Trainingspraxis Laufen 2


Trainingspraxis Laufen



Trainingspraxis Laufen


Trainingspraxis Laufen



Neuerscheinung


Neuerscheinung – Trainingskonzepte


2. Auflage


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Arbeit im Team und Partnertraining sind Formen zur Motivation und psychophysischen Reizverstärkung

Von Lothar Pöhlitz

© Lothar Pöhlitz – 12. Juli 2016 - Sportliche Spitzenleistungen erfordern, neben der Organisation der erforderlichen Rahmenbedingungen für Training und Wettkämpfe, die Mobilisation aller Leistungsvoraussetzungen des Sportlers, sowie deren systematische Weiterentwicklung über mehrere Jahre. Vor allem reizwirksame Belastungen führen zu den angestrebten Fortschritten. Das Partnertraining und die Arbeit im Team sind Formen, den Körper mit grenzwertigen Reizen zu konfrontieren und seine Willensqualitäten zu mobilisieren. Dabei zeigt die Erfahrung, dass Läufer, die zum schnellen Laufen zusätzlich motiviert werden müssen, in der Regel nicht in die Spitze kommen.

Die Beweggründe, hart zu arbeiten, resultieren immer aus den persönlichen Zielen, Wünschen, Sehnsüchten und Erfolgen. Motivation ist der kritische Faktor für eine dauerhafte Leistungsentwicklung. Deshalb sollten Trainer sich bemühen, den Erfolg sicherzustellen, den sich der Athlet selbst wünscht – der für ihn persönlich Fortschritt bedeutet. Organisieren und programmieren Sie als Trainer den Erfolg ganzjährig, auch im Training, durch Tests und Kontrollen, Gruppen- und Partnertraining, wenn nötig auch auf Nebenschauplätzen wie z.B. beim Voraussetzungstraining. Arbeiten sie nicht nur in Trainingslagern und auch mit Spaß im Team. Auch während der einzufügenden „Gipfelwochen“, vor allem in den wichtigen Trainingseinheiten, sind solche Maßnahmen hilfreich. Schicken Sie den Athleten nicht in wichtige Wettkämpfe, wenn Ihnen schon vorher klar ist, dass nur eine empfindliche Niederlage das Ergebnis sein kann.

Erfolge sind Voraussetzung für eine beständige Motivation, ohne sie fehlt langfristig der entscheidende Schlüssel für weitere Fortschritte. Erfolge schließen selbstverständlich auch Niederlagen mit ein. „Unter Team versteht man eine Gruppe von Menschen, die für eine gewisse Zeit ein gemeinsames Ziel verfolgen und dies in Eigenverantwortung, gegenseitigem Einverständnis und gerne tun.“ (NEW Institut)

Das Wollen und die psychophysische Ganzheitsentwicklung

Die psychophysische Entwicklung eines Sportlers wird von erfolgreichen oder misslungenen Tätigkeiten, von der aktiven Auseinandersetzung mit den im Training oder Wettkampf gestellten Aufgaben bestimmt.

Partnertraining sowie verstärkte Arbeit im Team sind wichtige Formen zur praktischen Motivation und Reizverstärkung im Training. Es ist ein effektives Mittel auf dem Weg zu persönlichen Bestleistungen und zur besseren Vorbereitung auf bedeutende Wettkämpfe. In gemeinsamen Trainingseinheiten mit einem „stärkeren Partner“ werden Trainingsleistungen möglich, zu denen die Läufer für sich allein in der Regel nicht fähig wären. Auch wenn man in der Trainingspraxis öfter das „Gespann Frau – Mann“ antrifft, weil ja ein stärkerer Mann die höheren Ziele der Frau leichter und präziser realisieren kann, ist die Bedeutung einer organisierten Partnerschaft Mann – Mann genauso hilfreich. Wichtig ist, dass es sich nicht nur um einmalige Aktionen handelt, sondern längerfristige, ständige „Sparringspartnerschaften“ geschaffen werden.

Dies ist natürlich in der Kombination Frau – Mann leichter, setzt aber eine systematische Vorbereitung des „Hasen“ auf diese Aufgaben voraus, weil das Gefühl für die notwendige, angestrebte Geschwindigkeit im Dauerlauf oder bei Tempolaufprogrammen längerfristig erarbeitet werden muss. Der Pacemaker muss seine Aufgaben leicht erfüllen und auch reagieren können, wenn die Partnerin ihm beispielsweise nicht folgen kann. Er sollte auch in der Lage sein, die Partnerin in schwierigen Situationen noch besser zu motivieren. Dabei darf nicht übersehen werden, dass sie die Leistung bringen soll – und nicht er. Die vielen bekannten Fehlversuche von „Hasen“, wie man sie in Wettkämpfen immer wieder beobachten kann, müssen im Training vermieden werden.

