silber - Gold die Ziele sind

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© Lothar Pöhlitz – 20. August 2019 - Junge Lauf-Talente kommen zum Training, weil sie besser werden wollen, oft auch weil sie das Gefühl haben, besser sein zu können als andere in ihrem Umfeld. In diesen Momenten ist ihnen wohl noch nicht klar, dass sie das Training wollen müssen, um vor allem die arbeitenden Muskeln ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen und der Körper in Balance am effizientesten arbeitet. Auch wissen sie noch nicht, dass Muskeln nur wunschgemäß diensttun, wenn sie gesund und stark Signale aus dem Gehirn und dem Rückenmark empfangen und die wichtigste Voraussetzung für Siege bei wichtigen Wettkämpfen, bei Meisterschaften, das aufs Podium Wollen ist.

Traineraufgabe ist es ihnen, dem Gehirn zu „lehren“ welche Befehle es wann und wie intensiv geben muss, je früher umso wirkungsvoller. Das heißt Fachwissen, Bewusstmachung und Verbesserung durch regelmäßiges reizwirksames Training aller Systeme, in allen Altersklassen.

Wenn deutsche Läufer „beider deutschen Staaten“ bis 1992 Medaillen auf den verschiedensten Laufstrecken gewinnen konnten bin ich sicher, dass auch heute noch Talente und Trainer unter uns sind, die zu solchen Leistungen fähig wären.

Das Optimum: Hochleistungstraining trifft “Trainer-Psychologen“

Spitzensportler die ihre beste Leistung bei Höhepunkten „abliefern wollen“ müssen lernen ihr individuelles, körperliches und mentales System, Kopf und Beine, im Wettkampf zu beherrschen. Deshalb sollten sie und ihre Trainer, neben ihrem komplexen Training das sportpsychologische Training in ihren langfristigen Aufbau einbeziehen. Leistungssport-Psychologen können vor allem helfen, wenn Läufer – wie nicht so selten - unter Druckbedingungen ihre Ängste nicht besiegen, ihr Leistungspotential nicht abrufen können.

Glauben – Wollen - Selbstvertrauen

Den oft knappen Unterschied zwischen den drei auf einem Podium findet man in der Regel, trotz sehr guter sportlicher Form, in ihrer mentalen Stärke, in der Kampfkraft, die es ermöglicht in Endphasen Schmerzen zu ertragen und physische Grenzen zu überwinden. Viele haben durch ihre Ausbildung Ängste überwunden, die wir alle kennen: Zweifel, Leiden, Versagensängste, um nur einige zu nennen. Sie haben im harten Training ihre psychophysischen Grenzen verschoben und ihre gewonnenen Überzeugungen zuerst im Training, danach in Wettkämpfen in immer neuen persönlichen Bestleistungen präsentiert.

Alle wissen, dass es Siegertypen, mental Starke gibt. Trainer sollten deshalb die suchen, die anders sind als die anderen Kinder und Jugendlichen. Die die noch einmal richtig Gas geben, wenn die anderen schon stöhnen oder nach hinteren Plätzen von Mama in den Arm genommen werden. Dafür muss, altersgerecht rund um die Gesundheit möglichst früh wohldosiert das Muskelkorsett, Sehnen und Bänder gestärkt und erste Erfahrungen mit Wettkampfteilnahmen gesammelt werden.

Trainer müssen sich im Rahmen der sportpsychologischen Möglichkeiten besonders mit dem volitiven Potenzial und der Angst ihrer Läufer vor Wettkämpfen beschäftigen. Dafür müssen sie aber selbst psychisch stark und Siegertypen sein. Ein gutes Trainingsklima und eine gegenseitige Akzeptanz ermöglichen schnellere Fortschritte. Mit Entspannungs-Techniken, Atemübungen und Konzentrationsübungen können Athleten vor Wettbewerben ihre Leistung optimieren. Dazu müssen sie lernen sich zu entspannen und positiv bereit zu sein, die in die Rennen mitgegebenen Aufgaben zu erfüllen und erfolgreich sein oder vielleicht sogar gewinnen wollen.

          Wer schnell laufen will, muss auch schnell trainieren - wollen        

Glauben und Vertrauen sind Voraussetzungen um die Herausforderungen für das neue Jahr und die Zukunft zu bewältigen.             

