Trainingspraxis Laufen 2


Trainingspraxis Laufen



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Neuerscheinung


Neuerscheinung – Trainingskonzepte


2. Auflage


Buchtipp – Das große Laufbuch von Lothar Pöhlitz


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31 von 41 Eliteschulen des Sports haben Verbesserungspotential

DOSB - Bestandsaufnahme 2012: in der Qualität der Ausbildung nachbessern

Kürten, 15. Februar 2013 (von Lothar Pöhlitz) - 2012 fand in Leverkusen die 5. Bundeskonferenz der Eliteschulen des Sports statt. Unter dem Titel „Eliteschulen des Sports – ein neuer Zyklus beginnt“ präsentierte danach Olav Spahl, Ressortleiter Nachwuchsleistungssport beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) die Resultate der turnusgemäßen Qualitätsanalyse 2012 an allen 41 Eliteschulen des Sports und gab Einblicke in die Ergebnisse der Arbeit (Quelle: DOSB). 25 Schulen, das entspricht 61 Prozent, konnten für den Prüfzeitraum bis Ende 2010 laut DOSB die gestellten Aufgaben nicht erfüllen, nicht nachweisen dass ihre Kandidaten sich in ausreichender Zahl für Nationalmannschaften qualifizierten und angemessene Bildungsabschlüsse erlangten.

„Eine Eliteschule des Sports ist eine Fördereinrichtung, die im kooperativen Verbund von Leistungssport, Schule und Wohnen Bedingungen gewährleistet, damit talentierte Nachwuchsathleten und Nachwuchsathletinnen sich auf künftige Spitzenleistungen im Sport bei Wahrung ihrer individuellen schulischen Bildungschancen vorbereiten können.“ (Quelle: DOSB)

Die vom DOSB 2009 festgelegten Indikatoren (s.u.) lassen die Frage zum Arbeitsergebnis der Eliteschulen im letzten Olympiazyklus vor allem nach der „sportlichen und schulischen Leistungsfähigkeit der Eliteschulen“ leider weitgehend unbeantwortet. Die Vorbereitung von Hochbegabten auf Spitzenleistungen, auf das Hochleistungstraining (das wären 12-14 TE und 30-40 Std./Woche), auf gewollte Erfolge bei Jugend- / Junioren - EM oder WM und später bei Olympischen Spielen – erfordern ganzjährig – vor allem im Alter zwischen 16 – 19 Jahren – im Rahmen einer komplexen Ausbildung 10 - 12 Trainingseinheiten. Das sollte doch bedeuten dass in Eliteschulen des Sport im Rahmen der schulischen Ausbildung am Vormittag 4 - 5 x wöchentlich 2 Stunden sportliche Ausbildung mit hochqualifizierten Sportlehrern selbstverständlich sein müssten. Dafür sind sie doch geschaffen worden, schließlich sollen sie aufs Hochleistungstraining vorbereiten. Und wenn dann noch sportlich Hochbegabte in besonderen Maße gefördert werden sollen – wie es in den Aufgaben zu lesen ist – müsste doch in einer solchen Bestandsaufnahme vor allem auch die Frage beantwortet werden ob derzeit wirklich vor allem Talente, Hochbegabte von Elitetrainern komplex ausgebildet werden – was man sicher beim gegenwärtig allseitig vernachlässigten Schulsport bezweifeln darf – weil in einer qualitativ-anspruchsvollen Ausbildung nicht die Quantität sondern die Qualität der Arbeit vor Ort zählt und dabei bestimmt weniger mehr ist.

In diesem Zusammenhang wäre doch vor allem die Frage zu beantworten wie und wo für derzeit 41 Eliteschulen der hochbegabte Nachwuchs gefunden wird und warum für diese Spezialschulen des Leistungssports keine Scouts arbeiten, wie das in den Eliteschulen des Fußballverbandes üblich ist. Zumindest wird dieses Problem in der Bewertung (nachfolgend 1.-6.) nicht deutlich.

Die Befragung für den olympischen Zyklus wurde anhand von sechs Kriterien vorgenommen:

  1. Bedingungen für die sportliche Ausbildung: leistungsstarke Trainingsgruppen, hochwertige und flexibel verfügbare Trainingsstätten und die Betreuung durch qualifizierte Trainer
  2. Koordination und Management der Zeitbudgets: die auf den jugendlichen Leistungssportler zugeschnittene zeitliche Flexibilisierung von Schul- und Trainingsabläufen und deren Verzahnung erforderlich.
  3. Regionale und überregionale Wirkungsmöglichkeiten: Die Aufnahme an die Eliteschulen des Sports grundsätzlich für sportliche Talente
  4. Abstimmungs- und Organisationsstruktur
  5. Pädagogische Gesamtkonzeptionen unter leistungssportlichen Gesichtspunkten
  6. Sportliche und bildungsbezogene Erfolge: Kaderqualifizierungen und Erfolgen in den Nationalmannschaften beziehungsweise in erfolgreichen Schulabschlüssen

In den vom DOSB formulierten Aufgaben findet man: die Eliteschulen des Sports bilden als Baustein im Verbundsystem Schule - Leistungssport ein Profil aus, das sportlich Hochbegabte in besonderem Maße fördert. Die Zielstellungen und Anforderungen stimmen für alle Eliteschulen des Sports weitestgehend überein. Zur Lösung werden je nach den Bedingungen in der Region und vor Ort spezifische Lösungsmuster mit eigenen Profilen entwickelt und umgesetzt bzw. die landesspezifischen Regelungen berücksichtigt. Unter diesem Gesichtspunkt vermisst man eine Differenzierung nach Sportarten oder auch nach dem Winter – und Sommersport. Andererseits sollten Initiativen zur Schaffung immer besserer Bedingungen vor Ort geprüft und festgelegt werden. Die Partner in diesem Verbundsystem sind um gegenseitiges Verständnis der Anforderungen und Bedingungen bemüht und entwickeln mit diesem Grundverständnis die jeweils optimalen Lösungen.

