Trainingspraxis Laufen 2


Trainingspraxis Laufen



Trainingspraxis Laufen


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Neuerscheinung


Neuerscheinung – Trainingskonzepte


2. Auflage


Buchtipp – Das große Laufbuch von Lothar Pöhlitz


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Ein Leben für den Mittel-, Langstrecken- und Marathonlauf

Lothar Pöhlitz bei www.laufzeit-condition.de - dem neuen online-Portal - im Interview

17. September 2014 (Von Jörg Valentin) - LAUFZEIT & CONDITION - Redakteur Jörg Valentin traf einen seiner langjährigen sportlichen Wegbegleiter Lothar Pöhlitz, der nicht nur in den letzten Jahren sein Profi-Wissen und Erfahrungen ambitionierten Läufern und Trainern freizügig zur Verfügung gestellt hat zu einem außergewöhnlichen Rückblick auf mehr als 55 Jahre Arbeit für und im Leistungs- und Hochleistungssport. Noch heute steht L.P. mit seinem Engagement für die Leichtathletik – Coaching - Academy und seinen Fachbeiträgen als Lauf Trainerberater und sogar als Tippgeber für Senioren mitten im „Läuferleben“.

Wann und wie begann der lange Weg…?

Nachdem ich im Schülerfußball nicht die richtige Erfüllung fand lebte ich meinen Bewegungsdrang in einem kleinen Dorf in Sachsen-Anhalt bei den Leichtathleten aus. Bereits mit 16 Jahren suchte ich mangels Trainer in alten Lehrbüchern nach Trainingsempfehlungen und es dauerte nicht lange bis alle meinen Ratschlägen folgten. Mit 18 fiel bei einem 6-wöchigen Übungsleiterlehrgang die Entscheidung, das war´s für mich, ich hatte Feuer gefangen. Mit 19 bestand ich die Aufnahmeprüfung an der DHFK Leipzig, mit 22 Jahren war ich Diplom-Sportlehrer für Leistungssport mit 24 Trainer im Hochleistungssport. Ein Glücksfall für mein Leben.

Erfolgreiche Trainer müssen also nicht als Athleten Medaillen gewonnen haben?

Viele erfolgreiche Trainer aller Sportarten, die in den 50iger Jahren an der Deutschen Sporthochschule in Leipzig studierten, konnten doch so kurz nach dem Krieg sportlich noch nicht zu den Weltbesten gehören – uns wurde das Trainer sein gelehrt, eine tolle Ausbildung auf der Grundlage des damaligen Wissens. Sie haben uns mit dem Auftrag in die Vereine geschickt ein Leben lang die zu erwartenden Fortschritte in der Sportwissenschaft und Trainingsmethodik aufzusaugen und diesen dann ständig eigene Erfahrungen anzufügen. Dieses Prinzip war ein Leben lang eine wichtige Leitlinie meines Tuns. Übrigens halte ich es für einen großen Fehler, dass die Ausbildungseinrichtung DHfK bei der Wende geschlossen wurde.

Und wie ging es dann weiter?

Nach nur 2 Jahren – ich sage einmal Praxiserprobung oder Referendarzeit – übernahm ich mit 24 Jahren eine Trainingsgruppe im Hochleistungssport beim Sportclub Chemie Halle – mit 28 Läuferinnen und Läufern aller Lauf-Disziplinen als hauptamtlicher Trainer und erhielt gleichzeitig die Berufung vom DVfL zum Nachwuchsverbandstrainer. Herz was willst Du mehr, aber auch eine grenzwertige Arbeitserfahrung, eine Chance fürs Leben, aber auch schwere Zeit. Arbeit, Bewährung, auch ein wenig Glück und „Learning by doing“ zugleich. Glück auch weil bereits 1962 eine Silbermedaille bei der EM in Belgrad heraussprang und sogar 1964 Olympiateilnehmer nach Tokio fuhren. Das brachte mir früh Zugang zur Forschung und zu den Arbeitsgruppen Ausdauer und Höhentraining beim DTSB.

Und irgendwann bist Du dann „rübergemacht“ – warum das?

Die Weichen wurden bereits etwa 1968/69 – 10 Jahre früher – gestellt. Ich wurde zum Cheftrainer beim SC Chemie Halle „bestellt“ – Chef über 24 hauptamtliche Leichtathletik-Trainer in einem Verein – der Weg zum Funktionär den ich nie gehen wollte, war gefährlich nahe, die politischen Einflüsse durch die Partei, der Druck aber auch die Auseinandersetzungen mit der sportpolitischen Führung wurden größer. Nach 3 Jahren konnte ich dem Entfliehen in dem ich der Berufung zum Leiter des Wissenschaftlichen Zentrums Lauf/Gehen des DVfL folgte. Da stand die Trainingsmethodik für alle Laufdiziplinen und das Gehen für die Kader und die Trainerausbildung im Mittelpunkt. Glück gehabt und erneut für mich eine Phase „Learning by doing“ in Theorie und Praxis. 8 interessante Jahre ohne Feierabend oder Wochenenden u.a. auch mit dem für die meisten versperrten Zugang zur „Weltliteratur hinter der Mauer“ und internationalen Fortbildungen. Als ich aber 1979/80 meinen Weg zurück an die Laufbahn, in die Trainerpraxis bahnen wollte, wollten DTSB – DVfL und die Partei mir diesen Weg versperren: „Nein geht nicht, 1 Jahr zentrale Parteischule Berlin und dann sagen wir wie es weitergeht“, versetzten sie mich beim Kadergespräch in „häusliche Panik“. Natürlich streng geheim. Nein, nein, nein, kein Funktionär, kein Parteisoldat war daraufhin mein Beschluss und schon 3 Wochen später bin ich „rüber gemacht“!

