Trainingspraxis Laufen 2


Trainingspraxis Laufen



Trainingspraxis Laufen


Trainingspraxis Laufen



Neuerscheinung


Neuerscheinung – Trainingskonzepte


2. Auflage


Buchtipp – Das große Laufbuch von Lothar Pöhlitz


Sponsoren



Kids for Olympia

Der DLV, die Athleten, die Medien und Sponsoren – alle müssten Gold wollen

Selbst Goldkörnchen und ihre Trainer können nur mit professionellen Bedingungen Medaillen & Siege bei EM, WM oder OS erarbeiten, dafür brauchen sie Hilfe.

Regensburg, 12. Dezember 2013, Von Lothar Pöhlitz - Wenn man beobachtet wie selbstverständlich die Medien die „reichen“ Fußball-, Tennis-, Formel 1- oder Golf–Profis mit den im Prinzip „armen Leichtathletik-Amateuren“ in einen Leistungsanspruch–Topf werfen, muss man sich schon über die Fairness oder vielleicht auch das Fachwissen von Sportjournalisten wundern. Wenn die Fußball-Bundesliga nicht spielt, fällt das aktuelle Sportstudio aus. Fußball, Fußball über allem, wer ist nur dafür zuständig. Auch in den Zeitungen gibt es vor allem Fußball – auch wenn derzeit nur die Bayern und die Borussia aus Dortmund international konkurrenzfähig sind. Sport gibt es immer weniger und wenn, dann nur als Randnotiz. Das einstige Sportland Deutschland war früher nicht nur in den Grundsportarten Turnen, Schwimmen, Leichtathletik konkurrenzfähig. Um aber über sie zu reden, brauchte man Fachwissen, die Liebe zur Sportart und auch ein wenig Verantwortung als „Sportjournalist“. Fußballberichte sind scheinbar einfacher zu stricken, werden vielfach dupliziert – was gestern im TV neu war, wird am nächsten Tag von den Zeitungen abgeschrieben – oder Berichte über den Nachwuchs von den Vereinen selbst verfasst. Die öffentlich-rechtlichen Sender – von 3 Monaten Wintersport einmal abgesehen - und auch das private Fernsehen werden schon länger ihrem Auftrag nicht mehr für alle d i e gerecht, die sich nicht für Fußball interessieren. Aber mehr Geld wollen sie von allen. Die Quote regiert. Welche Gewerkschaft organisiert endlich einen Streik für mehr TV-Sport-Qualität, auch für Kinder- und Jugendsport und weniger 3., 4. oder 5. Fußball-Liga deren Spieler im Vergleich zu Leichtathleten „viel“ Geld für nicht einmal Mittelmaß kassieren? Bei Höhepunkten aber wird die mangelnde Konkurrenzfähigkeit der „kleinen Sportarten“ kritisiert, die mit „Blech“ werden bloßgestellt und der Kinder- und Jugendsport ist unter deren Würde! Da werden locker auch einmal unkritisch die 10 Millionen des einen mit den 10.000 € des anderen gleichgestellt. Und bei Dopingberichten aus dem Ausland – auf allen Kanälen dupliziert - wird den deutschen Sportfans nicht selten der Eindruck suggeriert, dass auch alle deutschen Sportler (natürlich Fußballer ausgenommen) verdächtig sind. So bleibt ein Fazit: man würde sich wünschen, dass die Medien wieder mit mehr positiven Beiträgen das Zurück zum Sportland Deutschland unterstützen. Bestimmt wollen auch sie bei den nächsten Olympischen Spielen wieder am liebsten GOLD – dann sicher auch in möglichst vielen leichtathletischen Disziplinen.

Sind nicht das alles auch Gründe, warum die Diskussion um die duale Karriere von Spitzenathleten, um die Voraussetzungen und Bedingungen für 12-14 x Training pro Woche und Wettkämpfe zur Erreichung des Weltniveaus in Einzeldisziplinen derzeit so massiv in Gang gekommen ist. Da fragt man sich, ob Wintersportler die von Dezember bis März im Fernsehen die Leute begeistern und sich von Mai–November professionell auf Gletschern oder im Skandinavien vorbereiten, beim DOSB gleichgestellt sind oder bessere Sponsoren im Hintergrund haben als der DLV. Es ist zwar richtig dass sich Profis in der Regel ihre Einkünfte aus ihrer Sportart, dem sportlichen Training, den Wettkampfteilnahmen, Sponsorenarbeit und den damit im Zusammenhang stehenden Aufgaben (Öffentlichkeitsarbeit, Vorträgen) erarbeiten. Es ist aber auch wahr, dass Geld erst fließt, wenn man die Goldmedaille bereits gewonnen hat. Dann kann man auch – wie Robert Harting (s.u.) eine Sport-Lotterie zur Unterstützung „der bisher nicht so Erfolgreichen, die noch viel Zeit für den Aufstieg brauchen“, gründen. Toll! Er weiß es und es ist wahr, dass man von diesem Beruf ohne Medaillen und hilfreiche Eltern kaum leben kann.

