Neuerscheinung


Neuerscheinung – Trainingskonzepte


2. Auflage


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Kids for Olympia

F A K T E N – H I N T E R G R Ü N D E – S T A N D P U N K T E

zwischen zwei Olympischen Spielen von Dr. Lutz Nordmann

18. März 2009 - Der deutsche Leistungssport ist immer wieder auf der Suche nach Konzepten, Strategien und Wegen für die anstehenden Aufgaben nach Olympischen Spielen und auf dem Weg zu den nächsten Olympischen Spielen. In diesem Zusammenhang kann es nicht falsch sein, Konzepte und Erfahrungen führender Leistungssportnationen zu analysieren. Unter www.usolympicteam.com/codp fanden wir die folgende Analyse aus den USA.

Tim Gibbons/ Randy Hill/ Alicia Mc Connell/ Tammie Forster / Judy Moore:
The path to excellence. A comprehensive view of development of U.S. Olympians who competed from 1984 – 1998 (Initial report: Results of the talent identification and development questionnaire to U.S. Olympians (2002; 84 S. download unter: www.usolympicteam.com/codp)

US - Athleten geben Antwort auf 26 Fragen zur Olympiavorbereitung

Die Hauptzielsetzung des Reports ist es, verallgemeinerte Muster und Trends, die den Trainingsprozess und die Entwicklung der U.S.-Olympiateilnehmer kennzeichnen, herauszuarbeiten. Dabei wurden in der Darstellung der Befunde folgende Gruppierungen vorgenommen:

  • männliche / weibliche Olympiateilnehmer,
  • Winter- und Sommersport,
  • Medaillengewinner und Nicht-Medaillengewinner,
  • letztere nach den erreichten Platzierungen (4. – 8. und 9. – 25. Platz) untergliedert.

2.170 US-Athleten, die an den Spielen von 1984 – 1998 teilgenommen haben wurden befragt. 341 Athletinnen und 475 Athleten haben den Fragebogen (26 Fragen) komplett beantwortet. Deren Antworten bilden die Datenbasis für den vorliegenden Report.

Erfolg auf der Olympischen Bühne – so die Autoren – ist der Kulminationspunkt eines langfristigen Prozesses, der sich nicht nur auf die Athleten an sich beschränkt, sondern vielmehr auch durch die Hilfe und Unterstützung seitens handelnder Personen und Organisationen gekennzeichnet ist. Für viele Olympiateilnehmer nimmt der Traum, an Olympischen Spielen teilnehmen zu können, im Moment erster Erfolge auf lokaler und regionaler Ebene, Gestalt an. Die besondere Bedeutung dieser Facetten des Leistungssports wird damit deutlich unterstrichen. Im Durchschnitt 8,5 Jahre Training lagen zwischen dem Beginn des Sporttreibens und dem von den Athletinnen und Athleten wahrgenommenen Empfinden, dass es möglich sein könnte, an Olympischen Spielen teilzunehmen. Insbesondere eine nachfolgende, vergleichsweise kurze Zeitspanne von nur 1,7 Jahren zwischen der Entscheidung, Olympische Spiele in Angriff zu nehmen und dann tatsächlich an den Erfolg zu glauben, ist offenbar ganz entscheidend. Für viele Olympiateilnehmer fällt das Aufkommen des Traumes von Olympischen Spielen mit lokalen und regionalen Aktivitäten und Erfolgen zusammen.

Daraus wird die besondere Bedeutung auf Club-, Kommunal- und Regionalebene ansetzender Nachwuchsleistungssportprogramme für den Spitzensport deutlich.

Erfolg auf der Olympischen Bühne ist der Kulminationspunkt eines langfristigen Prozesses

Frühe Erfolge müssen organisiert werden

Die Motivation und das Streben nach Spitzenleistungen im Sport bilden einen wichtigen Komplex an Voraussetzungen, der zwar nicht hinreichend, aber eben notwendig ist, will man „oben ankommen“. Die Liebe zum Sport und zu körperlicher Aktivität gehört ebenso dazu, wie der zeitige Erfolg im Sport. Insgesamt weisen die Befunde in diesem Komplex ganz klar darauf hin, dass Nachwuchsleistungssport-Programme, die Spaß und Freude am Sport bieten, für die Athleten das Sprungbrett für ihre zielgerichtete Weiterentwicklung auf dem Weg in die Spitze sind. Wenn das so ist, müssen natürlich „zeitige“ Erfolge im Sport möglich gemacht werden, sie müssen organisiert werden.

