Trainingspraxis Laufen 2


Trainingspraxis Laufen



Trainingspraxis Laufen


Trainingspraxis Laufen



Neuerscheinung


Neuerscheinung – Trainingskonzepte


2. Auflage


Buchtipp – Das große Laufbuch von Lothar Pöhlitz


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Kids for Olympia

Lauf - Talente und ihre Trainer müssen Erfolge wollen aber auch „dürfen“

Wer mit 21/22 konkurrenzfähig sein will muss mit 17/18 belastungsbereit sein.

Kürten, 28. November 2012, Von Lothar Pöhlitz - Es ist schon toll wie viele Sportjournalisten der großen aber auch kleinen Medien in den letzten Wochen und Monaten der Leistungs-Philosophie des neuen Sportdirektors von Bayern München Mathias Sammer erst einmal uneingeschränkten Beifall zollten und „die geballte Wucht des Gewinnenwollens“ (Kölner Stadtanzeiger 4.7.2012) lobpreisten. Das wird sich eines Tages wieder ändern wenn Niederlagen kommen. Die besonders begeistert aufgenommenen Sammer-Zitate reichen von „alle Selbstkritik, alle persönlichen Eitelkeiten dürfen zukünftig keine Rolle mehr spielen, wir werden, wollen und müssen erfolgreich sein“ oder „ich sehe keinen Grund für irgendein Alibi, wir brauchen eine Aufbruchstimmung, unsere Ansprüche sind nun mal die allerhöchsten, ich will gewinnen.“ Dafür wird ohne Scham öffentlich gemacht das nicht nur jährlich das bereite und geeignete Spielerpotential der anderen Vereine eingekauft wird, das ein Spieler auch einmal 40 Millionen wert sei, aber auch das neue Ideen für mehr Effektivität im Sinne der Ergebnisse der Arbeit des eigenen Nachwuchsleistungszentrums erforderlich ist. Auch wenn nicht alle der Philosophie „wir wollen die Besten sein“ folgen arbeitet Sammer auch am Umfeld und an der Persönlichkeitsbildung „aller“ – auch öffentlich. Es ist schon interessant das alles aufmerksam aus der Distanz zu beobachten. Dies tun im Moment auch die Journalisten und die Fans, sie werden ihnen aber nur solange folgen solange sie erfolgreich sind. Deutsche Leichtathleten können leider Weltbeste nicht fertig einkaufen - sie müssen es mit Training versuchen.

„Ich kann nicht heißt ich will nicht. Jeder kann mehr als er glaubt. Es geht im Profisport (Hochleistungssport) auch um den Willen mehr können zu wollen“ (Felix Magath in BILD v. 15.7.2012)