Mir scheint dass die zusammenfassende Einschätzung der Gründe für die aktuell wieder erfreuliche Skisprungsituation durchaus Parallelen zum Laufbereich im DLV zulässt. Für alle – sowohl für die, die auf der einen Seite „Wunder in Kürze“ erwarten - aber auch für die, die bereit sind im und für das Team längerfristig an diesem einen Strang mitzuziehen. Bei der DLV-Laufkonferenz Anfang Dezember konnte man schon einmal das Gefühl bekommen dass da durchaus viel Bereitschaft zur notwendigen Wende vorhanden ist.

Hochleistungssport erfordert professionelle Eigenschaften z.T. weit über normale berufliche Anforderungen hinaus, ein erhöhtes Maß an Kenntnissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten, außergewöhnliche Willensqualitäten für das zum großen Teil harte körperliche Training und auch Verzicht auf Privatleben. Damit sind selbstverständlich Erwartungen verknüpft. Er soll ein Profi ohne Urlaub, mit professionellen Verhaltensweisen in der Ernährung und der täglichen Nutzung von sportmedizinisch-physiotherapeutischer Begleitung sein.

Auch Lauf-Profis verdienen nur zeitweilig ihren Lebensunterhalt mit Sport

Bei der zweitägigen Fachveranstaltung „Ich kann Gold“ im November in Berlin äußerte sich “Diskus-Olympiasieger Robert Harting zum wiederholten Male zur aus seiner Sicht mangelnden Unterstützung für deutsche Spitzensportler. Während sich Athleten in vielen anderen Ländern ganz auf ihren Sport konzentrieren könnten, werde in Deutschland oft auf eine zusätzliche Ausbildung gepocht. Die duale Karriere existiert für mich persönlich nicht, man kann nicht zwei Karrieren gleichzeitig führen,“ sagte Harting (leichtathletik.de 7.11.2013) „Aus meiner Sicht ist es unmöglich, im Sport und in der Ausbildung parallel Spitzenleistungen zu erbringen. Ohne größere Kompromisse in meinem Studium hätte ich meine bisherigen sportlichen Erfolge niemals erreicht.“ (Robert Harting 2013)

Bei gleicher Veranstaltung verstärkte Norbert Warnatzsch, der frühere Trainer der vor gut einem Monat zurückgetretenen Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen, dass er in der Verbindung von Leistungssport und Ausbildung ein echtes Problem sieht. „Da verlieren wir viele, die sich dann doch für die berufliche Laufbahn entscheiden. Beides miteinander zu verknüpfen, gelingt den wenigsten.“ Hier müsse die Gesellschaft ansetzen und garantieren, dass junge Leute Leistungssport störungs- und verlustfrei ausüben können.

Aus Sicht von Prof. Dr. Arndt Pfützner, Direktor des Instituts für angewandte Trainingswissenschaft (IAT) in Leipzig „fehlt es dem deutschen olympischen Spitzen- und Nachwuchsleistungssport an Anerkennung und Begeisterung, politischer Lobby und Geld zur Herstellung professioneller Führung und Strukturen.“

EIN AUSWEG – ATHLETENFÖRDERUNG DURCH LOTTERIE – INITIATIVE HARTING

„Die Zahl unserer Sportler hat sich seit der Wiedervereinigung verdoppelt, die Anzahl der Medaillen aber halbiert. Wir sind in der Sportförderung auf dem Weg zum Entwicklungsland. Darum handeln wir“, erklärte der dreifache Weltmeister. „Wir wollen langfristig erreichen, dass die Topsportler statt 300 Euro auf 1000 Euro Förderung monatlich kommen.“

Die Stiftung Deutsche Sporthilfe beziehungsweise deren Wirtschaftstochter Deutsche Sporthilfe GmbH ist Teilhaber der Deutschen Sportlotterie. Aus dem Hause des bisherigen Hauptförderers des Sports in Frankfurt/Main hieß es, dies sei „eine kreative und aussichtsreiche Idee“. Inzwischen wurde im Internet die Homepage www.deutsche-sportlotterie.de freigeschaltet.

Fazit: Hochleistungssportler - die GOLD wollen - müssen von ihren Einnahmen leben, trainieren und sich gleichzeitig mehrere Jahre auf Medaillenziele vorbereiten können! Sie brauchen für ein professionelles Training kompetente, hauptberufliche Trainer, die notwendige Trainingszeit und materielle Unterstützung.

Foto: Chai