Trainingspraxis Laufen 2


Trainingspraxis Laufen



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U16-Meisterschaften ab 2014 stellt LV vor neue Aufgaben

Talentsuche - Basistraining und auf die U18 und U20 - Jahre vorbereiten

1. August 2013 (Von Lothar Pöhlitz) - Nach einer Meldung bei leichtathletik.de vom 18.7.2013 wird es ab 2014 für die Dauer von drei Jahren eine U16-Einzelmeisterschaft als Modellprojekt geben. Einem entsprechenden Antrag stimmte der DLV-Verbandsrat in einer Sitzung in Ulm zu. Die Blockwettkämpfe und Mehrkampfmeisterschaften sollen bestehen bleiben. 2017 soll dann auf der Basis von wissenschaftlicher Begleitung eine endgültige Entscheidung über das Meisterschaftsangebot in der U16 getroffen werden. Die U16-DM soll als Einzeldisziplin - Bestands-aufnahme zwei Tage dauern und den Altersklassen M15 und W15 vorbehalten bleiben. Die Ansprüche werden konkreter und die Arbeit muss früher beginnen.

Man kann es als gute Entscheidung in die richtige Richtung begrüßen, wenn die Konsequenzen die sich mit dem Ziel verbinden Basis für eine veränderte, zielgerichtete Arbeit sind. U16-Meisterschaften sollten als wichtige Durchgangs-station auf dem langen Weg in die Erwachsenenklasse angesehen werden und in ihrer Vorbereitung die trainingsmethodischen Erfahrungen innerhalb eines längerfristigen, systematischen, vielseitig – zielgerichteten Nachwuchstrainings berücksichtigen. Es wäre zu früh da schon die U18 / U20 EM bzw. WM´s im Auge zu haben, aber spätestens hier müssten sich die Lauftalente für die Mittelstrecken oder die Langstrecken zeigen. Im Zusammenhang mit dieser Meisterschaft einer sowieso nicht zu verhindernden Intensivierung des Einzelwettkampfsystems sollte gesichert werden dass Wettkämpfe vor allem als Kontrollen des Ausbildungsstandes angesehen werden, Stärken verstärkt und am Abbau von Schwächen gearbeitet wird. In den Laufdisziplinen sind bis dahin vor allem die Talenterkennung, eine umfassende Konditionierung und der Aufbau der Belastbarkeit der Füße-, Fußgelenke und der Muskulatur rund um die Knie die Grundlagen für längerfristige Fortschritte. Das ist nicht mit kurzfristigen Aktivitäten, mit Intensivierungen und mit Podiumsplätzen bei einer U15 Meisterschaft lösbar. Da sollte auch eine Beurteilung des komplexen Ausbildungsstandes dazu gehören, einer optimalen Lauftechnik, der Schnelligkeit als Voraussetzung für den Unterdistanzentwicklung aller Laufdisziplinen, die Ausprägung einer altersgemäßen aeroben Kapazität, die Erlernung der Techniken aller Übungen die in den nächsten beiden Jahren im Mittelpunkt des Trainings stehen. Die Beweglichkeit und die Sammlung von vielseitigen Wettkampferfahrungen in den Einzeldisziplinen sind nur zu erarbeiten wenn junge talentierte Läufer zu einem im Prinzip täglichem Training bereit sind.

Mit M / W 15 kann für Talente bereits die Leistungssportkarriere beginnen

Es wäre am besten wenn M / W-15 nach einem etwa 3-jährigen Grundlagentraining erreicht wird. Das wäre ein günstiger Zeitpunkt innerhalb des Jugendtrainings – vor allem mit Jugendlichen die das wollen - planmäßig das Hauptziel eines langfristig aufbauenden Nachwuchstrainings aufzunehmen, persönliche Höchstleistungen im Erwachsenenalter v o r z u b e r e i t e n. Am Ende der Jugendtrainings sollen Leistungen und Belastungen stehen, Voraussetzungen geschaffen sein, die einen problemlosen Übergang in den nationalen Spitzenbereich und zur U23-WM (Anschlusstraining) ermöglichen, zugleich aber durch eine weitere systematische Belastungssteigerung in den folgenden Jahren zum internationalen Spitzenniveau (Hochleistungstraining), oder, bei weniger talentierten bzw. weniger konsequenten Athleten, zur persönlichen Höchstleistung führen können. Nach Schaffung der internationalen U18 / U20 – Höhepunkte – für die sich der DLV ja entschieden hat - könnten für die Besten – unter einem leistungsorientierten Nachwuchstraining – diese für sie großen internationalen Vergleiche erste Bewährungen in Sinne einer leistungssportlichen Karriere darstellen.

Vor allem komplexes Training schafft Voraussetzungen

Das Training dient nun von Jahr zu Jahr immer mehr dem Ziel, in Wettkämpfen den durch Training erzielten Leistungsfortschritt zu zeigen. Den Talenten muss dabei klar werden, dass es für sie, auch durch immer bessere Ausschöpfung des taktisch gelernten, vor allem auch um Siege geht. Spätestens hier muss aber auch dem ehrgeizigsten Athleten deutlich gemacht werden, dass Niederlagen (auch unerwartete) zum Leistungssport gehören und in der Regel hier die neue Ausgangsposition für Konsequenzen im weiteren Training und für kommende Wettkämpfe gesucht werden muss. ?Vor allen den Trainern, aber auch den Papa-Coaches muss klar sein, dass in diesem Alter durch die individuelle biologische Entwicklung, die anatomischen und anthropometrischen Verhältnisse, Trainingsausfälle durch Krankheiten und schulische Belastungen oft noch keine stabile Abhängigkeit zwischen absolviertem Training und Leistungsdarstellung besteht und es auch mal Stagnationsjahre bzw. Zeiträume mit verlangsamter Leistungsentwicklung geben kann.?Auf alle Fälle ist in diesem Altersabschnitt zu verhindern, dass die Sportler nur zu einseitigen (Rekord- oder Siegtaktik), Rennverläufen geführt werden und Unterdistanzen oder Überdistanzen meiden. Aufgabenstellungen in weniger wichtigen Wettkämpfen und deren Lösung sind ein wichtiger Weg zur Steigerung des Selbstvertrauens in bestimmten Rennsituationen. Ansonsten wird Selbstvertrauen als Voraussetzung zur Lösung immer höherer Aufgaben vor allen in offensiv geführten Wettkämpfen erworben.

