Trainingspraxis Laufen 2


Trainingspraxis Laufen



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Neuerscheinung


Neuerscheinung – Trainingskonzepte


2. Auflage


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Nachwuchstraining von Lauf-Talenten ist Voraussetzungstraining

Talente suchen und immer besser auf das folgende Jahr vorbereiten

25. Juli 2013 (© Lothar Pöhlitz) - Nachwuchstraining von Lauf-Talenten ist Voraussetzungstraining für das folgende Jahr, für das Anschlusstraining oder auch für das Hochleistungstraining. Talente leben vom „Ererbten“ – deren Stärken von Anfang an verstärkt werden sollen ohne die Aufarbeitung von Schwächen aus den Augen zu verlieren.

  • Bleiben Belastungssteigerungen aus oder wird das Training aus dem Vorjahr nur „wiederholt“ bleiben auch Fortschritte aus bzw. sie sind bei Jugendlichen in erster Linie der körperlichen Entwicklung zuzuschreiben. Auch im Nachwuchstraining sind Fortschritte an reizwirksame Anpassungen des Gesamtsystems gebunden.
  • Belastungssteigerungen für Läufer beinhalten eine zeitliche Steigerung der Gesamt-belastung, des Lauftrainingsumfangs, sowie aller Bereiche die innerhalb einer komplexen Ausbildung, des Voraussetzungstrainings – selbstverständlich in Abhängigkeit vom Trainingsalter – bedeutend sind.
  • Die athletische Ausbildung und das disziplinbereichsorientierte Lauftraining sind für den Leistungsfortschritt gleichermaßen wichtig. Im Schüler- und Jugend - Aufbau-training erfolgt die Verbesserung der Ganzkörpervoraussetzungen (Füße, Beine, des Zentrums, des Oberkörpers, der Arme) – wenn auch möglicherweise phasenweise akzentuiert – ganzjährig (Sommer-Zirkel im Freien). Ein wesentlicher Schwerpunkt ist ein  Belastbarkeitsaufbau der später leistungsrelevanten Bereiche – Binde- und Stützgewebe – und die Gelenkbeweglichkeit – Erweiterung der Bewegungsamplituden im Bereich der Bein- und Hüftbeweglichkeit.
  • Im Rahmen eines abwechslungsreichen, vielseitigen Einsatzes von Trainingsformen können, mit zunehmenden Belastungsanspruch und trainingswirksam in den Jahren, vor allem ausdauerorientierte Sportarten (Schwimmen, Skiroller- oder Skilanglauf, Inliner, Skiken, Rad o.ä.) genutzt werden. Wichtig ist, dass sie im jeweiligen Einsatz-zeitraum (VP I) den Leistungsaufbau (durch Umfangs- und Intensitätsteigerungen) Unterstützen.

  • Der Lauftechnikausbildung (Mittelfuß- und Vorfußlauftechnik, aktive Fußarbeit, kurze Bodenkontaktzeiten) kommt eine besondere Bedeutung bereits ab dem Schüleralter zu (Technikläufe immer länger). Wichtig ist, dass mit individuell zunehmender Kraft  die Lauftechnik immer wieder „nachjustiert“ – verbessert werden muss. Je leichter der Bewegungsablauf bei hohen Geschwindigkeiten (Leichtlauftechnik), umso größer ist die Laufökonomie. Dafür sind vorher die körperlichen Voraussetzungen zu schaffen.
  • Der Entwicklung der auf den Disziplinbereich des Talents ausgerichteten Ausdauer-fähigkeiten, der Überdistanz-, Unterdistanz- und der Strecke die er/sie aktuell am    besten kann– des Umgangs mit Dauerläufen und Tempoläufen in den verschiedensten trainingswirksamen Geschwindigkeitsbereichen – und der Schnelligkeit kommen im Jugendalter die gleiche große Bedeutung zu. Hierin liegen die Schlüssel für einen systematischen Leistungsfortschritt über Jahre und zur Ausbildung der Energiebereit-stellungssysteme, des Stoffwechsels, der Atmung, der Sauerstoffversorgung der Muskulatur entsprechend der gewünschten Anforderungen, des Umgangs des Organismus mit Laktat und der Ausprägung der Regenrationsmechanismen. Es wird oft übersehen, dass die Ausbildung eines leistungsstarken Herzens auf dem Weg hin zum „Erwachsensein“ erfolgt.
  • Es soll an dieser Stelle unterstrichen werden, dass die Schaffung dieser Voraus-setzungen für Langstreckler an vielfache Wiederholungen von entsprechenden Anpassungsreizen – d.h. an einen systematisch zu steigernden Lauf-Trainingsumfang – gebunden sind. Der frühen Entwicklung der Herzleistungsfähigkeit und des cardiovasculären Systems kommt eine besondere Bedeutung zu. Für junge Langstreckler sollte der mittlere Dauerlauf (DL2 im Bereich zwischen 80 – 85 % vom Leistungsziel) sowie Tempoläufe „mittellang“ = 400-800 m im Mittelpunkt stehen.
  • Die Entwicklung der Schnelligkeit erfolgt ganzjährig und hat im Jugendaufbautraining  die gleiche große Bedeutung für Mittel- bzw. Langstreckler. Sprintvorbereitende Trainingsformen sichern, dass die Sprint“umfänge“ im Jahresverlauf zu den Wettkampfphasen hin ansteigen können und auch die Anteile an maximalen Sprintläufen (20 – 60 m) steigen. Wenige maximale oder auch supramaximale Sprints (Bergabsprints) bewirken die Schnelligkeitsfortschritt, wenn sie gut durch submaximale Sprints (~ 95 %) vorbereitet wurden. In Wettkampfabschnitten ist schnelligkeitserhalten- des Training wichtig.

