Der Wert vorolympischer Leistungen für die Medaillenvergabe nach VL, SF, F
Eine Peking – Olympia - Analyse für den Bereich Lauf / Gehen
17. Dezember 2008 (© Lothar Pöhlitz) - In 15 Disziplinen des Bereichs Lauf / Gehen haben 45 Medaillengewinner bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking 23 x bessere Leistungen
( > ), 5x in etwa gleiche Leistungen ( = ) und 17 x schlechtere Leistungen ( < ) als vor Olympia erzielt. Im Gegensatz zu den Erwartungen und den Voraussagen von „Experten“ waren die Sieger-Leistungen in den Langzeitausdauerdisziplinen Marathonlauf und Gehen unter dem Gesichtpunkt das es um den Olympiasieg ging, außerordentlich gut (Marathon : 2:06:32 - 2:26:44 / Gehen : 1:19:01 – 1:26:31 – 3:37:09). Auch im 10000 m Lauf widerlegte die Tatsache, dass die Medaillen im Bereich von 27:01 – 27:04 weggingen und die Frauen den besten 10000 m Lauf der Geschichte mit 2 Leistungen unter 30 Minuten (29:54,66) „ablieferten“, die über Wochen vor Olympischen Spielen gebotene „Schwarzmalerei und Geisterbeschwörung“ in den Medien, das die zu erwartenden klimatischen und auch Umweltbedingungen keine besonderen Leistungen zuließen und außerdem noch gesundheitsgefährdend seien.
Für Trainer und Athleten der Langstreckendisziplinen ist deshalb für die zukünftige Planung anzumerken, dass – von Ausnahmen abgesehen – immer im August – wenn bisher in der Regel die Jahreshöhepunkte terminiert wurden – mit „warmen“ Wetter und auch mit „Hitze“ zu rechnen ist. So wie z.B. bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles, als Charlotte Teske im ersten Marathon für Frauen in der Geschichte der Spiele, bei zeitweise um die 38 Grad C in 2:35 im Marathonlauf 16. wurde. Trotzdem hatte man in der Olympiavorbereitung 2008 das Gefühl, dass aller 4 Jahre neue Überlegungen zur Vorbereitung auf Wärme, Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit angestellt werden müssen und Erfahrungen aus der Vergangenheit zu wenig genutzt, bzw. sogar negiert werden.
Hitze, Smog, Tod und Gasmasken
In der DLV-Bilddokumentation „Leichtathletik – Olympische Spiele 1984“ – S. 109 schrieb Robert Hartmann: „Die heftigen Diskussionen über Hitze, Smog, Tod und Gasmasken prallten von der kleinen, nur 1,60 m großen Frau ab“ (gemeint war Joan Benoit – USA - die im Marathonlauf bereits nach 4 km die Flucht nach vorn antrat, allein gegen das marathonfeindliche Klima – im Verlaufe des Rennens stieg die Temperatur von ~ 28 auf bis zu 38 Grad C - kämpfte und in 2:24:52 knapp 1 ½ Minuten vor Grete Waitz siegte) Sie war top vorbereitet und wollte den Sieg von Anfang an ! Übrigens wurde in diesem DLV - Buch in einem 2 - seitigen Bericht zum Frauen - Marathon Charlotte Teske, die 16. wurde, nicht erwähnt. Offensichtlich war ihre Leistung damals nicht besonders erwähnenswert, weil nicht besonders gut. Außerdem spielte sich damals das Drama um Gabriele Andersen-Schieß (CH) ab, die nach völliger Dehydrierung – kurz vor dem Ziel in „windschiefer Erstarrung“ verharrte und ihre Fotos anschließend um die ganze Welt gingen.
Da waren in Peking offensichtlich marathonfreundlichere Bedingungen im Vergleich zu damals in Los Angeles, ohne „Hitze, Smog, Tod und Gasmasken“. Wie schnell man doch vergisst.
Die Mittelstreckenmedaillen hingen sehr hoch
Um eine Medaille über 800 m zu gewinnen, waren schon in den Semi-Finals 1:44,…. bei den Männern und 1:58… bei den Frauen erforderlich. In den Finals sahen wir zwei völlig unterschiedliche Rennen. Während die Frauen sozusagen offensiv, von vorn in 55,41 bei 400 m und 1:24,03 bei 600 m (die schnellste bisher bekannte Durchgangszeit) durchgingen, blieben für die letzten 200 m dann sehr schwere 30,84 s bis ins Ziel. Die Männer dagegen blieben unentschlossen, passierten bei 53,35 s die 400 m und 1:19,17 die 600 m „im Pulk“, kein Wunder das die ersten 5 innerhalb von 30 Hundertstel ins Ziel kamen. Da musste man für die letzten 200 m 25,48 können, um zu siegen. Geheimfavorit Juriy Borzakowskiy war im Semi-Finale in einem für ihn typischen Rennen „von hinten“ mit 1:46,53 gegen Bungei und Lopez hängen geblieben. Ob er in 4 Jahren einen erneuten Anlauf auf den Olympiasieg nimmt, bleibt abzuwarten.