Lauf - Nachwuchserfolge wollen - aber auch „dürfen“

In der Olympischen Leichathletik muss Nachwuchsförderung ein Bekenntnis zur Leistung und zu Eliten sein. Betrachtet man die Mittel- und Langstrecken-Nachwuchsleistungssituation Ende 2012 (beispielsweise 10 - Bestenlisten) und damit die Ausgangsposition für das Anschlusstraining oder gar für den bevorstehenden Olympiazyklus müssten die Scouts schon unterwegs sein, dies zur vorrangigen Aufgabe der nächsten Jahre erklärt werden und ganz oben auf den Arbeitsplänen der dafür Verantwortlichen stehen. Der „kleine Aufbruch 2012 in der Lauf - Spitze“ sollte genutzt werden, damit der Wunsch Einzelner Bester zu werden sie auch erfüllen „dürfen“. Dürfen bedeutet dabei, dass zunächst erst einmal für „sie“ – für die Hochbegabten, die Talente - die dafür notwendigen Bedingungen geschaffen werden. Talente suchen und leistungsorientiert auf die Zukunft vorbereiten ist erste Voraussetzung für unsere internationale Konkurrenzfähigkeit in Zukunft. Dies wurde 2012 deutlicher als zuvor. Hochbegabte und ihre Trainer die bei einer EM, WM oder den OS ins Finale wollen müssen nicht nur Unterstützung erfahren sondern auch zum damit verbundenen leistungsorientierten Training mit allen Konsequenzen am besten schon früh bereit sein. Das Argument „es gibt sie nicht“ zählt nicht. Das Jahr 2012 hat gezeigt, dass Trainer erfreulicherweise einige wenige „Außergewöhnliche“ gefunden haben die die Fähigkeiten und Bereitschaft dazu mehr „heimlich“ als öffentlich eingebracht haben. Bei der U 20 – WM 2012 in Barcelona konnte man sehen dass in den letzten Jahren offensichtlich große Versäumnisse nicht nur in der Lauf-Nachwuchsarbeit, vor allem in den Langstreckendisziplinen, zugelassen wurden. Auch in Zukunft werden wir gegen die Großen nicht bestehen, immer weniger in die Finals kommen, wenn dafür nicht entsprechend trainiert wird? Wer schon im Nachwuchsbereich nicht seine Leidenschaft zeigt wird mit zunehmenden Ansprüchen kaum zu mehr harter Arbeit bereit sein. Wer zur ersten großen Bewährung bei einer Nachwuchs - EM bzw. - WM will muss auch die Final-Ansprüche erfüllen wollen die von den Medien und den Funktionären transportiert werden. Deshalb muss auch für die 12 Mittel- und Langstreckendisziplinen der Männer und Frauen die Nachwuchsarbeit weiter optimiert werden und vor allem die einbeziehen die mit einem erforderlichen veränderten Anspruchsdenken zur Mitarbeit bereit sind. Das bedeutet aber auch sich „zu kümmern“. Wie will man mit 21/23 konkurrenzfähig sein, wenn man mit 17/18 nicht belastungsbereit ist. Wer im Mittelstreckenlauf gut sein will nur gern „schnell“ laufen, wer Langstreckler werden will muss gern „länger schnell“ laufen.

Talente suchen die aufs Podium wollen muss zentrales Anliegen werden

Im vergangenen Leichtathletik-Jahrzehnt verbanden es immer weniger Kinder, Schüler, Jugendliche die zum Leichtathletiktraining gekommen sind mit dem Wunsch eines Tages auf einem Podium bei einem internationalen Höhepunkt zu stehen, Bester werden zu wollen oder zu werden wie.......! Das ist ja auch nicht verwunderlich wenn vor Jahren mit der „Aktion Spielleichtathletik“ die einstige Leichtathletik-Philosophie „schneller – höher – weiter“ erst einmal in den Keller gebracht wurde. Inzwischen haben viele geglaubt dass die Leistungsverweigerungsphilosophie der 68er die Deutschland und auch dem Leistungs- und Schulsport soviel schaden zugefügt hat, überwunden ist. Jetzt hängt es am sozialen Status, der Erziehung im Elternhaus, aber auch am vernachlässigten Schulsport im Altersbereich von 6 – 10 Jahren, der verlorengegangenen Philosophie „Außerschulischer Sport“ und den vielen Vereinen, die mangels geeigneter Trainer und ihrem Anspruchsdenken kein Angebot machen können. Auf Leichtathletikanlagen und im Schulsport kämpfen immer weniger Kinder in den traditionellen Disziplinen um den Sieg, auch Laufen gegen die Uhr ist out, ein Phänomen in einer Leistungsgesellschaft? Trotzdem haben einige wenige Läufer und ihre Trainer im vergangen Jahr uns Mut gemacht, gezeigt dass auch deutsche Leichtathleten konkurrenzfähig sein können weil sie es wollten und keiner konnte sie aufhalten. Man hat gegenwärtig das Gefühl dass der DLV dieser Philosophie auch wieder folgen will.