Talente entwickeln sich bei gleichem Training in einer Gruppe schneller als die anderen – die Anlagen und das Qualitätstraining entscheiden über die Perspektive – nur Wettkämpfe sorgen für Gewinn an Wettkampferfahrung – Niederlagen sind Teil des Entwicklungsprozesses – alles braucht ausreichend Trainingszeit und das „wollen“ des Einzelnen.

Bereits in dieser ersten Etappe einer mehrjährigen „Lehre“ muss lernen immer mit üben und üben mit zunehmend mehr Wiederholungen verbunden sein. „Verhaltensweisen und Einstellungen gegenüber einem leistungsorientiertem Training und dem Streben nach Leistungsfortschritt in Wettkämpfen prägen sich in der Auseinandersetzung mit erfolgreichen Belastungsbewältigungen aus. In diesem Altersabschnitt ist zu beachten dass die Differenz zwischen kalendarischen und biologischen Alter um die 2 Jahre betragen kann und in diese Zeit oft Phasen mit besonderen Wachstumsschüben fallen. Dies muss sich letztendlich im Training, aber auch in Pausen widerspiegeln.“ Deshalb sollte Spätentwicklern die in der M/W 15 – Klasse noch nicht konkurrenzfähig sind die notwendige Zeit zur Entwicklung eingeräumt bleiben. Erfahrung ist dass in möglichst homogen zusammengestellten Leistungsgruppen (gemischte Gruppen von Jungen und Mädchen sind in diesem Alter sehr sinnvoll) in einem etwa 2 jährigem Training die gemeinsame Lösung der Aufgaben / Inhalte / Ziele / mehr „Spaß macht und dem Teamgedanken gut tut“.

Ausbildungsaufgaben M/W 15 – innerhalb eines längerfristigen Aufbautrainings

Die weitere Erhöhung der Belastungsverträglichkeit / Belastbarkeit und Vorbereitung auf die schrittweise zu erhöhenden Belastungsanforderungen sind vordringlich. Eine gute Belastungsverarbeitung wird nicht nur durch ein optimales Verhältnis von Belastung und Erholung erreicht, sondern auch durch den Anteil, den der junge Sportler selbst an Regenerationsmaßnahmen in diesen Prozess einbringt. Dafür ist eine gezielte Kenntnisvermittlung durch den Trainer in möglichst allen Fragen der trainingsmethodischen Vorgehens und der Erholung sehr hilfreich (Erziehung zur Selbständigkeit und Mitarbeit bei der Effektivierung des gesamten Trainings-prozesses).

Ganzkörperkonditionierung, Muskelkorsett – schnellkraftorientiert, harmonisch ausgebildete Muskulatur, besonders des Stütz- und Bewegungsapparates, spezielle Ausbildung der Fuß- und Beinmuskulatur, Fußgelenkskraft, Grundlagenausdauer, Entwicklung der Herzleistungsfähigkeit sowie der Organe und der Energiebereitstellungssysteme.

Übereinstimmung von Training, ständiger Technikverbesserung, erste taktische Aufgaben und an die steigenden Belastungsanforderungen gebundene, sich positiv entwickelnde Einstellungen. Dazu gehört auch die Bereitschaft zur selbständigen Durchführung von Trainingseinheiten und der Disziplin zur inhaltlich qualitativen Realisierung der Aufgaben (unter dem Motto des individuellen „wollens“- ich trainiere alles für mich – der Trainer hilft!).

An diesen Kriterien ist auch in Wettkämpfen mit Aufgaben der Entwicklungsstand der Sportler auf immer höherem Niveau zu überprüfen. (Erziehung auch zur offensiven Renngestaltung, aber auch zum Siegläufer, Entwicklung disziplinspezifischer Willensqualitäten, an Zielgeschwindigkeiten und Streckenlängen gebunden – Aufbau des Selbstvertrauens sowie Sammlung von Wettkampferfahrungen).

In dieser Ausbildungsetappe resultiert die jährliche Belastungssteigerung aus schrittweiser Erhöhung von Umfang und Intensität des Lauftrainings, als auch innerhalb des Athletik-, Kraft- und Sprungkrafttrainings bei gleichzeitiger Erhöhung der konditionellen Grundlagen. Die Entwicklung der speziellen Leistungs-voraussetzungen als Mittelstreckler oder Langstreckler, erfordert zunehmend Trainingsformen die die speziellen Fähigkeiten auch ausbilden.

Die bei Mädchen früher abschließende körperliche Entwicklung muss sich entsprechend im Training widerspiegeln, d.h. Mädchen sind früher/schneller an höhere Belastungen heranzuführen und es können auch frühzeitiger höhere Anteile spezieller Trainingsbelastungen (einschließlich des spez. Krafttrainings) als bei gleichaltrigen Jungen eingesetzt werden. Treten bei Mädchen die erwarteten Leistungsfortschritte nicht „rechtzeitig“ (16/17 Jahre) ein, sind sie schneller zur Aufgabe des Leistungstrainings (Aufwand-Nutzen-Denken/andere Interessen) bereit als Jungen.

Foto: Pöhlitz