Trainingspraxis Laufen 2


Trainingspraxis Laufen



Trainingspraxis Laufen


Trainingspraxis Laufen



Neuerscheinung


Neuerscheinung – Trainingskonzepte


2. Auflage


Buchtipp – Das große Laufbuch von Lothar Pöhlitz


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Kids for Olympia

Erfolge von Eliten sind vor allem an Bedingungen, Trainer und Zeit gebunden

Für ein langes erfolgreiches Trainerleben muß man das Coaching beherrschen

© Lothar Pöhlitz, 10.11.2012 - Fachkräftemangel gibt es nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch im Bereich „Elite - Middle- & Long - Distance - Running“. Dieser Bereich der Läufer und Trainer, für den sich seit 2006 die Leichtathletik – Coaching - Academy engagiert, wird hier einmal gesondert thematisiert. Das Angebot an gutem Personal auf dem Trainermarkt hält sich bekanntlich sehr in Grenzen, die derzeit internationale Konkurrenzfähigkeit legt davon Zeugnis ab. Alle Sportverbände, auch aktuell die Leichtathletik, tun sich schwer für offene Stellen qualifizierte, kompetente Mitarbeiter, Profis mit viel Berufserfahrung zu finden. Sicher auch weil man in der Regel von einem zu kleinen Honorar nicht leben kann.

Die Halbwertzeit des trainingsmethodischen Wissens, das Know-how verkürzt sich immer mehr weil die Geheimnisse über erfolgreiches Training weniger geworden sind und sich die Experimentierfreudigkeit der Läufer in der Welt durch das Vorbild der Afrikaner und Amerikaner erhöht hat. Immer mehr machen sich bei den Weltbesten schlau und versuchen die „Belastung von früher zu übertreffen“ oder sie wirksamer zu gestalten. Sie haben in den letzten Jahren Reserven erschlossen, von denen der große Kenyaner Kip Keino „über Details des anderen Trainings“ sprach. Sie haben sich Europäer ins Land geholt, folgten ihren Empfehlungen und verbinden sie mit mehr Härte und mit eigenen Erfahrungen. Während der eine oder die andere in Deutschland noch darüber nachdenken „ob sie auch sollten“ haben die im Rift Valley beispielsweise die Jahre und ihre soziale Not genutzt, dazugelernt und die Effektivität des Höhentrainings weiter erhöht, sie laufen schneller und schneller in 2000 – 3000 m Höhe, sie laufen mehrmals wöchentlich „grenzwertig nach Gefühl“ und machen sich wenig Sorgen ob ihre Laktatwerte einmal zu hoch sein könnten, weil sie ihren “Gegnern / Partnern“ folgen müssen wenn sie sie demnächst schlagen wollen. 2012 liefen sie in der Höhe von Nairobi auch auf den „schnellen Strecken“ von 800 m – 5000 m außergewöhnliche Wettkampfgeschwindigkeiten und trainieren dafür Geschwindigkeiten die von Europäern nicht unter NN erreicht werden:

Berufliche Aus- und Weiterbildung nebenbei, der Blick über den Zaun ist Voraussetzung für eine lebenslange Konkurrenzfähigkeit der Läufer, vor allem aber auch der Trainer. Keine Zeit, kein Geld, kein Bock, morgens um 6 Uhr kann ich noch nicht, nur für die „Ehre“, für den B-Kader reicht es immer, ich weiß doch wie es geht, sind einige der wenigen Argumente die deutsche Läufer in der Vergangenheit im Tal gehalten haben.

Die Übersicht über die Ergebnisse von den kenianischen Olympiaausscheidungen in Nairobi 2012 zeigen schon wieder ein neues Problem auf, neue Wettkampf-Qualitäten in Höhen um 2000 m. Diesen Ergebnissen müssen im Trainings-Vorfeld in der Höhe neue Qualitäten vorausgegangen sein. Wir sollten deshalb noch einmal über modernes Höhentraining nachdenken oder wenigstens erst einmal in einem ersten Schritt versuchen, solche Qualitäten unter NN – Bedingungen zu realisieren.