Unabhängig von der Laufstrecke wird qualitativ hochwertige intensive Arbeit von den Anteilen reizwirksamer Geschwindigkeiten bestimmt. Dafür sind die Verbesserung der Qualität der wichtigen Übungen und die Programmierung des Gehirns Schlüsselaufgaben. Tests und Kontrollläufe sind Instrumente das Gehirn zu programmieren.

Die Großen funktionieren oft besser, weil sie überzeugt sind, dass sie die angestrebte Leistung auch können.

Ein positives Trainings-Arbeitsklima wird vor allem durch eine entsprechende Führungskompetenz der Trainer geschaffen.

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Das Gehirn muss schon früh programmiert werden

In den Rennen widerspiegelt sich auch der Willen des Trainers

Erfahrene Trainer wissen, dass das psychologische Training ganz eng an den individuellen Leistungsstand und präzise Aufgaben gebunden ist und auf das oft zu frühe mehr wollen oder sollen auch schon mal durch zu hohe Ermüdung, Unwohlsein oder sogar Verletzungen reagiert. So bleiben die erbrachten Leistungen immer im Bereich des aktuellen abrufbaren Leistungsstandes, d.h. der durch Training vermittelten Fähigkeiten an den Organismus. Sportliche Form ist immer das Ergebnis gemeinsamer Arbeit von Trainern und Athleten, von der gelungenen Umsetzung der komplexen Trainingsmethodik einer Sportart in psychophysische Stärke, von der vielfältigen Motivation durch den Trainer und auch der Leistungsbereitschaft des Läufers. Da unterscheiden sich Läufer von Fußballern, bei denen der Bundestrainer für die Siege und die Spieler für die Niederlagen zuständig sind.

       „Nur wer Triumphen und Niederlagen auf derselben Art und Weise begegnet, ist ein Großer“ (Rudyard Kipling)

       In den Rennen widerspiegelt sich immer auch der „Wille des Trainers“

Leistungspsychologie bedeutet fürs Training begeistern und stärker machen

Leistungspsychologie ist im Leistungssport natürlich immer an anzustrebende Leistungen und Erwartungen, im Hochleistungssport an Siege und Medaillen, sowohl an körperliche als auch an geistige Anforderungen, gebunden. Die Leistungspsycho-logie hilft, wenn man persönliche Ziele hat und motiviert ist, sie zu verfolgen. Das mehr zu wollen ist im Leistungssport die Voraussetzung zur Leistungssteigerung, zum Aufbau mentaler Stärke und Grundlage für die Qualität nachhaltiger Erfolge. Wenn man an große Siege denkt, weiß man, man muss mehr tun als die anderen, am besten mit seinem Trainer und unter umfassender Nutzung seines leistungssportlichen und privaten Umfeldes.

Jeder Läufer, jedes Talent ist individuell, d.h. anders. Jeder geht, auf der Grundlage seiner Erziehung in der Kindheit, anders mit Zielen und Herausforderungen, aber auch mit Niederlagen und Rückschlägen um. Die Willensstarken, „harten“ nutzen das tägliche Training, die Willensschwachen tippen zu Hause Unsinn in ihr Smartphone und glauben, dass es ohne Disco oder Verzicht nicht geht. In einer langfristigen Nachwuchsausbildung muss deshalb schon jungen Läufern, neben der Trainingslehre, immer auch das Gehirn programmiert werden, d.h. auch geistig auf die nachfolgenden Aufgaben vorbereitet werden, wie zum Beispiel durch:

  • Motivation / Leidenschaft / Hoffnungen / Willensqualitäten / Umgang mit Training und Wettkämpfen / Selbstvertrauen / Selbstbewusstsein / Glauben / Mentaltraining / Trainer-Führungsqualitäten / Arbeit im Team / Partnertraining / Verfolgung anspruchsvoller Ziele / Aufbau der Belastbarkeit

       Erfolg und Misserfolg werden entscheidend von der Überzeugung der eigenen Fähigkeiten beeinflusst. Die leistungsbedingenden Faktoren im Lauf sind die physische Vorbereitung sowie die psychische Wettkampfbereitschaft. Beides kann auf der Grundlage der ererbten Anlagen trainiert werden.

