Trainingspraxis Laufen 2


Trainingspraxis Laufen



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Neuerscheinung


Neuerscheinung – Trainingskonzepte


2. Auflage


Buchtipp – Das große Laufbuch von Lothar Pöhlitz


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Jack Daniels*: „Zur Rolle des Trainers und seiner positiven Anleitung“

Der Motivationskünstler wird nur zusammen mit Hochbegabten zum Erfolgstrainer. Auch Trainer brauchen im Hochleistungssport das „Sieger-Gen“

26. Juni 2014 (© Lothar Pöhlitz) - Es ist wohl eins der sensibelsten Themen wenn in der C-, B-, A Trainerausbildung oder an der Trainerakademie über die Rolle des Trainers in einem leistungsorientierten Trainingsprozess junger oder auch älterer Sportler gesprochen wird. Viele ehemalige Leistungssportler wissen genau, dass nicht der Trainer allein am Erfolg oder Misserfolg gemeinsamer Arbeit  „Schuld trägt“. Der eine oder andere Trainer kennt auch die Schwächen der Kollegen ganz genau, eigene hat er nicht. Dabei geht es nicht nur um die Beherrschung der Trainingsmethodik. Das Schülertraining, das Jugendtraining oder eine Olympiavorbereitung erfordern Persönlichkeiten die der jeweiligen Aufgabe auch gerecht werden können. Es reicht nicht wenn man erfolgreicher Leistungssportler war um Talente zu erkennen und sie aufs Hochleistungstraining vorzubereiten. Fachwissen, Methoden, Theorie und Praxis alters- und leistungsgerecht anwenden zu können, sowie ausreichend Zeit, um das Talent zu begleiten, sind wesentliche Schlüssel.

Der Motivationskünstler wird aber nur zusammen mit dem Hochbegabten zum Erfolgstrainer. Erfahrung lehrt aber auch, dass Papa-Coaches von Talenten die Fortschritte, die der Sohn oder die Tochter „trotz Trainer“ zeitweilig erzielten, eines Tages nicht weiterführen konnten, weil beispielsweise erforderliche Basisausbildungsaufgaben oder die Ausbildung der Laufökonomie, das fehlende Fachwissen einfach übersehen wurden. Ausbildung ist Lehre und Praxiserprobung zugleich, dabei helfen Irrtümer zur Beschleunigung der Leistungsentwicklung dann, wenn der Trainer zum nächsten Training, auch einmal den Plan korrigierend, besser vorbereitet erscheint. Dies gelingt ihm umso besser, je näher er immer wieder an der modernen Trainingsmethodik ist. Teamarbeit ist, wenn der Athlet nicht allein die Verantwortung für die unerwartet negativen Ergebnisse, für Misserfolge und der Trainer die für die Siege trägt. Dann ist der Haussegen schon in der nächsten Trainingseinheit wieder im Gleichgewicht und es kann mit der Konsequenz weitergehen „wir müssen härter arbeiten“.

„Trainer, die im Leistungssport Erfolge im Hochleistungsalter wollen, müssen Talente suchen, die genau das auch wollen und sie möglichst von frühester Jugend an mit einem komplexen Training auf diese Ziele vorbereiten. Der Persönlichkeitsentwicklung, der Ausbildung aller Systeme des Organismus und der Organisation des Trainings- und der Wettkampfleistung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu“ (Lothar Pöhlitz 1985)

Zur Rolle des Trainers und seiner positiven Anleitung (Jack Daniels 2009* S.18 ff)

Den individuell besten Weg für das Individuum zu entdecken ist die größte Herausforderung. „Wenn ich an all die großartigen Läufer denke, die ich gekannt habe, die das eine oder andere Mal an einer schwierigen Trainer-Athleten-Beziehung gelitten haben, ist es für mich erstaunlich, dass sie trotzdem gute Erfolge erreichten. Wir alle tendieren mehr als wir sollten dazu, die Wichtigkeit einer positiven, individuellen Aufmerksamkeit zu übersehen, die wir jedem Athleten des Teams entgegenbringen sollten. Niemand kann die ermutigenden Kommentare oder die verständnisvollen, unterstützenden Worte eines erstklassigen Trainers ersetzen. Um ein Eliteläufer zu werden braucht man ein Betreuungssystem, das die Interessen des Athleten unterstützt.

Wenn der Begriff „Trainer“ sich auf die Person bezieht, die die Verbesserung der Laufleistung lenkt, kann er immer auch die Frage beantworten „Warum wir heute gerade diese Trainingseinheit machen“. Ein guter Trainer erzeugt günstige Reaktionen auf das Training, die schließlich zu positiven Wettkampfergebnissen führen. Er macht den Athleten zu einem, auch menschlich, besseren Läufer.

Talentierte Athleten mit Motivation und entsprechenden Möglichkeiten können den Job eines schwachen Trainers verschleiern. Andererseits ernten gute Trainer wenig Anerkennung, wenn das Talent kein großes Kaliber ist.