Junge Trainer sortieren die Bausteine für Erfolge jährlich neu

Wenn an dieser Stelle an die jungen Trainer appelliert wird sollten sich die „Längerdienenden“ auf keinen Fall ausgeschlossen fühlen. Natürlich sind auch sie angesprochen wenn sie sich zuerst, vielleicht zum wiederholten Male die alte Erfahrung durch den Kopf gehen lassen sollten: „Stagnation bedeutet Rückschritt“, wer das Training des letzten Jahres nur wiederholt organisiert die Stagnation. Wissen ist Macht und Bildung sichert auch im Leistungssport zusammen mit Talenten langfristig Erfolge. Lauf-Talente sind „Hochbegabte“ die die Belastbarkeit für ein Leistungstraining mitbringen, den Erfolg wollen und dazu in einem bestimmten abgegrenzten Lebensabschnitt bereit sind dies als ihr einziges Hobby, ihren zeitweilig wichtigsten Lebensinhalt anzusehen. Wie im richtigen Leben, in der Wirtschaft und in der Gesellschaft ist auch für Trainer des Elitebereiches die erste wichtigste Voraussetzung er/sie müssen diesen Job wollen. Dies rangiert noch vor der Aufgabe dann auch ein Leben lang dazu-lernen zu müssen. Danach folgt gleich die Leidenschaft in der Verfolgung der Ziele. Ohne Ehrgeiz, Motivation, Emotionen geht es nicht, dies gilt für Trainer und Athleten. Da hilft kein Träumen, von der „Sorte 1“ gibt es nur wenige, hoffentlich gehörst Du dazu.

Der Athlet respektiert nichts mehr als die Trainer-Persönlichkeit die er zugleich als Vorbild ansieht, die ihn auf seinem gewünschten Weg nach oben positiv begleitet. Und wenn sich der Trainer nicht in die Gefühle des, am besten intelligenten Talents, das in seinem auch schon mal besonderen, auch ungeduldigen Charakter, unbequem sein kann, nicht hineinversetzen oder es sogar nutzen kann, wird die Zusammenarbeit nicht selten auf eine harte Probe gestellt.

„Erfolgstrainer“ haben im Leben eins oder mehrere Talente gefunden

Der Begriff „Erfolgstrainer“ ist nicht selten auch mit dem Begriff Neid durch den/die weniger erfolgreichen Kollegen negativ besetzt; dass dieses Prädikat hart erarbeitet sein kann oder auch durch das glückliche Zusammentreffen mit einem / einer „Hochbegabten“, mit dem dann aber auch über mehrere Jahre die Chemie stimmen musste, zu außergewöhnlichen Ergebnissen führte, wird übersehen. Meine Beobachtung ist, dass eine ihrer hervorstechenden Eigenschaften ist: sie sind „Motivationskünstler“, die aber die Erfolge gemeinsam mit dem Talent wollen und erarbeiten. Natürlich brauchen sie das Wissen wie Trainingswirkung erzielt wird, sie brauchen aber vor allem Leidenschaft um das Talent zur erforderlichen Härte zu führen. Eine der wichtigsten Bausteine für Trainererfolge ist die tägliche Arbeit mit Talenten. Hochbegabte wachsen nicht auf den Bäumen, sie laufen ihnen aber auch nur in den seltensten Fällen zu, nein, sie müssen sie suchen und ihre Trainierbarkeit über eine gewisse Zeit beobachten, und das immer wieder, zumindest solange wie sie Erfolgstrainer mit Spaß an der Arbeit bleiben wollen. Das ist oft schwerer und mühsamer als die Trainingsarbeit selbst. Wenn sie ein Talent gefunden haben, gehen sie am besten sofort los und suchen nach einem weiteren, vielleicht noch besseren. Eine feste Bindung zwischen dem Talent und dem Trainer gibt es nur solange beide mit den Fortschritten zufrieden sind. Bedenken sie immer auch dass ein erfolgreiches Sportlerleben, die Zeit der Ernte nach zunächst jahrelangen, durch ihr Umfeld oft unbemerkten Investitionen, wenn sie Glück haben vielleicht 6 -10 Jahre dauern kann. Ein Trainerleben dagegen kann aber auch 4 solcher Jahrzehnte andauern, so sie es gut organisieren, d.h. immer auch Spaß an Erfolgen und Talente haben!

Entscheidungen treffen und im gemeinsamen Interesse durchsetzen„Du warst gut, aber Du kannst es noch besser“

Ein weiterer Baustein ist: Trainer treffen die Entscheidungen - handeln verboten. Sie sind der „Bestimmer“. Analysieren – Konsequenzen festlegen – realisieren. Wer Entscheidungen trifft muss sie aber auch erläutern können. Das „jein“ gibt es nur in den Phasen z.B. der Planerstellung, weil im Vorfeld der Arbeit ein Plan mit möglichst optimalem Training steht. Dem Sportler treten sie gegenüber sicher und bestimmt auf und erläutern ihre Erwartungen an die Realisierung, wie sie es sich vorstellen. Im Hochleistungstraining gilt „Handeln verboten“ – das Stoppschild sollten sie immer vor Augen haben. Bleiben sie ehrlich, sie haben nichts zu verschenken, bessere Zeiten als sie nach dem Lauf auf der Uhr ablesen werden nicht übermittelt. Im Leistungssport gibt es keine „Mitleidstrainer“ - kein super oder sensationell außerhalb der Erfüllung gemeinsamer geplanter Ziele im wichtigsten Wettkampf des Jahres. Weicheier erreichen auch bei einem anderen Trainer das erträumte Podium nicht. Das „gut, aber Du kannst noch besser“ belohnt ausreichend und gibt zugleich die weiteren Aufgaben vor, schließlich muss es in den nächsten Wochen schrittweise weiter nach oben gehen. Natürlich sind Trainingsplan-Korrekturen während des Trainings möglich oder sogar erforderlich wenn die aktuelle Verfassung, die vielleicht einmal angeschlagene Psyche ihres Athleten oder das Wetter, oder.......sie erfordern, dafür steht der Trainer an der Bahn und das darf der Athlet auch erwarten.