  • Auch junge Läufer trainieren um in den vom DLV innerhalb ihres Wettkampfsystems angebotenen Rennen erfolgreich zu sein und jährlich immer besser zu werden. Die Entwicklung in der Welt hat uns in den letzten Jahren internationale U-18, U-20, und U23-Events gebracht  in denen auch von unseren Talente Medaillen oder Final-platzierungen erwartet werden. Zudem zeigt die internationale Leistungsverjüngung in allen Laufdisziplinen von 800 – Marathonlauf, zu welchen Leistungen 19 – 21 jährige fähig sind, so sie entsprechend vorbereitet wurden. Die Informationen von Weltbesten sagen das dies nicht in erster Linie mit Dauerlauf oder wenig geschwindigkeitsorien-tiertem Training zu machen ist. Auf der Grundlage des erreichten Ausbildungsstandes, der bisher absolvierten Trainingsbelastung und der körperlichen Entwicklung von Talenten ist zu entscheiden wie viel und wie oft Trainingsbelastungen einzubauen sind, die einen schnelleren Leistungsfortschritt ermöglichen. Dies ist – natürlich streckenbereichsabhängig - an eine systematische Geschwindigkeitsentwicklung, planmäßige Streckenverlängerungen, systematischen Pausenverkürzungen, Nutzung der verschiedenen Lauftrainingsformen zur Schaffung einer breiten Basis – S – SA – TW- Sprints - TL1, 2, 3 – BAL bzw. ZWL - DL1, 2, 3 – FS - TW – STL – Geländeläufe – Rasendiagonalen – Long Jog gebunden.

  • Auch im Nachwuchstraining sind für den Leistungsfortschritt in den verschiedenen        Ausdauerbereichen von der jeweiligen Zielstrecke abgeleitete Geschwindigkeits- Umfangsbeziehungen erforderlich.  Die jeweilige Aufgabe ist nur zu lösen, wenn in der Zielgeschwindigkeit ein der Zielstreckenlänge entsprechender angemessener Umfang in der TE absolviert wird. Solche Geschwindigkeitsentwicklungen im Trainingsumfang sind auch im Grundlagenausdauerbereich (70-80 %), im Entwicklungsbereich oder im Grenzbereich des Dauerlauftrainings erforderlich (orientiert an der aeroben Schwelle bei 3 mmol/l Laktat – vL3). Der Einfluss auf die Entwicklung der aeroben Schwelle durch DL im aerob-anaeroben Übergang ist nicht unbedeutend.
  • Auch im Nachwuchstraining von Talenten ist eine parallele Entwicklung der Ziel-leistung, der Unterdistanzleistungsfähigkeit (etwa bei 110 % von einer realistischen Zielstreckenplanung) und der Überdistanzleistungsfähigkeit (etwa bei 90 % unterhalb der Zielstreckenplanung) anzustreben. Die vL3 (Geschwindigkeit an der aeroben Schwelle bei 3 Laktat) liegt etwa bei 80 % vom Renntempo-Ziel, im 800 m Lauf noch deutlich niedriger. Um die Leistungsziele auf den Strecken des Disziplinbereiches (z.B. Mittelstrecke) zu erreichen müssen deshalb die zu absolvierenden Geschwindigkeiten im Jahrestrainingsaufbau systematisch in den Bereich der Zielleistungen geführt werden.
  • Bei der Jahrestrainingsplanung ist zu berücksichtigen, dass für ein neues höheres Niveau in der aeroben Leistungsfähigkeit etwa 12 Wochen – für die Entwicklung der diziplinspezifischen Ausdauer 8 Wochen und für die Ausprägung der wettkampfspezi-fischen Leistungsfähigkeit etwa 4 Wochen benötigt werden. Praxiserfahrung ist auch, dass bei vielen die im Training gezeigten Leistungen in der wettkampfspezifischen Ausdauer erst nach etwa 2 – 3 Wochen in Wettkämpfen abzurufen sind.
  • Für die vielfältig im Schüler- und Jugendaufbautraining von Talenten zu lösenden Aufgaben ist die Lehre von der Organisation des Trainings- und der Wettkampfleistung eine zu vermittelnde außerordentliche Traineraufgabe. Nicht nur das schon früh  innerhalb von 2 Stunden – TE immer mehrere  Aufgaben gelöst werden, müssen in den Jahren das tägliche Training normal und in „Gipfeltrainingswochen“, in Trainingslagern oder in Ferienzeiten 9 – 10 TE / Woche zur immer besseren Erfüllung der komplexen Trainings – Aufgaben die „Besonderheit des Talents“, das immer mehr trainieren darf, unterstreichen.
  • Wettkampferfolge sind auch von der psychophysischen Belastbarkeit, der mentalen Stärke, einem positiven Denken in Bewährungssituationen abhängig. Diese Fähigkeiten sind vor allem in Trainingseinheiten zu erarbeiten die in Geschwindigkeit und Streckenlänge wettkampfnah sind, dem Athleten die Überzeugung vermitteln das er die ihm gestellten Wettkampfaufgaben auch erfüllen kann und konkurrenzfähig sein wird. Hilfreich können auch Verhaltensweisen und mentale Techniken sein, die die Voraussetzungen für optimale Leistungen verbessern und ihn bestärken, negative Einflüsse auf das Leistungsergebnis aus seinem Leben zu verbannen. Ist eine Niederlage trotz allem unvermeidlich ist alles zu tun zum nächsten Rennen „stärker“ zurück zu kommen.

Foto Ayadi