Für EM-, WM- und OS- Finals brauchen wir „spezielle“ Talente und Trainer

Wie im richtigen Leben, wo das Ererbte bei den Wenigsten für einen Nobelpreis oder zu einer sensationellen Erfindung reicht, nicht alle Ärzte oder Vorstandsvorsitzende werden, erreicht nicht jeder Trainierende, nicht jedes Talent die Weltspitze weil das „Ererbte“, die Erziehung in den ersten Lebensjahren, die Härte zum Weltniveautraining, das passende private Umfeld oder der passende Trainer fehlten oder die mentale Stärke im Wettkampf oder….....in den Jahren des Belastungsaufbaus nie richtig abgerufen wurden. Es passte nie alles zusammen oder den Trainern fehlte einfach nur die Leidenschaft. Man sollte darüber reden, wie Mathias Sammer und der FC Bayern München oder Jürgen Klopp mit dem status quo nicht zufrieden sein, die aktuelle Situation analysieren und erforderliche Maßnahmen z.B. der Trainerqualifizierung, des Scoutings bzw. zur Veränderung der Talentausbildung in Angriff nehmen, auch wenn den Leichtathleten im Gegensatz zum Fußball ein paar ....zig Millionen fehlen.

Spitzenleistungen werden bereits im Nachwuchsleistungssport entschieden

Die Ergebnisse bei den Olympischen Spielen führten zu großen Diskussion. Das scheint dem DOSB gar nicht recht. Die Strukturen, Maßnahmen und die praktische Arbeit im Nachwuchsleistungssport entscheiden aber langfristig über die Erfolgschancen im Spitzensport. Das Kader-System beispielsweise konzentrierte sich bisher auf die Förderung vor allem auf die die in den Bestenlisten vorn, scheinbar die Besten waren, unabhängig davon ob sie bereits mehrjährig (Schülertraining) Herausforderungen in Sport und Umfeld besser als andere bewältigt haben, den Leistungsweg auch gehen wollen, den gewünschten Sieger-Typen nahekommen, von kompetenten Trainern nicht nur betreut sondern „ausgebildet“ wurden oder auch zukünftig werden sollen. Dabei standen in der Vergangenheit die außergewöhnliche Talente, Hochbegabte deren Ziel es ist in einem ersten Schritt zu den besten unseres Landes zu gehören, in einem zweiten Schritt aber das Weltniveau zu erreichen nur mittendrin, wohl nie so richtig im Zentrum der Aufmerksamkeit und damit in einer besonderen Fürsorge. Die Aufnahme in einen Nachwuchsleistungskader muss mehr damit verbunden werden, ob die Jugendlichen und ihre Trainer bereit sind mit steigendem Leistungs- und Altersniveau alles für ihr Hobby zu tun, täglich zu trainieren, zu verzichten und ab dem Anschlusstraining die gebotenen professionellen Bedingungen zu nutzen. Zukünftige deutsche Erfolge werden nicht von der Quantität der Kader sondern von ihrer Qualität bestimmt. Deshalb sollten die Lauf-Nachwuchs-Bundestrainer mehr als bisher das Fördern junger Talente mit dem Fordern verbinden. Die Tatsache dass die Nachwuchsförderung in der Lauf-Vergangenheit nicht wie erhofft in die internationale Konkurrenzfähigkeit führte (siehe auch U 20 - WM 2012) hat darin wichtige Ursachen.

Damit soll natürlich keineswegs die Betreuung derjenigen in den Vereinen und Landesverbänden geschmälert werden die im Rahmen der Allgemeinen Leichtathletik Spaß an 3-4 x in der Woche Leichtathletiktraining haben, vielleicht nur einmal bei den „Deutschen“ ins Finale wollen oder sich beim Sport nur „wohlfühlen wollen“. Eine stärkere Differenzierung zwischen den Aufgaben der Allgemeinen Leichtathletik und der Olympischen Leichtathletik ist wünschenswert.

Internationale Konkurrenzfähigkeit im Mittel- und Langstreckenlauf setzt voraus das Läufer und ihre Trainer schon früher zur „Elite Middle- & Long Distance - Running“ gehören wollen und „dürfen“ und dafür recht zeitig die Voraussetzungen geschaffen werden. Der Weg zum Gipfel ist lang und wird vor allem erfolgreich beschritten wenn er Spaß macht und mit Erfolgen verbunden ist.

Fotos: Kiefner