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Neuerscheinung – Trainingskonzepte


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Kids for Olympia

Die Unterschiede im Leistungstraining von Mädchen und Jungen mehr beachten

Probleme ansprechen, Tabus brechen, aber sensibel damit umgehen
*Auszug / Zusammenfassung aus einer Examensarbeit am Institut für Sportwissenschaft der Uni Karlsruhe

21. Mai 2009 (© Cornelia Moll*) - Zwischen dem Leistungssport von Jungen und Mädchen, Männern und Frauen gibt es Unterschiede. Diese einfach zu übersehen wäre fatal. Genauso falsch wäre es, in jedem Training darauf hinzuweisen. Wenn es die Situation erfordert, sollte man die Probleme ansprechen. Tabus müssen gebrochen werden, man darf aber nicht unsensibel damit umgehen. Deshalb soll nachfolgend auf einige Aspekte des Leistungssports mit Mädchen bzw. Frauen aufmerksam gemacht werden.

Frühe Pubertät heißt nicht abwarten bis die Stagnation vorbei ist

Eine Besonderheit bei den Mädchen ist die frühe Pubertät und eine auch damit verbundene frühe Stagnation der Leistung (Israel & Buhl 1980, Joch 2001, Hirtz 2002). Dennoch sind die Erwartungen, die namentlich von Trainern an die Leistungsentwicklung von Athleten geknüpft werden, auf eine stetige Leistungsprogression gerichtet. Das führt zwangsläufig auch zu Fehleinschätzungen und Irritationen.

Man darf nicht abwarten bis die Stagnation vorbei ist. Wichtig ist eine Änderung der Belastung, der Trainingsmittel, der Trainingsintensität und der Trainingsmethoden.

Kontinuität und Regelmäßigkeit von Trainingsinterventionen sind für Mädchen bedeutsamer als für Jungs, da die entwicklungsbedingte Leistungsprogression früher abflacht und sogar regressiv verlaufen kann (Joch 2001).

Leistungsfortschritte, die bei den Jungen noch bis zum 18./19.Lebensjahr entwicklungsbedingt sind, basieren bei den Mädchen schon etwa zwei bis drei Jahre früher auf der Trainingsarbeit.

Vorteil Mädchen: Koordination – Vorteil Jungen: Beckenbodenmuskulatur

Einen kleinen Unterschied zum Vorteil der Mädchen findet man im Bereich der Koordination (Joch 2001, Israel & Buhl 1980). Einen großen prozentualen Leistungsunterschied (bis zu 17,4 %) dagegen zum Nachteil der Mädchen in den Explosivkraftdisziplinen Sprung und Wurf. Sprint und Marathon weisen mit 7-8 % weniger große Unterschiede auf (Issurin & Lustig, 2006). Physiologisch gesehen besitzen Frauen die gleiche muskuläre Qualität, die Männer haben Vorteile bei den anthropometrischen Faktoren. Meines Erachtens liegt der anthropometrische Vorteil vor allem im Bau des Beckens und der Beckenbodenmuskeln, welche beim Mann viel kräftiger sind. Auch der höhere Testosteronspiegel, der einen Aufbau einer größeren Muskelmasse ermöglicht, trägt zu diesen Unterschieden bei.

Dadurch haben Frauen bei körperlich hohen Belastungen oft Schwierigkeiten die nötige Spannung im Beckenboden zu halten (Häfelinger 1999). Dabei ist diese Spannung für alle Disziplinen der Leichtathletik sehr wichtig; der Körper prellt viel besser, wenn der Beckenboden das Gewicht der inneren Organe halten kann. Auch Schritte und Sprünge sind dadurch viel explosiver möglich. Deshalb sollte die Aufarbeitung solcher Defizite für Mädchen und Frauen eine Schwerpunktaufgabe sein.

Tabuthema Harninkontinenz

In diesem Zusammenhang steht das Tabuthema Harninkontinenz (Häfelinger 1999). Obwohl auch viele junge Frauen beim Sport solche Probleme haben, wird meist nicht darüber geredet. Besonders Sprünge mit hoher Intensität – wie Einbein- oder Hürdensprünge – provozieren den unwillkürlichen Harndrang. Deshalb ist es wichtig, möglichst früh und ungezwungen das Thema im Training anzusprechen, ohne dabei den Athleten zu nahe zu treten.