                                                                                                                                                           (Aderhold / Weigelt 2012)

Leider ist der außerschulische Sport an den Schulen, durch die Sportlehrer organisiert, auch nicht mehr das was er einmal war. So kommt fast nur noch den Eltern von sportlich Hochbegabten zu, Zeit und Geduld für sie zu haben und sie zu fördern, zu fahren, sie zu solchen Trainern zu bringen die ihre Muskeln, den Stoffwechsel und das Gehirn möglichst früh trainieren und sie systematisch „lehren“ immer höhere Anforderungen zu bewältigen.

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Mögliche realistische Ziele sollten in der Ausbildung immer auch mit Herausforderung verbunden sein

Mentales Training:

                      Du musst es Dir vorstellen - wollen - und praktisch üben

       Eine Verbesserung von Bewegungsabläufen bedarf einer bewussten intensiven Vorstellung des späteren, tatsächlich auszuführenden Bewegungsablaufs und der Akribie des Trainers bis zur perfekten Ausführung. Die erzielte Wirkung hängt davon ab, wie gut es gelingt, die Bewegung optimal vorzumachen, sich dann in die Bewegung hineinzuversetzen, sie sich praxisnah vorzustellen. Für ein wirksames Training ist ein Wechsel zwischen dem mentalem Vordenken und dem praktischen Training wichtig, die Handlung in der Vorstellung immer wieder mit der ausgeführten wirklichen Bewegung abzugleichen, zu stabilisieren oder weiter zu verbessern.

Ist das Training zu anstrengend oder zu hart wird die „Handbremse angezogen“ oder das Training bzw. Wettkämpfe werden früher beendet. Dafür ist wohl der Begriff „mentale Stärke“ erfunden worden. Sie widerspiegelt den psychophysischen Entwicklungsstand des Läufers der nur durch vorstellen und Training - learning by doing - entwickelt, verbessert wird. Dafür hat das Gehirn offensichtlich für weniger Tempo reduzierte Befehle, für schnelleres Laufen stärkere Signale. Also sind reizwirksame Anstrengungen aller Körpersysteme, die im Wettkampf gebraucht werden, nötig um das Gehirn zu „fordern“ um Zweifel, Schmerzen oder auch Versagensangst zu verdrängen, zu überzeugen oder zu besiegen. Das bedeutet zugleich das mittelmäßige Anstrengungen im Training zu nur mittelmäßigen Informationen an die Systeme führen und man davon ausgehen kann das das Gehirn lernt schneller zu arbeiten, wenn es die dafür notwendigen Informationen erhält.

Gedanken, Wahrnehmungen und Vorstellungen vom Sieg führen also dazu, dass die Beine, die Systeme des Organismus eines Tages tun, was das Gehirn „befiehlt“, vorausgesetzt die physischen Voraussetzungen für das jeweilige Ziel sind entwickelt, die Informationen vermittelt. Nur was das Gehirn „gestattet“, im Gehirn gespeichert ist kann abgerufen werden. Wer blass am Start steht und da schon Angst vorm Schmerz hat der gleich kommt, hat schon verloren.

       „Die Kindheit ist die Lebensphase, in der das meiste Wissen und Können angelegt wird. Deshalb sind große Investitionen in die frühe Bildung und in gute Lehrer wichtig. Die Gene sind der Rucksack und diesen Rucksack muss ich füllen. Wer sein Gehirn nicht füttert und fordert sollte sich nicht wundern, wenn die Ergebnisse ziemlich übersichtlich bleiben“          (Hannah Monyer - „Das geniale Gedächtnis“ A. Kraus-Verlag)