Wenn 2012 nur die nachfolgenden 10 der 41 Standorte bis 2016 das Prädikat „Eliteschule des Sports“ erhielten und die anderen „nacharbeiten sollen“ müsste man doch auch die Versäumnisse in diesen anderen 31 für die Repräsentation des deutschen Hochleistungssports in der Welt geschaffenen Einrichtungen erfahren dürfen. Die Eliteschulen „ohne Einschränkungen“ sind:

  • Berchtesgaden
  • Bonn,
  • Cottbus,
  • Dresden,
  • Essen,
  • Frankfurt/Oder,
  • Kaiserslautern,
  • Oberwiesenthal,
  • Potsdam,
  • Tauberbischofsheim

Weiteren 31 (!) Standorten, an denen sich Verbesserungspotentiale im Rahmen der Befragung zeigten wurde das Prädikat zunächst nur bis 2014 verliehen.

Dabei lassen die Veröffentlichungen zu den vom DOSB gewählten Indikatoren die Frage zum Arbeitsergebnis der Eliteschulen im letzten Olympiazyklus vor allem nach der „Qualität der sportlichen und schulischen Ausbildung der bisher 39 – jetzt 41 - Eliteschulen“ weitgehend unbeantwortet.

Bei den Olympischen Spielen in London 2012 waren nach dem DOSB-Bericht 104 der 392 nominierten Sportler aktuelle oder ehemalige Eliteschüler des Sports. Sie waren an 31 von 44 Medaillengewinnen beteiligt. Sollten diese sich vor allem auf die 10 positiv genannten Schulen verteilen hätte Deutschland ja riesige Reserven wieder in Richtung leistungsfähiges Sportland, wie es schon einmal war.

Bewertungskriterium Nr. 1: Die Qualität der sportlichen Ausbildung

Ziel der Eliteschulen des Sports müssten effiziente Bedingungen zur erfolgreichen sportlichen Ausbildung und die Qualität der Vorbereitung auf das Hochleistungstraining insbesondere in den Schwerpunktsportarten vor Ort – in Kombination mit einer optimalen Erfüllung der schulischen Aufgaben - sein. Dazu wären erforderlich:

  • Aufbau eines Systems der Talentsuche „Hochbegabte“ (Scout-System) in den Ländern für die Sportschulen
  • Konzentration auf regionale Schwerpunktsportarten mit funktionierenden leistungsstarken Trainingsgruppen (Partnertraining)
  • hochwertige, moderne und flexibel verfügbare Trainingsstätten
  • die Betreuung durch qualifizierte Trainer bzw. Trainerinnen
  • Nachwuchsleistungstraining mit 4 - 5 x 2 Std. im Vormittagstraining
  • Anbindung an ein Bundesleistungszentrum der Sportart (Nachmittagstraining) mit „Spezialtrainern“
  • Kleine Klassen mit Schulzeitstreckung / Teilnahme an Trainingslagern
  • Sportwissenschaftliche Begleitung durch den Olympiastützpunkt vor allem in den Bereichen Sportmedizin, Physiotherapie, Trainingswissenschaft /´Physiologie / Trainingssteuerung, Sportpsychologie
  • Fortbildungsveranstaltungen durch den DOSB (für das Lehr- und Trainingspersonal sowie das weitere Personal der Eliteschulen
  • Eine Leistungssportgerechte Ernährung

Diese Bedingungen sollten in der Regel durch den DOSB, die Sportverbände und ihre Stützpunkte mit enger Bindung an Olympiastützpunkte (OSP), Vereine sowie durch die Schule gesichert werden. Dazu sollten mit den beteiligten Institutionen verbindliche Verträge geschlossen werden.

Trainingsmethodisch erfolgt die sportliche Ausbildung am besten auf Grundlage der Konzepte der Spitzenverbände. Dabei steht die sportartspezifische langfristige Perspektive mit einem durch Vielfalt geprägten Trainings- und Wettkampfprozess im Mittelpunkt, wobei die jungen Sportler und Sportlerinnen zumindest phasenweise auch Trainings- und Wettkampferfahrungen in verschiedenen Sportarten sammeln könnten.

Im Sinne der Qualitätssicherung sollten regelmäßig interne und externe Fortbildungsprogramme für sportfachlich sowie sportartübergreifend lehrendes Personal, Trainer und Trainerinnen vom DOSB angeboten und wahrgenommen werden.

Eine der großen Reserven des deutschen Hochleistungssports sind die Eliteschulen des Sports

Siehe auch: Quelle FAZ - Von Anno Hecker und Michael Reinsch - vom 07.12.2012 Seit Olympia steht die Spitzensportförderung in Deutschland zur Diskussion. Der DOSB stellt nun dem Gros der Eliteschulen des Sports ein miserables Zeugnis aus. Diese Überprüfung wiederum halten Kritiker für eine Farce.

Foto: Chai