Ständig wachsende Anforderungen erfordern ständig neue Lösungen, die Entwicklung der Willensqualitäten und der Leistungsbereitschaft, und die Führung der Sportler durch die Trainer während dieses Entwicklungsprozesses. In Kleinstgruppen übernimmt der Trainer auf dem Fahrrad die Aufgaben des Pacemakers.

Mit Partnertraining erträgt man die Belastung leichter, spart Nervenkraft und braucht sich über den Erfolg des Trainings weniger Gedanken zu machen, man braucht bei erhöhtem Anspruch „nur“ hinterherzulaufen. So kann man in einer TE bei scheinbar gleichgroßer körperlicher Anstrengung das eigentlich hohe Trainingsziel leichter erreichen, einen größeren Trainingsumfang oder eine wesentlich höhere Trainingsintensität, vorausgesetzt der Sparringspartner trifft auch die vom Trainer geforderten Zeiten. Trainiert eine Frau beispielsweise Tempoläufe über 600 oder 1000 m ist ein Tempoabfall die Regel, so dass Hilfen gut tun.

Aber auch kurzes Training, wie z.B. schnelle 300m-Läufe, werden durch den Partner eine Qualitätsstufe besser. Der stärkere Partner zwingt durch seine Fähigkeit die Geschwindigkeit gleichmäßig hochzuhalten zum stärkeren Kampf gegen die Ermüdung. So ist es möglich, nicht nur die Geschwindigkeiten von Trainingsprogrammen deutlich anzuheben und besondere Stärken für die Endphasen von Rennen zu erarbeiten, sondern auch die vorgegebenen Pausen exakter einzuhalten. Hin und wieder, z.B. beim Long Jog, ist es auch hilfreich, die Geschwindigkeit zu bremsen oder beim Tempogefühlstraining die Geschwindigkeit zu stabilisieren.

Der Partner ist zwar Tempomacher, soll aber nicht nur vorne weg Laufen. Ein „Nebenher“-Laufen zwingt zur selbstständigen Geschwindigkeitssteuerung. Eingreifen sollte er vor allem dann, wenn ein Tempoabfall spürbar wird, bei bestimmten Aufgaben wie Tempowechseleinlagen oder bei der Endspurtgestaltung. Die Aufgabe ist: alle Möglichkeiten zu nutzen, den Athleten stärker zu machen und ihn auch einmal vor sich „herzutreiben“! Bei umfangsorientierten Programmen sollte das gleichmäßige, wenig von den Zielzeiten abweichende Tempo von Anfang an und auch die Einhaltung der kurzen Pausen Aufgabe sein.

Die psychische Belastbarkeit steigt, wenn die psychophysische Beanspruchung erfolgreich verläuft und mit der Bewältigung der vorgegebenen schwierigen Aufgaben Erfolgserlebnisse verbunden sind.

Nachteil eines solchen Partnertrainings ist, dass der Partner Frauen oder schwächeren Männern/Jugendlichen im Wettkampf außerhalb des Marathons nicht helfen kann und man dort auf sich allein gestellt ist. Es ist zu berücksichtigen, dass in Wettkämpfen fast immer das erste Teilstück schneller als das Durchschnittstempo zurückgelegt wird, bevor die meisten taktikorientierten Läufe in ein gemächlicheres Tempo zurückfallen. Hier sollte man die durch das Partnertraining erarbeitete Stärke auch einmal dazu nutzen, in der zweiten Hälfte der Rennen selbst Druck zu machen, um die Spurter entsprechend frühzeitig zu „entschärfen“.

Vor allem die Ziele, die individuellen Motive, der aktuelle psychophysische Zustand, die Ausprägung der Willensqualitäten und die äußeren Bedingungen bestimmen das Wettkampfergebnis in den Ausdauerdisziplinen.

„Keine Medaille ist für einen Athleten aus einem bestimmten Team oder Land reserviert. Der Beste wird immer gewinnen. Je mehr Topathleten zusammen trainieren, desto mehr profitiert jeder Einzelne“ (Patrick Sang KEN - Coach von Eliud Kipchoge u.a.)

Fotos: Volke, Simon, Karsch, Chayriguet