Siegen ist zuerst Kopfsache – Du kannst nur was Du trainiert hast

Eine systematisch steigende Belastung, das soziale Umfeld, die zur Verfügung stehende Trainingszeit, die Lauftechnik und der Kopf sind Voraussetzungen für Siege, aber nur wenn das Gehirn programmiert wurde. Das schließt die Erfahrung ein, dass die psychophysischen Fähigkeiten bei dem/der Einen positiv, bei dem/der Anderen eher negativ „vererbt“ die angestrebten Wunsch-Träume beeinflussen. Nicht jeder ist im Sinne von Spitzenleistungen trainierbar und auch nicht jeder kann seine beste Leistung dann abrufen, wenn es darauf ankommt. Vorhandene gute Gene müssen trainiert werden, je früher umso besser. Mit einer grenzwertigen Anstrengungsbereitschaft und einer variablen Taktikstrategie hat man die Schlüssel. Mit Anspannungen, Nervosität, Druck, erhöhter Herzfrequenz oder kaltem Schweiß – mit richtig Angst vorm Versagen oder der Belastung, einer Überschätzung der Gegner oder mit ungenügender Konzentration auf die Aufgabe in der letzten Stunde vor dem Wettkampf bekommt man die Handbremse nicht gelöst.

Schwer haben es die Jungen und Mädchen die im Elternhaus vor allem „wohlbehütet, verweichlicht ohne besondere Anforderungen aufgewachsen sind, als wenig leistungsfähig oder gar als ständige Versager klein gehalten wurden und nie Selbstvertrauen gelernt haben. Dass das nicht so selten mehr Jungen als Mädchen betrifft liegt wohl an der sie zu lange, zu sehr verschonenden lieben Mama. Das kann später der beste Trainer nur noch selten richten.

Spannung und Entspannung in Balance haben einen positiven Effekt

auf die Leistung:   

       Übererregt:  die Erregung ist übertrieben hoch; man sorgt sich die Aufgabe nicht erfüllen zu können; Angst vor der Konkurrenz oder dem „Schmerz“; Zweifel betreffs der sportlichen Form; negative Gedanken.       

       -> schließe die Augen, atme tief aus, entspanne den Körper (Gesicht, Nacken, Schultern und Brust) und zähle bis 10 – sei danach bereit zur Leistungsabgabe (zuerst im Training üben)

       Optimal erregt; die Nerven sind unter Kontrolle; ich habe gut trainiert, ich darf zeigen was ich kann, ich fühle mich gut, alles OK, ich freue mich auf das Rennen, ich bin gut in Form zu sein, denke positiv, vom taktischen Konzept überzeugt, ein bisschen aufgeregt ist für die Leistung gut

„Was Ausdauerathleten vor allem aushalten müssen, ist nicht die körperliche Anstrengung, sondern vielmehr die Wahrnehmung der Anstrengung. Sie ist es, welche die Ausdauerleistung in allen möglichen Situationen begrenzt. Die wichtigste Entdeckung im Zuge der Gehirn-Revolution im Ausdauersport ist, dass man nur besser werden kann, wenn man seine Beziehung zur Anstrengungswahrnehmung verändert“! (Matt Fitzgerald USA „Siegen ist Kopfsache“)

       Und hier noch ein Tipp für die „Angstbeladenen“ von Karl Geiger, unserem Skisprung-Ass: „Ich habe spezielle Atem – Übungen, die ich zur Vorbereitung mache. Die Übungen sind einfach: tief ein- und langsam wieder ausatmen. Ich nenne es: Mich-frei-atmen.“

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Der Eine beherrscht die Angst - die Andere versagt - da hilft ein Trainer als Psychologe im Leistungsprozess“

Du hast sicher schon erfahren, dass – wie im richtigen Leben - Anspannung, Stress, Müdigkeit, negative Gedanken, Übelkeit, der mehrfache Gang zur Toilette und Angst Teil von Bewährungen, von Prüfungen oder Examina sind und dass es so auch vor sportlichen Wettkämpfen sein kann. Der Eine kann diese Symptome beherrschen, die   Andere versagt. Oft sieht man es ihnen schon an, wenn sie an der Startlinie stehen. In der Trainingspraxis und mit einem gefühlvollen Trainerhändchen müssen sie ihnen vermitteln mit diesen Symptomen umzugehen und sie zu akzeptieren.

Der Trainer lehrt sie im Prozess einer längerfristigen Ausbildung als „Psychologe in der Leistungssportpraxis“ das bis zu einem gewissen Grade eine gewisse Erregung zur positiven Leistung beiträgt und sie über einen entscheidenden Vorteil gegenüber ihren Gegnern verfügen können, wenn sie lernen solche Störungen auszublenden.