Auch das Selbstbewusstsein des Trainers wächst mit den Erfolgen. Auch die Psyche muss sich einmal ausruhen dürfen

Nur wer das Wissen der anderen nutzt, neugierig bleibt, auch das Experiment oder das Risiko nicht scheut, dabei immer auch in die Zukunft denkt, steigt auf den Stufen der Erfolgsleiter. Sie sollten aber ihr Konzept nicht immer gleich ändern wenn sie einmal irgendwo ein neues interessantes Programm gelesen haben. Trainer im Elitebereich planen und arbeiten mit einem Mehrjahreskonzept in Olympiazyklen, dabei übersehen sie nicht das die anderen, die in der Vergangenheit schon besseren, in 4 Jahren natürlich noch besser sein wollen bzw. werden. Die Herausforderung wäre die Erhöhung des eigenen Entwicklungstempos, aber nur wenn sie dazu auch den / die passenden Athleten haben und sie auch schon längerfristig darauf vorbereitet sind. Klare Ziele erfordern klare Wege. Im modernen Hochleistungssport sind die „Zwischenjahre aus der Vergangenheit“ völlig aus der Mode gekommen, dafür ist in vielen Fällen das Hochleistungsalter kürzer. Trotzdem müssen sie sich und ihren Athleten immer einmal wieder „Freiräume organisieren“, die Psyche einmal ausruhen lassen.

Stärken erkennen und ständig im Fokus der Entwicklung behalten und weniger wichtige Zeiträume im Jahr zur Minimierung von Schwächen nutzen. Die im Mittelmaß machen viele Wettkämpfe und trainieren zu wenig für den Fortschritt, die in der Weltspitze haben im letzten Jahrzehnt die Trainingsphasen verlängert und belastungsoptimiert, die Wettkämpfe auf höchstem Niveau reduziert und Zwischentrainingsphasen eingefügt. Sie haben auch erfahren dass der Organismus nach Höchstbelastungen eine möglichst schnelle und tiefe Regeneration mit einer optimalen Mischkost braucht. Das bedeutet organisieren und überwachen zugleich, aber auch, dass man sich nie zu weit von einem einmal erarbeiteten Niveau und auch von der Wettkampfgeschwindigkeit entfernen sollte. Es bedeutet aber auch in die maßvollen Pausen zwischen den Jahren keine Überziehungen einzubauen weil der Organismus die gebotene Chance nutzt und seine entwickelten Systeme schneller zur Ruhe setzt als ihnen lieb sein kann.

Die Elite braucht ein optimales Umfeld, kompetente Partner und Zeit für 25-30 Stunden Training in vielen Wochen des Jahres

Leider kann man zur Zeit den Trainern und Läufern die gern einmal bei Olympischen Spielen eine Medaille für sich und für Deutschland erkämpfen würden für den nächsten Olympiazyklus nicht einfach so ein Leistungszentrum wie in Oregon / USA empfehlen wo sie für sich möglichst stärkere Trainingspartner finden, bei dem sie, beispielsweise wie Profi-Fußballer, sich nur darum sorgen müssten dass sie regelmäßig gewinnen. Das Geld stimmt, die Trainingsbedingungen sind top, das TEAM ist Tag und Nacht für Dich da, das mehrmalige Höhentraining im Jahr unter professionellen Bedingungen (bei dem die Selbstverpflegung verboten ist) kein Problem und neben den 25 – 30 Stunden Training in der Woche mit sportmedizinischer und physiotherapeutischer Begleitung – also mindestens eine 40 Stundenwoche – ist auch das Wohlfühlen nach des „Tages Arbeit“ gesichert und die Olympiastützpunkte, die Medien und „Dein Verein“ sorgen mit ihrer begleitenden Arbeit für die Sponsoren. Das wäre eigentlich eine Aufgabe für Manager, wenn sie das Geld wert sein wollten das sie derzeit von den Sportlern verlangen.

