Trainingspraxis Laufen 2


Trainingspraxis Laufen



Trainingspraxis Laufen


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Neuerscheinung


Neuerscheinung – Trainingskonzepte


2. Auflage


Buchtipp – Das große Laufbuch von Lothar Pöhlitz


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Dein genetisches Schicksal ist nur ein Teil der möglichen Perspektive

Wer von mehr träumt muss mehr tun!

Regensburg, 12. Juni 2014 (von Lothar Pöhlitz) - Alle Laufexperten sind sich sicher einig, dass die ererbte Muskelstruktur, der Anteil der schnell oder langsam zuckenden FT- bzw. ST-Fasern für eine mögliche sportlich Perspektive auf den Mittel- oder Langstrecken bedeutend ist. Welchen Einfluss aber das genetische Schicksal des Einzelnen für einen Weg in die Weltspitze hat und welchen Anteil das sportliche Training und die ererbten mentalen Fähigkeiten wird in der Sportwissenschaft immer wieder kontrovers diskutiert. Erschwerend wirkt in dieser Diskussion die Rolle der weltweit eingesetzten „unterstützenden Mittel“ (UM) die gegenüber den Anfängen in den späten 60iger Jahren mit zunächst ausschließlich „ana bolica“ eine derzeit unbekannte Vielfalt und auch Wirk-samkeit erreicht hat. Damit wird die Bedeutung des „Hochbegabtseins“, der Genetik eingeschränkt, weil es durch nichtbekannt wirkende „UM“- Belastungsüberhöhungen möglich sein kann, das auch Brauereipferde zu Rennpferden werden.

Eins der großen Probleme in der Chance des einzelnen Talents ist auf der Grundlage seines genetischen Schicksals die richtige Ausbildung zu erhalten. In Deutschland ist es gegenwärtig mehr als Zufall - und er / sie von großem Glück reden kann - ein fachlich qualifiziertes Sportinstitut oder den richtigen Trainer für die mitgebrachten Anlagen zu erwischen. Wer will schon wissen wie viel Prozent Fasern des Typs I (slow-twitch) oder Typs IIa (fast-twitch) der Einzelne hat wenn er nur schnell laufen kann. Dabei sind die schnellen Fasern zu mehr Leistung und Geschwindigkeit fähig und für langandauernde Arbeit ziemlich uneffizient. Und „die super-fast-twitch-Fasern nutzen ausschließlich die anaerobe Energiebereitstellung“ sagt Jorge Zuniga (USA). Man stelle sich vor solch ein Talent landet bei einem Langstrecken- oder noch schlimmer beim Marathon-Coach.

Zwingt solches Wissen nicht zum handeln? Da jeder Mensch mit mehreren Arten von Muskelfasern geboren wird sollten wir Hochbegabte nicht länger ihrem genetischen Schicksal überlassen sondern alles tun damit sie schon sehr früh ihren ererbten Fähigkeiten entsprechend geleitet und ausgebildet werden. Dann würde sicher auch nicht länger an dem Unsinn der letzten Jahre festgehalten werden, junge Läufer erst schnell machen zu wollen bevor man sie ihrer eigentlichen Perspektive zuführt. Die gegenwärtige deutsche Nachwuchslangstreckenmisere hat da wohl eine wesentliche Ursache, die Mittelstreckentrainer werden aber mit „Langstrecklern auf der 800 m Strecke“ auch nicht froh ! Und wenn es schließlich zu spät ist können die einstigen Talente nicht einmal schnellen Dauerlauf.

Schon in einem Organigramm von Peter Coe wurden die zu lösenden komplexen Aufgaben in einer Läufer – Ausbildung verdeutlicht:

Sportwissenschaftliche Untersuchungen am FKS Leipzig haben bereits 1974 gezeigt das lange langsame Läufe in ein paar Monaten schnell zuckende Fasern in langsame ST-Fasern umwandeln. Und es scheint, wie die Praxis zeigt, dass dies irreversibel ist. Ob in der bei allen Menschen vorhandenen Mischform in der Muskelstruktur - mit bestimmten Dominanzen -  auch langsame ST-Fasern durch Training zu schnell - zuckenden konvertieren lässt die Sportwissenschaft weitgehend unbeantwortet. Zumindest lässt das für die Trainingspraxis den Schluss zu dass die Langstrecken-Coaches „Muskelstruktur – Mischlinge“ brauchen und alles tun müssten um für die schnellen Langstrecken bis 5000 m den Anteil der schnellen Fasern ihrer Schützlinge durch Training ganzjährig zu konservieren. Sie sollten aber auch nicht übersehen das langsam kontrahierende Fasern mit viel Sauerstoff effizienter Energie erzeugen. Das bedeutet zugleich das hohe aerobe Qualität vor allem von der  Fettverbrennung gut lebt – und das erfordert lange Dauerläufe und einen langstreckentypischen Trainingsumfang.

Fazit:  In der Konsequenz muss man schlussfolgern dass der Einfluss der Genetik – die ererbte Muskelfaserverteilung - nur ein Teil der möglichen Perspektive ist - so sie möglichst frühzeitig erkannt wird - das die Talent-    Auswahl und ihre frühe Hinführung zur Mittel- oder Langstrecke ein   zweiter wichtiger Teil auf dem Weg zur möglichen Endleistung ist, dass aber auf dieser Grundlage die Ausbildung, das Training für... eine nicht weniger wichtige Aufgabe ist. Wenn aber Hochbegabte nicht   belastbar sind – sog. Bindegewebsschwächen haben – und den harten leistungssportlichen Weg nicht mit aller Konsequenz gehen und Sieger werden wollen, ihnen die notwendige Intelligenz zur Bewältigung der   umfangreichen Aufgaben im und außerhalb des Trainings fehlt, muss    man sich über die Muskelfaserverteilung weniger Gedanken machen. Trotzdem ist es für viele nicht falsch am Sport Spaß zu haben.

Fotomontage privat, Abbildung: Pöhlitz