Eltern und kompetente Trainer haben den größten Einfluss

Eltern und Trainer haben einen wichtigen, gleichwohl nach Auffassung der Autoren moderaten Einfluss, Kinder zum Sport zu führen. Die Befunde verdeutlichen aber auch den besonderen Stellenwert von erfahrenen und gut ausgebildeten Trainerinnen und Trainer im Nachwuchsbereich, insbesondere in bestimmten, späteren Abschnitten der leistungssportlichen Karriere

Zwischen 7 – 13 Jahren werden wichtige Voraussetzungen geschaffen
Mindestens 10 Jahre Talentausbildung und viele Trainingsstunden gehören dazu

Einen wichtigen Komplex machen vielseitige sportliche Erfahrungen, die insbesondere im Altersbereich zwischen 7 – 13 Jahren angelegt werden, aus. Die Autoren charakterisieren diese Etappe als „multi-lateral development“. Hier werden die Voraussetzungen für die wachsenden Anforderungen und die zunehmende Spezialisierung in nachfolgenden Altersbereichen geschaffen.

Interessant sind sicher auch die Aussagen zu zeitlichen Verläufen in der Entwicklung der US-Olympiateilnehmer, zu Trainingshäufigkeiten und –umfängen. Der Einstieg in das System erfolgt im Bereich von 11,5 – 12,0 Jahren. Aus den Befragungen geht hervor, dass die Athletinnen und Athleten einen Zeitraum von 12 – 13 Jahren durchlaufen haben, bis sie an Olympischen Spielen teilgenommen haben. Insgesamt 13 einzelne, wichtige „Meilensteine“ (oder Etappen, Abschnitte) auf dem „Weg zur Spitze“ werden herausgearbeitet.

Die Autoren konfrontieren die erhobenen Befunde auch Falle mit der aktuellen Literatur. Dort wird ein Minimum von 10 Jahren für eine intensive Talententwicklung referiert. ERRICSON et al (1993) weisen auch auf folgenden Fakt hin:

„…the accumulation of many hours of deliberate practice and training that is the best predictor of elite performance.” (S. 36)

Aus der Abbildung wird eine dynamische, langfristige, z.T. progressive Entwicklung der Jahrestrainingsumfänge deutlich. Auffällig sind

  • eine kontinuierliche, ständige Zunahme der Trainingsumfänge über viele Jahre
  • progressive, sprunghafte Steigerungen der Umfänge, vor allem
    • beim Übergang zum Juniorenbereich sowie dann noch einmal
    • beim Übergang in den Seniorenbereich

Die Trainerproblematik ist auch in den USA präsent

Im Report wird außerdem die Trainerrolle beleuchtet. Probleme der finanziellen Unterstützung und Förderung werden thematisiert.

Zusammenfassende Empfehlungen der Verfasser:

  • Das Olympische Komitee der USA (USOC) sollte eine führende Rolle in der Ausgestaltung der Beziehungen zwischen den kommunalen und regionalen Partnern, den Clubs, dem Schulwesen und dem College - System, sowie den NGB´s (National Governing Bodies) ausüben, um ein geschlossenes System für die Entwicklung der Athleten sicherzustellen.

  • Um den NGB´s effektive Wege in der Talentsuche und –förderung aufzeigen zu können, wird vorgeschlagen, dass das USOC einen „Talent-Gipfel“ für die NGB-Trainer und NGB-Direktoren einberuft, um die besten Erfahrungen, Lösungen und Programme im Rahmen der Talentsichtung und –förderung auszutauschen und nutzbar machen zu können.

  • Der besondere Nutzen eines vielseitig ausgerichteten Nachwuchstrainings („multi-lateral development“) für das Erreichen internationaler Spitzenleistungen muss in besonderer Weise herausgearbeitet und propagiert werden.

  • Die verschiedenen Trainerausbildungen und –zertifikate sollte das USOC bewerten und ein spezielles Siegel vergeben, um Aus- und Fortbildungsprogramme zu propagieren, die mit den verfolgten Intentionen in der Talententwicklung bis hin zur Spitze übereinstimmen.

  • Der Schulsport muss vor dem Hintergrund zurückgehender sportlicher Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler in der zurückliegenden Dekade ganz speziell beachtet und gefördert werden.

  • Die finanzielle Sicherstellung des Programms ist mit Blick auf herausgearbeitete negative oder begrenzende Faktoren kritisch zu analysieren.

Nicht beschrieben werden die Schwierigkeiten, eben Einzelnes zum Ganzen zusammenzuführen. Das macht aber gar nichts, denn der Leser kann sich durch den Bericht in seinen Auffassungen von der doch zweifellos sehr erfolgreichen Leistungssportnation USA bestätigt fühlen – vorausgesetzt, er / sie sieht die wechselseitigen Zusammenhänge und Abhängigkeiten im System Leistungssport.

Foto: Monique Henderson (Kiefner-Foto)