Auch wenn jeder Athlet etwas anders ist, Erfolg basiert vor allem auf seinen eingebrachten Fähigkeiten und seiner Motivation, wobei die Motivation von seinen inneren Wünschen, von den Umfeldbedingungen und der Anleitung des Trainers wesentlich unterstützt wird. Man sollte die Grundprinzipien des Trainings beachten, die Fähigkeiten des Läufers vollständig ausnutzen, das Risiko aber auch nicht scheuen. Den individuell besten Weg für das Individuum zu entdecken ist die größte Herausforderung“.

Für Spitzenleistungen sind kompetente, zeitunabhängige Profi-Trainer erforderlich**

„Trainertätigkeit im Leistungssport umfassen gegenwärtig ehren-, nebenamtliche und professionelle Tätigkeitsmerkmale inklusive Assistenten- und Übungsleitertätigkeit. Während die meisten Trainer ehrenamtlich arbeiten – dies ist sicher in den meisten Ländern der Welt zutreffend – gibt es in vielen Ländern auch eine beachtliche Menge von Trainern, die in Teilzeit oder hauptberuflich arbeiten. Z.B. arbeiten in Australien nach neuesten Erhebungen 27900 hauptberufliche Trainer. In den USA liegt diese Zahl gegenwärtig bei 217000 (Duffy 2009). In Großbritannien sind derzeit 36537 hauptberufliche und 230765 in Teilzeit arbeitende Trainer tätig (North 200ß). Im deutschen Spitzensport arbeiten auf Bundesebenen ca.1000 angestellte Trainer, im Nachwuchsleistungssport in Stützpunkten, auf Landesebene und in Vereinen zusätzlich etwa 3000“ (Nordmann & Sandner 2009)

Wer sich im Mittel-, Langstreckenlauf und Marathon auskennt weiß, dass man hauptamtliche „Profi-Trainer“ in Deutschland mit der Lupe suchen muss!

Das Gehirn programmieren und die Programme ausbauen - Auch das ist Traineraufgabe

Eine wichtige, für den Hochleistungssport in der Regel unterschätzte Aufgabe, besteht darin, das Gehirn möglichst früh in der Kindheit auch sportlich zu programmieren. Das Gehirn arbeitet Tag und Nacht, verstärkt, baut Informationen ein, schafft neue Verbindungen, ignoriert und schaltet offensichtlich Kanäle auch ab, die nie genutzt werden, täglich, bis der Alterungsprozess einsetzt. Es wächst, nimmt Informationen auf und entwickelt sich, vom Säuglingsalter an. Es schafft Millionen oder auch Milliarden von Verbindungen, dabei bleibt das Gespeicherte abrufbereit, scheinbar unendlich. Das eine im Kurzzeit-, das andere im Langzeitgedächtnis. Was aber nicht abgelegt wird, kann auch später nicht abgerufen werden. Wie von vielen Kindern beispielsweise nicht bemerkt wurde, dass sie musikalische Talente haben, weil sie nie mit einem Instrument konfrontiert wurden, so wird das sportliche Lauftalent nicht entdeckt, wenn es keinen Sport treibt oder nie an einem Kinderwettbewerb teilnimmt. Dabei ist bekanntlich auch die sportliche Programmierung bis zum Vorschulalter oder im Alter zwischen 6 – 10 Jahren für später außerordentlich hilfreich.

Diese Erkenntnisse sollten Trainer animieren, solches Wissen in ihrem Umfeld zu verbreiten, besser sehr früh nach sportlichen Talenten zu suchen und sie „auf das Leben mit Sport möglichst umfassend vorzubereiten bzw. der Vorbereitung zuzuführen“, d.h. auch dem Gehirn das Ablegen von Informationen – sportliche Aktivitäten – zu ermöglichen und sie bis zum Jugendalter, in dem dann das richtige Training beginnt, zu verstärken.

Für die Zukunft des deutschen Hochleistungssports wäre es außerordentlich hilfreich, wenn zielgerichtet nach Talenten gesucht wird und vielleicht für einen Zeitraum von 10 Jahren die besten Trainer für die Nachwuchsarbeit gewonnen werden könnten.

Fazit :

„Leidenschaft ist Voraussetzung für das Trainer- und Athleten-Glück im Ergebnis des Hochleistungstrainings. Das Team Trainer & Athlet muss im Wettkampf bestehen wollen und dafür mentale Stärke entwickeln. Am besten man hat das Sieger-Gen, die ererbten Voraussetzung für Spitzenleistungen. Wenn Du als Läufer glaubst, es geht nichts mehr, mach noch 2 Läufe oder verlängere die Strecke. Wenn Du denkst, dass Deine Pausen kurz sind, verkürze sie um weitere 15 – 30 Sekunden oder mehr. Danach hängen weitere Erfolg von umfassenden Maßnahmen zu einer schnellen und tiefen Regeneration ab. Ein Rückblick auf mein Trainerleben lässt mich zu der Erkenntnis kommen, dass auch Trainer im Hochleistungssport das besondere Gen brauchen.“ (© Lothar Pöhlitz)

*Quelle: „Running Formula 2009“ / **Quelle: Von Trainern für Trainer – Trainerakademie Köln 2012, Fotos: Chayriguet, Privat