    Trainer und Sportler sind gemeinsam für die sportliche Form zuständig

Da helfen das Üben im Training, grenzwertige Anforderungen, spürbar hart, reizwirksames wettkampfnahes Training, ein ruhiger erfahrener Trainer vor und nach Rennen, eine Abschottung von den Gegnern und dem privaten Umfeld mit Beginn der Wettkampf-Vorbereitung, eine verbesserte Konzentration auf die Aufgabe. Auch die besprochene Taktik mit 2 maximal 3 möglichen Varianten, die mögliche Kontrolle über die Rennsituation und die Lauftechnik machen sicherer. Am besten man marschiert entspannt in den Innenraum, freut sich, dass jetzt das im Training gelernte endlich gezeigt werden darf und ist sich sicher, dass die gestellte Aufgabe positiv gelöst wird. Wer eine Medaille anstrebt, muss um Gold kämpfen wollen!

       „Die Gründe für einen Leistungsabfall oder Versagen im Wettkampf können im persönlichen (Familienkonflikte), im sportlichen (mangelhaftes Training) oder im sozialen Umfeld (Erwartungsdruck) liegen. Zwischen positivem Ansporn, Ermutigung und Druck bzw. überhöhten Erwartungen ist oft ein schmaler Grat, der durch die Persönlichkeitsentwicklung und den Charakter des Sportlers beeinflusst wird. Mit der Leistungsentwicklung wird dem Sportler die Selbstwert stärkende Wirkung bewusst. Das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung, Geltungsstreben und die Suche nach den eigenen Grenzen sind für die leistungsstärksten Sportler dominierende Beweggründe ihres Handelns“ (Schnabel et al. 2011). 

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Wenn Trainingsleistungen in Rennen nicht abrufbar sind                                   

Ziele erfordern Disziplin und emotionale Kontrolle

Vertrauen schafft Überzeugungen, dass die abgesprochenen realistischen Ziele – von denen der Athlet auch überzeugt ist, sie schaffen zu können – möglich sind und er es will. Wenn der Athlet nicht an seine Möglichkeiten glaubt, die ihm gestellte Aufgabe auch erfüllen zu können – und diese Überzeugung wurde in den letzten Wochen durch entsprechende Trainingsleistungen dem Gehirn nicht vermittelt, ist es schwer die emotionale Kontrolle zu behalten. Da kann vor allem ein Rückblick auf erfolgreiche Wettkämpfe oder gute Trainingsleistungen helfen. Natürlich können die aus der Psychologie bekannten Entspannungstechniken (Atementspannung, die progressive Muskelrelaxation oder das autogene Training) helfen unter Druck zu entspannen, am Wettkampfort sind sie – das zeigt die Praxis – nur eingeschränkt hilfreich. Am besten man schafft sich Rituale.

Wenn die psychischen Wettkampfaufgaben dem Gehirn nicht bekannt sind

Natürlich bildet das physische Training die Basis für kleine und große Leistungen. In diesem Prozess verändert sich auch das Verhältnis zum „Anstrengungswahrnehmen“ (nach Fitzgerald). Je stärker man ist, je größer die Motivation im Zusammenhang mit der zu lösenden Wettkampfaufgabe, umso leichter empfindet man die Leistungsabgabe, der Kopf widersetzt sich dann offensichtlich weniger dem Körper.

       Trainiere hart dann wird der Wettkampf leicht

       „Das menschliche Herz erweitert sich bei Freude, bei Angst zieht es sich zusammen“ (Hippokrates)

Ein leider zu oft unterschätzter Teil des Trainings ist, den jungen Sportlern die Bedeutung dieser psychologischen Fähigkeiten und wie sie die Leistung beeinflussen können, zu vermitteln. Leistungsorientierte Sportler sollen die Strategien und Techniken erlernen um mit den im Training und Wettkämpfen gebrauchten Fähigkeiten unter physischen Stress umzugehen. Das erfordert Vermittlung, Simulation und Training / Überprüfung bei Tests oder in echten Wettkampfsituationen, mehr bewusstes üben. Neue immer höhere Anforderungen müssen durch Training dem Gehirn übermittelt werden.

       Negative Einflüsse sind: Angst, Taktik-Unsicherheit, zu hohe Ziele, Müdigkeit, Wetter, öffentlicher und privater Umfeld-Druck, Trainer- / Manager-Einflüsse, Gegner, negative Gedanken usw.