Die Medien beschäftigen sich mit Fußball, leider immer weniger mit Sport

Leider ist das für Leistungs – Leichtathleten in der Regel ein Traum und das schlimme dabei ist, dass das die Fans oder auch die so von den Medien außerhalb von EM, WM oder OS „vergessenen oder im Stich gelassenen Hochleistungssportler der kleinen Sportarten“ übersehen. Die Medien beschäftigen sich vorwiegend mit Fußball, immer weniger mit Sport! Sportreporter wie früher gibt es kaum noch, sie fühlen sich mehr für Dopingskandale oder für Sportler zuständig die ihre Erwartungen nicht erfüllen konnten, also für die „Negativberichterstattung“, für das „Blech“ unterhalb Platz 1-3. Sie sehen es nicht mehr als ihre Aufgabe unseren Kindern und Jugendlichen sportliche Vorbilder zu präsentieren. Sie erwarten wie selbstverständlich am besten die Goldmedaille. Für die so wichtige Nachwuchsarbeit, die Talentsuche oder den herunter gekommenen Schulsport fehlt der positive Draht. Und so ist es nicht verwunderlich, wenn sich Talente, Hochbegabte, aber auch kompetente Trainer die mehr wollen als nur Deutscher Meister zu werden und dafür ackern, von so einem Umfeld träumen und sich nach für sie besseren Bedingungen sehnen.

3 Säulen sind vor allem für Spitzenleistungen wichtig Talent, Bedingungen und die erforderliche Trainingszeit

Geht man davon aus dass ein kompetenter Trainer selbstverständlich ist, setzen Spitzenleistungen – das sind mindestens die Top - 8 bei WM oder Olympischen Spielen – die erste wichtigste Säule voraus, das ererbte Talent für eine bestimmte Laufdisziplin, die Belastbarkeit für ein Hochleistungstraining und die mentale Stärke immer Sieger werden zu wollen. Für den Prozess der Ausbildung bis aufs Treppchen werden dann erfahrungsgemäß 8 - 10 Jahre gebraucht wenn die entsprechenden Möglichkeiten früh erkannt und nach den Prinzipien eines Nachwuchsleistungstrainings genutzt werden. Bei der U 20 – WM in Barcelona 2012 wurde demonstriert wo inzwischen das Weltniveau beim Übergang zur Erwachsenenklasse liegt. Selbstverständlich ist, dass dies nur für einige wenige Hochbegabte pro Disziplin gilt und nicht auf alle jungen Läufer zutrifft die gern zur Leichtathletik und zum Training gehen. Solche Talente brauchen natürlich die für eine komplexe leistungsorientierte Ausbildung erforderlichen Bedingungen, die 2.Säule auf der Erfolge aufgebaut werden. Zugespitzt könnte man formulieren dass das die Hinführung zu der Disziplin erfordert für die der Sportler vor allem begabt ist. Dass ist auch der beste Trainer in einem Leistungszentrum oder einer Eliteschule des Sports, der wie es im RTP - Nachwuchs des DLV steht, dass Talent auf das Hochleistungstraining umfassend v o r b e r e i t e t. Es ist offenbar leicht solche Aufgaben aufzuschreiben, bis sie Praxis in den Landesverbänden und – obwohl da und dort schon angedacht – auch in der Zentrale werden vergeht leider sehr viel Zeit.

Oft wird auch übersehen, dass das auch mit entsprechenden Wettkampfleistungen verbunden sein muss. Deshalb sind mit Bedingungen nicht nur Trainingsbedingungen gemeint, sondern auch die Möglichkeiten Höhentrainingslager zu nutzen, mit leistungsstarken Partnern zu trainieren, nebenbei ein psychologische Grundausbildung zu genießen, eine gute sportmedizinische und physiotherapeutische Begleitung zu erfahren oder auch das erforderliche tägliche Training mit der Schule oder einer Berufsausbildung optimal verbinden zu können. Das sind Voraussetzung für die 3. eigentlich entscheidende Säule in einem Leistungsaufbau junger Läufer, die Sicherung der - natürlich immer individuell - aktuellen Belastungs-notwendigkeiten – die nur zu realisieren sind, wenn zunächst 7 Trainingseinheiten (von 90 – 120 Minuten Dauer), später 10 – 12 TE mehrjährig mit den dazugehörigen Regenerationszeiten und – Maßnahmen gesichert sind. Analysen des Trainings der Elite über Jahre unterstreichen, das nicht Absichtserklärungen sondern nur ein realisiertes Hochleistungstraining die Erwartungen erfüllt. Das haben uns die Weltbesten in allen Generationen vorgelebt. Auch dafür braucht es Funktionäre die funktionieren. Sondermeldungen in den Medien gibt es nur für Sieger, über Silber- oder Bronzemedaillen erfreuen sich die Fans, Familien, Funktionäre und Trainer, ab Platz Vier wird man bedauert dass man nur Blech geschafft hat.

Fotos: Pöhlitz