Trainingspraxis: Langstrecke – Anschlusstraining - VP II
Eine beispielhafte 10 - Wochenplanung
04. Januar 2010 (© Lothar Pöhlitz) - Nachfolgend wird beispielhaft für junge leistungsorientierte Langstreckler/Innen im Anschlusstraining eine komplexe Belastungsplanung für 10 Wochen in der VP II angeboten, mit der innerhalb eines Mikrozyklus 5 unterschiedliche Aufgaben zur Langstreckenentwicklung gelöst werden sollen. Es wird davon ausgegangen, dass neben den jeweils 5 aufgeführten Schwerpunkt – Lauf - TE weitere 5 TE (die zu ergänzen sind) genutzt werden um in kombinierten aeroben Dauerlauf - TE mit Koordination, Beweglichkeitsprogrammen, Athletik- / Kraft- / Sprungkrafttraining zielgerichtet die Belastbarkeit systematisch zu erhöhen. Erfahrung ist, dass einem steigenden Anteil an Qualitätstraining ein erhöhter Umfang an „weichem aeroben“ Training „gegenzusetzen“ ist. Gleichzeitig muss bedacht werden, dass es für Langstreckler im Anschlusstraining darauf ankommt im Verhältnis zur VP I und dem vergleichbaren Zeitraum zum Vorjahr den Umfang um 20 - 30 % weiter zu erhöhen. Der Trainingsumfang ist für Langstreckler eine wichtige Basis und zugleich eine leistungsbestimmende Größe. Natürlich ist für ein solches Vorgehen Voraussetzung, dass in der 2.Etappe des Jugend-Aufbautrainings bereits leistungsorientiert – langstreckengerecht trainiert wurde.
Nach einem guten Jugend-Aufbautraining kommt es nun darauf an die psychophysische Belastung auf die Weiterentwicklung aller Funktionssysteme auszurichten. Wenn der Anschluß an die Spitzenleistungen der Erwachsenen gelingen soll muss jetzt ein Schub in der komplexen Trainingsbelastung organisiert werden. Jetzt entscheidet sich, ob die individuellen Motive, die Leistungsbereitschaft und die Willensqualitäten ausreichen um eines Tages zu den Besten zu gehören.
Anschlusstraining ist die Ausbildungsetappe, in der durch ein geschwindigkeitsorientiertes Training in allen Trainingsbereichen bei einer deutlichen Steigerung des Trainingsumfangs, einer weiter zu verbessernden Handlungsgenauigkeit bei der Ausführung aller Trainingsübungen, einem optimalen Vortrieb pro Schrittzyklus (in Abhängigkeit von Schrittlänge und Schrittfrequenz von der Wettkampfsituation) und eine optimale Kombination von Kraft- und anspruchsvollen Ausdauertraining die Voraussetzungen für die Konkurrenzfähigkeit im Weltniveau geschaffen werden.
Die zu planenden Geschwindigkeiten der vorgegebenen TE sind individuell vom Leistungsziel auf der Spezialstrecke (100 %) und die jeweils 1.TE in der Woche vom Unterdistanzziel abzuleiten und muss sich in einzelnen TE bis etwa Mitte Mai der Leistungszielgeschwindigkeit annähern, wenn Mitte Juni die „Ernte“ beginnen soll.

Im Beispiel wird davon ausgegangen, dass jeweils 2 Belastungswochen in etwa gleich ablaufen, in der zweiten Woche wenn möglich Umfang und die Geschwindigkeiten höher als in der jeweils ersten Woche sein sollen und die 3. / 6. / 9. Woche Regenerationswochen mit nur 1 - 2 intensiven TE sein sollen. Dabei wird der Lauftrainingsumfang in diesen Wochen im Vergleich zur Vorwoche bis zu 30 % gesenkt.
Die Aufeinanderfolge von jeweils 2 wichtigen TE ist beabsichtigt, um längerfristig die bei Höhepunkten üblichen Vorläufe + Finals gewohnheitsmäßig vorzubereiten. Eine solche Belastungsplanung erfordert verstärkte Aktivitäten zur Regeneration und eine optimale Ernährung.
| Woche | 1.TE | 2.TE | 3.+4.TE ergänzen |
5.TE | 6.TE | Sonntag |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. 2. |
2x10x100m Tp / 5´ |
FS 10´-8´-6´-4´-2´ Tp: ½ Laufzeit |
6-7 x (600+400 m) Tp: 200 / 400 m |
2 x 20´ DL2 Tp: 5´ |
Long Jog |
|
| 3. | Athletik | 15 km DL3 schnell | Athletik | 3 km EL - 6 TDL - 3 km AL |
Ruhetag | |
| 4. 5. |
2x6x150m Tp: 90“/5´ |
FS 8´-6´-5´-4´-3´-1´ Tp: ½ Laufzeit |
3 x (400-600-1000) Tp: 2´/ 3´ / 6´ |
2 x 16´ DL2 Tp: 5´ |
90´ DL1 |
|
| 6. | 2 x 20´ DL3 Tp: 5´ | Wettk. Straße | ||||
| 7. 8. |
2x6x200m Tp:90”/ 5´ |
FS 5 x 7´ Tp: ½ Laufzeit |
5 x 600 m P: 5´ 15´ P + 10´schnell a.d.Bahn |
12-16 km DL-TW 1000:1000 m |
90´ DL 1 | |
| 9. | Athletik | 60´ DL3 schnell | Athletik | 3 km EL – 6 TDL– 3 km AL |
Ruhetag | |
| 10. | 10-12x200m Tp: 200/90” |
8 x 1000 m Tp: 2´ |
5x300 + 5x 600 + 5x 400 Tp: 1´ / 2´ / 90” Sp: 3-5´ |
2 x 20´ DL2 Tp: 5´ |
Eine wichtige Voraussetzung zu einem möglichst schnellen Übergang in die Weltspitze, wie man es beispielsweise aus dem Schwimmen, dem Skilanglauf, dem Biathlon und dem Kanurennsport kennt, ist eine zielgerichtete Organisation der Wettkampfleistung durch die Teilnahme an qualitativ anspruchsvollen internationalen Rennen, vor allem im Ausland. In solchen Rennen trifft man nicht nur auf die erforderliche Konkurrenz, sondern kommt auch schneller zu einem immer hilfreichen Erkenntnisgewinn und sammelt die für den weiteren Fortschritt außerordentlich wichtige Wettkampferfahrung.
Titelfoto von Theo Kiefner
© Lothar Pöhlitz