       Man kann nur was man will,

                  von was man überzeugt ist

                                und ausreichend geübt hat

Rituale für die Wettkampfvor - und nachbereitung

Die unmittelbare Wettkampfvorbereitung beginnt mit dem letzten gemeinsamen Training. In vielen Übungseinheiten wurde den Sportlern bereits das anzuwendende Einlaufprozedere ohne „Gegnerberührung“ vermittelt – einschließlich der Zeiten für Beginn und Ende - das er/sie schließlich auch ohne Anwesenheit und Einfluss des Trainers beherrschen muss. Sie geben dem Athleten Sicherheit, sagen ihm was zu tun ist, wenn sich beispielsweise der Zeitplan einmal um 45 Minuten verschiebt und helfen mögliche Unsicherheiten oder Fehler schon im Vorfeld auszuschließen. Bereits hier werden konkrete organisatorische Vereinbarungen getroffen und ein langfristiges Ritual für die Vor- und Nachbereitung wichtiger Wettkämpfe (Treffpunkt, Ausrüstung, Ernährung vor und am Wettkampfort, bereits bekannte Gegner, Einlaufprogramm, über das zu erwartende Wetter einschließlich möglicher Konsequenzen wenn....) erarbeitet. Dabei soll der Fokus immer auf dem Einzelnen, der jeweiligen Strecke, dem Startzeitpunkt und seiner aktuell konkreten Aufgabe liegen.

       Wenn sich ein Läufer nicht „programmgemäß“, ohne Traineranwesenheit auf den Wettkampf vorbereiten, d.h. „Einlaufen“ kann, ist es Schuld des Trainers

       „Selbstgespräche“ können Selbstzweifel, Angst vor drohendem Versagen oder Grübeln über die Konsequenzen von Fehlern lindern oder sogar beseitigen. Sie müssen allerdings realistisch und wirksam motivierend sein, den Glauben und Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit stärken, die Aufmerksamkeit auf die Aufgaben und das Ziel lenken und Strategien bzw. Denkaufgaben zur evtl. Problemlösung für die besonderen Momente „einreden“, die im Rennen vorkommen können oder schon einmal vorgekommen sind.

              Lobe, Akribie und konstruktive Kritiken sind d i e Trainerwaffen für Erfolge.

              Erfolgstrainer haben auf alle Fragen eine Antwort

              Leistungsschätzende Akzeptanz ist Grundlage für die  psychologisch unterstützende Arbeit   

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Auch Trainer geben in allen Fragen der Persönlichkeitsentwicklung ihrer Läufer alles, analysieren, sind engagiert, denken positiv und offensiv, verbannen Zweifel und bleiben auch in komplizierten Situationen ruhig. Sie kommen gut vorbereitet und mit guter Laune und Begeisterung zum Training oder Wettkampf und verbergen es auch nicht vor ihren Athleten, schließlich wollen auch sie Erfolge. Sie sind Vorbild, arbeiten im Team und ein Leben lang an ihrer Fortbildung. Trotzdem sollen Ziele und aktuelle Aufgaben immer Herausforderung, aber zugleich realistisch machbar sein.

Im Hochleistungstraining überwindet man nur mit immer wieder hohen Ansprüchen Grenzen, deshalb sollen Trainer auch „hart“ und nicht nur lieb sein. In den in der Regel zwei bis drei Trainingsstunden sind sie ausschließlich für die Athleten und ihr Training da und lassen sich durch nichts ablenken. Und sie haben auf alle ihre Fragen eine Antwort, sind gerecht, fördern und fordern. Trotzdem bleiben konstruktive Kritik und Lob zwei sehr wichtige Trainerwaffen für den Erfolg. Die guten unterscheiden sich von den weniger guten vor allem in Zeiten von Verletzungen, Krankheiten oder in Zeiten nach unbefriedigenden Leistungen ihrer Athleten.