Bewusstsein für den eigenen Beckenboden bedeutet auch ein Stück mehr Körperwahrnehmung zu besitzen. Diese Wahrnehmungsfähigkeit im Leistungssport, was vermutlich erst ab einem gewissen Alter oder einer gewissen Reife möglich ist, bedeutet einen großen Vorteil. Es kommt auf das Gespür des Trainers an, ab wann, in welcher Situation und in welcher Gruppenzusammensetzung dieses Thema angesprochen werden kann.

Wenn man beim körperlichen Training von Rumpfstabilisation spricht, spielt dabei vor allem die Stabilisation und Balance des Beckens eine entscheidende Rolle. Denn außer den Bauch- und Gesäßmuskeln sind die gut funktionierenden Beckenbodenmuskeln eine wichtige Voraussetzung für eine gute Haltung (Häfelinger 1999)

Zudem ist für das Laufen mit einer hohen Hüfte ein stabiler Beckenboden unabdingbar. Viele Athletinnen haben von Natur aus eine gute Beckenbodenspannung, aber auch sie und vor allem Athletinnen mit einem schwachen Beckenboden, können durch ein gezieltes Training größere Leistungsfortschritte erreichen. Spürbar wird es, wenn die Beckenbodenmuskulatur aktiviert wird und sich dabei die Wirbelsäule streckt. Das bedeutet zugleich, dass ein starker Beckenboden auch den Rücken vor großen Stoßbelastungen schützt.

Eine gezielte und bewusste Kräftigung des Beckenbodens ist erst ab einer gewissen Reife möglich, die vermutlich ab der Mitte oder gegen Ende der Adoleszens erreicht wird.

Menstruationszyklus, Pille und Leistungssport

Um den Menstruationszyklus zu stabilisieren und die Menstruationsbeschwerden zu minimieren werden auch von vielen Sportlerinnen hormonhaltige orale Kontrazeptiva, umgangssprachlich „Pillen“, eingenommen (Breckwoldt & Keck 2001).

Die Pille mit Progesteron wirkt dem im Körper einer Frau natürlich vorhandenen Testosteron entgegen und damit auch der natürlichen anabolen Funktion des Hormons, welches im sportlichen Leistungstraining ausgenutzt wird.

Nachteile sind auch die zahlreichen Nebenwirkungen (Bluthochdruck, Zwischenblutungen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Gewichtszunahme, erhöhtes Thromboserisiko usw.) Außerdem besteht die Hypothese, dass die Hormone der Pille das Wachstum verlangsamen und die Mädchen ihre mögliche Körpergröße nicht erreichen.

Ohne die Pilleneinnahme schwankt die Leistungsfähigkeit im natürlichen Zyklus in regelmäßigen Abständen. In einer Publikation von Reis 1996 wurde beschrieben, dass eine Dosierung des Trainings in Anpassung an den Zyklus zu einer höheren Leistungssteigerung führt. In der Phase vor dem Eisprung (ca. Tag 1 – 14 der Periode) gibt es bei höher dosiertem Training höhere Leistungszuwächse als in der Phase nach dem Eisprung (ca. Tag 14 – 28 der Periode), in der eine vermehrte Regeneration angezeigt ist. Anabole Prozesse wirken in der ersten Zyklusphase durch Östrogen. Das Progesteron der zweiten Phase wirkt antagonistisch.

Foto: „Unsere Autorin Cornelia Moll“


* Cornelia Moll (1982) studierte nach dem Abitur (Note 1,2) an der Universität Karlsruhe Sportpädagogik, Biologie und Germanistik. Sie spielte viele Jahre Basketball in der Oberliga und betrieb ab dem 16.Lebensjahr außerdem leistungsorientiert Leichtathletik (Sprint). Bei den Deutschen Hallenmeisterschaften 2009 belegte sie über 400 m (54,23) den vierten Platz. 2008 schloss sie eine B-Trainerausbildung in der Leichtathletik erfolgreich ab. Ihre wissenschaftliche Examensarbeit (2008) für das Lehramt an Gymnasien, aus der unser Auszug stammt, beschäftigt sich mit der „Talentförderung in der Leichtathletik“