20 Jahre für den DVfL – inzwischen 35 Jahre im Westen – wie ist Deine Bilanz?

Meine Wünsche und frühen Träume wurden voll erfüllt, ich habe alles im Leben richtig gemacht, vorher und nachher. Ich habe heute noch gute Freunde bei Bayer Leverkusen, die mich 1979 mit offen Armen aufnahmen, auch wenn ich zuerst nur als Sprinttrainer arbeiten „durfte“. Besonders Bernd Knut und Paul-Heinz Wellmann haben mir die ersten Schritte im „feindlichen kapitalistischen Westen“ sehr erleichtert. Für mich eine weitere  Phase „Learning by doing“, ein Geben und Nehmen. Es wurde schließlich eine tolle sehr schöne und lange Erfahrung. Bald – 1980 - aber erfüllte sich mein heimlicher Traum: Bundestrainer beim DLV. Als ich 1998 in Rente ging waren es 18 „aufregende Bundestrainerjahre“, zuerst im Mittelstreckenlauf, dann im Langstreckenlauf und zuletzt noch einige Jahre als Teamleiter im Marathon/Straßenlauf. Zwischenzeitlich war ich auch noch in Atlanta, Los Angeles und Seoul dreimal Olympiatrainer für Deutschland. Und das alles ohne – wie früher  notwendig– auf einer Reisekaderliste „KAP“ (Kapitalistisches Ausland) stehen zu müssen. Mehr kann man sich in einer Trainer-Karriere ohne je in einer Bestenliste ganz vorn gestanden zu haben, nicht wünschen.

Wie Sprinttrainer warst Du auch?

Wäre die Berufung zum DLV nicht gekommen wäre ich sicher „Sprinttrainer in Leverkusen“ geblieben, zumal die guten Ergebnisse nicht lange auf sich warten ließen. Die Besten waren damals – heute vor 32 Jahren – Claudia Steger (1981: 22,95 s über 200 m / 52,48 s über 400 m) und Christiane Brinkmann (1982: 52,52 s über 400 m).

Trotz Personalwechsel beim DLV sind unsere Läufer vom Weltniveau weit weg. Was würdest Du anders machen?

Ich würde die Strukturen professionalisieren, die Teamarbeit bei Trainern und ihren Läufern durchsetzen, Leistungsgruppen bilden, die besten Talente in Eliteschulen des Sports ausbilden, ein nationales Wettkampfsystem schaffen und die Trainingsmethodik schneller dem Training der Weltbesten schrittweise annähern. An der Spitze stände für einen Zeitraum bis das Weltniveau erreicht würde ein Cheftrainer Lauf/Gehen ohne Heimtrainingsgruppe. Dem weisungsberechtigt unterstellt sollten nur noch 3 hauptamtliche Bundestrainer „ohne Heimathleten“ für die wenigen Spitzenathleten (jeweils Männer und Frauen gemeinsam) im Mittelstreckenkader, Langstrecken- / Hinderniskader und im Marathon/Gehen und ihren Heimtrainern verantwortlich sein. Ein großer Schwerpunkt wäre die Nachwuchsarbeit auf breiter Front: 3 Bundestrainer „mit Heimathleten“ sollten einen Elite – Anschlusskader bis U23 verantworten und 6 Bundestrainer „Nachwuchs“ „sorgen“ sich um einen Talent-Pool mit Perspektive, um die DLV-Zusammenarbeit mit den Eliteschulen des Sports, den LV, um den Aufbau der Arbeit in Landesleistungsstützpunkten und die Trainerausbildung. Auch dort wären schrittweise hauptamtliche Trainer wünschenswert, wenn die Leichtathletik ihre Fans eines Tages mit Weltklasseleistungen wieder so begeistern wollen wie gerade die Fußballer ihre Fans bei der WM in Brasilien. Alle genannten Gruppen würden in Teamarbeit gemeinsam (in Wochenendlehrgängen, Trainingslagern, Leistungstests mit sportmedizinischer Begleitung) gefördert und würden innerhalb eines nationalen Wettkampfsystems Pflichtwettkämpfe gegeneinander realisieren.

Danke für das sicher für alle interessante Gespräch.

Foto : J.Valentin