       Trainer brauchen die spezielle Mentalität, den Glauben und die Überzeugungen ein Talent auch in die Spitze führen zu können. Dazu müssen sie schon jungen Läufern das kämpfen lehren. Kampfgeist ist ein wichtiger Eintrittspreis in die Weltspitze

       Trainererfolge werden in einem positiven Trainingsklima im gegenseitigem Vertrauen geboren. Motivation und Lob sind die Triebfedern für mehr. Nur wenn der Athlet an seinen Trainer glaubt und überzeugt ist, dass sie es gemeinsam schaffen werden, kommen die Siege. Spitzenleistungen setzen Talent, das Wollen und die Bereitschaft der Athleten voraus, alles für die gesetzten Ziele zu tun.

       In meiner 60igjährigen Arbeit im und für den Hochleistungssport habe ich die Erfahrung gemacht, dass Sportler, die eines Tages glaubten auf ihren langjährigen Trainer verzichten zu können und nun allein mehr zu erreichen, oft gescheitert sind.

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Bist Du nicht fit, hilft Dir auch Dein Kopf nicht weiter

Da die Menschen heutzutage – auch die jungen – mental oder aus Sicht der Intelligenz anders gestrickt sind, sind auch die notwendigen Strategien für die Vermittlung spezifischer Aspekte auf dem Weg zu Erfolgen verschieden bzw. persönlich. Auch weil jeder in seiner Kindheit eine andere Erziehung erfahren hat. Einzelkind oder Großfamilie, Mädchen oder Junge, Mama- oder Papakind, arm oder reich, schon früh im Bewegungskindergarten mit Bewegung konfrontiert, als Fußballer oder Schwimmer das Grundlagentraining gut oder weniger unterstützend absolviert, Supertalent oder „Arbeitsathlet“. Aus allen soll der Trainer etwas machen.

Oft zeigt sich erst in ersten Wettkämpfen der wahre Charakter, der/die „Verweichlichte defensive“ oder der/die „Aufbrausende, aggressive“. Deshalb sind für Trainer vor allem Nachwettkampfphasen wichtig, wenn der Erfolg ausgeblieben ist oder das Rennen enttäuschend verlief. Am besten man geht zur „Abkühlung“ als Trainer erst einmal zwei Runden ums Stadion oder wenn es schlimmer ist verschiebt das sachlich auswertende Gespräch auf das nächste Training nach einer Nacht Schlaf! Und wenn der Wettkampf gut war, war er auch nur gut und nicht super oder sensationell, weil das Bessere ja immer noch bevorsteht, im Training demnächst oder in anspruchsvolleren Rennen beim nächsten Höhepunkt.

Wer Angst hat „schnellzulaufen“ sollte sich mehrmals mit einem Leistungssportpsychologen treffen

Trainer - Motivation und Schlagworte in die Rennen mitgeben

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Im Wettkampf gibt es die, die intuitiv alles richtigmachen, Gefühl für die Situation einbringen, offensiv – ohne Angst – oft mehr wollen als der Trainer, in Bummelrennen einfach die Spitze übernehmen oder in Abhängigkeit vom Renntempo den Spurt zur rechten Zeit anziehen.

Die zweite Läufer-Kategorie beherrscht die Rekord- oder Siegtaktik und versteht sie situationsgerecht anzuwenden, wenn es darauf ankommt. Denen die noch in der Ausbildung sind helfen Aufgaben, konkrete Absprachen, die aber auch machbar sein müssen.

Das Gehirn braucht Informationen für das Rennen. Der Trainer gibt die ausbildungs-altersabhängigen Handlungsstrategien mit in den Kampf und motiviert ohne Zweifel. Da haben sich bestimmte Schlagworte (Triggerworte) wie „jetzt vorbei“ – „Technik“ – „Spurt“ - „Frequenz“ - „Arme“ etc. bewährt die sich der Sportler als Kurzbefehl in der jeweils spezifischen Wettkampfsituation auch selbst gibt um sofort, ohne zu zögern, zu handeln. Nicht so selten hören aber die Läufer gar nicht, wie sich die Trainer „draußen anstrengen“.

In der Wettkampfbegleitung von außen sollten sich die Trainer besser zurückhalten und dem Athleten schon möglichst früh eine gewisse Selbständigkeit für Rennen anerziehen, bei denen der Trainer nicht anwesend ist. In der Mehrzahl der Befehle von außen ist der Sportler gar nicht in der Lage sie auszuführen, weil er nicht über die dafür notwendigen Fähigkeiten verfügt bzw. dafür gar nicht ausgebildet wurde. Um weniger Fehler zu machen hilft nur oftmaliges selbstständiges Handeln und eine konkrete Nachbereitung.

       „Selbstvertrauen sowie Durchhaltefähigkeit und Risikobereitschaft für den Wettkampf entwickeln sich vor allem aus Aufbauwettkämpfen und dem wettkampfspezifischen Ausdauertraining, d.h. aus Trainingseinheiten, in denen im Vergleich zur geplanten Zieldisziplin, in Streckenlänge und Geschwindigkeit wettkampfnahe, harte Anforderungen zu bewältigen sind. Erfolgreich realisierte Belastungen können den Sportler am besten überzeugen, dass sie das absolvierte Training zu den angestrebten Zielleistungen im Wettkampf führen wird. Motivation, Glauben und Überzeugung in die eigenen Fähigkeiten werden am meisten durch positive Erfahrungen gesteigert. Erfolge im Training und Wettkampf und das Lob des Trainers verstärken Gefühle und Antriebe für mehr“                                                               (Lothar Pöhlitz LCA)

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F A Z I T

       Wenn Du siegen willst, brauchst Du den unerschütterlichen Glauben an Deine Fähigkeiten in Verbindung mit der Bereitschaft dafür alles zu tun. Üben bedeutet möglichst oft zu wiederholen, am besten auf immer höherem Niveau.

       Der Verein, der LV und der DLV schaffen dafür die Rahmenbedingungen.

       Zweifle nicht, arbeite. Nur wenn Du wirklich besser werden willst hast Du eine Chance. Das setzt aber voraus Deinen Zielen neue höhere Anstrengungen hinzuzufügen.

       Du musst Deine Grenzen zuerst im Kopf überwinden und auch Deine Ausreden besiegen. Erfolge hängen von der Einstellung, nicht von den Einrichtungen ab.

       Viel der Eliten haben lange richtig gelitten bevor sie von den Podien dieser Welt winken konnten.

       Nimm die Herausforderung an und versuche immer öfter im Training und in Wettkämpfen den Schmerz zu besiegen. Dafür brauchst Du die Einstellung, einen guten Trainer und einen starken Willen.

       Wer einmal mit den Kenianern morgens um 6 Uhr trainiert hat, weiß warum er gegen sie verliert. Vor allem physisch harte Belastungen machen Läufer auch psychisch stark.

       Das programmierte Gehirn und der Trainingszustand entscheiden letztendlich über Siege und Niederlagen. Siege sind bei den Ehrgeizigen die Ausgangspunkte für neue höhere Leistungen.

       Trainer mit Führungskompetenz geben die Philosophie zur Erfüllung gemeinsamer Ziele vor. Je besser ihr Verhältnis zu ihren Läufern ist, umso leichter sind grenzwertige Aufgaben zu erfüllen.

       Solange man Hochleistungssport betreibt, muss man mit Ehrgeiz daran arbeiten sein Limit, seine bisherigen Grenzen, zu verschieben. „Hart“ zu trainieren bedeutet auch, dass es ein bisschen „wehtun“ darf und dass man die bekannten Regenerationsmaßnahmen akribisch realisiert. Im Hochleistungstraining darf es schon zu einem schlechten Gewissen führen, wenn man sein Stabilisationstraining oder den Physio-Termin wiedermal ausgelassen hat.

       Das Selbstvertrauen, den Glauben an die mögliche Leistung und an den möglichen Erfolg kann man langfristig vermitteln. Emotionen schaffen die nötige Spannung für eine optimale Leistung. Stress, Angst oder überschießende Emotionen behindern sie.

Fotos: Kiefner, Rigal, privat, Pöhlitz                                                                                                             

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*Lothar Pöhlitz – seit 1957 Dipl.- Sportlehrer für Leistungssport / Sportwissenschaftler / 1971 – 1979 Leiter des Wissenschaftlichen Zentrums Lauf/Gehen des DVfL / DLV-Bundestrainer 1980 – 1998 i. R. / Teamleiter Marathon / Straßenlauf / 3x Olympia-Trainer für Deutschland / Langjährig Dozent an der Trainerakademie und DLV-Trainerschule / seit 2006 Leichtathletik Coaching Academy