Von den 1500 m der Männer kommt ein außergewöhnliches Signal. Der Sieger Rashid Ramzi (BRN) hatte vor Olympia nur eine sehr gute 13:10,73 über 5000 m stehen. Soweit bekannt kam er ohne eine 1500 m im Vorfeld von Olympia nach Peking. Er hatte das Glück des Tüchtigen, weil das Rennen nicht zu schnell, nicht im Weltrekordbereich gestaltet wurde: 56,48 – 1:56,06 – 2:53,67 waren die Zwischenzeiten – dann kam eine 39,27 weil die letzten 300 m ein Steigerungslauf der Weltbesten bis ins Ziel war. Dort hatte er offensichtlich das höchste aerob-anaerobe Niveau. Mit Bernard Lagat war ein Favorit schon im Semi-Finale als 6. gescheitert.
4:00,23 reichte Nancy Lagat (KEN) zum Sieg, mit ihr hatte man wohl eher nicht gerechnet. Nach 65,90 – 2:13,70 – 3:16,41 siegte sie in persönlicher Bestzeit, 43,82 sec brauchte sie für die letzten 300 m. Ein eher nicht so aufregendes Rennen, bei dem abermals die Russen die großen Verlierer, zwei Ukrainerinnen die überraschenden Medaillengewinnerinnen waren.
In den Langstrecken muss man zum Schluß schnelle 400 – 600 m können
Die Langstrecken 5000 m und 10000 m wurden von Kenensina Bekele und Tirunesh Dibaba beherrscht. Da gab es keine Zweifel. Mit dem wohl beeindruckensten 10000 m – Rennen der Geschichte demonstrierten die Frauen einen großen Schritt vorwärts im Langstreckenlauf. Noch die 8. erreichte 30:40 – die 20. 32:00,37 Minuten! Die letzten 1000 m wurden in 2:48,66, die letzten 400 m in 60,39 Sek. bei den Frauen und in 53,7 bei den Männern zurückgelegt.
Die Siegerleistungen in den Langzeitausdauerdisziplinen Marathon und Gehen machen deutlich, dass auch bei schwierigen klimatischen Bedingungen Spitzenleistungen für den Sieg möglich, aber auch erforderlich sind. Die zu erwartende weitere Leistungsverdichtung lässt auch für Olympia 2012 in London eine weitere Leistungsverdichtung im Kampf um die Medaillen erwarten.
Medaillen - Platzierung im Mittel - und Langstreckenlauf /Gehen bei den OS 2008
Ein Vergleich zu den vorolympischen Leistungen
* nach Weltbestenliste in leichtathletik 33/34 – 2008
** Bewertung der Leistung : > besser - = gleich - < schlechter im Vgl. zur Vorleistung
*** persönliche Bestleistung (2008 kein Wettkampfnachweis über diese Strecke)
| Leistung bei Olympia | ![]() |
Leistung* vor Olympia |
Bewertung** > = < |
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|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 800 m Männer | ||||||||
| Welt-Rekord: 1:41,11 – Deutscher Rekord: 1:43,65 | ||||||||
| 1. G Wilfried Bungei | KEN | 1:44,65 | SF | 1:46,23 | VL | 1:44,90 | 1:45,08 | > |
| 2. S Achmed Ismail | SUD | 1:44,70 | 1:44,91 | 1:45,87 | 1:44,34 | < | ||
| 3. B Alfred K. Yego | KEN | 1:44,82 | 1:44,73 | 1:46,04 | 1:44,01 | < | ||
| 800 m Frauen | ||||||||
| WR: 1:53,28 – DR: 1:55,26 | ||||||||
| 1. G Pamela Jelimo | KEN | 1:54,87 | SF | 1:57,31 | VL | 2:03,18 | 1:54,97 | > |
| 2. S Janeth Jepkosgei | KEN | 1:56,07 | 1:57,28 | 1:59,72 | 1:58,52 | > | ||
| 3. B Hasna Benhassi | MAR | 1:56,73 | 1:58,03 | 2:00,51 | 1:58,54 | > | ||
| 1500 m Männer | ||||||||
| WR: 3:26,00 – DR: 3:31,58 | ||||||||
| 1. G Rashid Ramzi | BRN | 3:32,94 | SF | 3:37,11 | VL | 3:32,89 | 13:10,73 ! | > |
| 2. S Asbel K. Kiprop | KEN | 3:33,11 | 3:37,04 | 3:41,28 | 3:31,64 | < | ||
| 3. B Nicholas Willis | NZL | 3:34,16 | 3:37,54 | 3:36,01 | 3:33,51 | > | ||
| 1500 m Frauen | ||||||||
| WR: 3:50,46 – DR: 3:57,71 | ||||||||
| 1. G Nancy J. Lagat | KEN | 4:00,23 | VL | 4:03,02 | 4:03,80 | > | ||
| 2. S Irina Lishchynska | UKR | 4:01,63 | 4:13,60 | 4:01,61 | = | |||
| 3. B Nataliya Tobias | UKR | 4:01,78 | 4:03,19 | 4:05,53 | > | |||
| 5000 m Männer | ||||||||
| WR: 12:37,35 – DR: 12:54,70 | ||||||||
| 1. G Kenenisa Bekele | ETH | 12:57,82 | VL | 13:40,13 | 12:58,94 | > | ||
| 2. S Eliud Kipchoge | KEN | 13:02,80 | 13:37,50 | 13:02,06 | = | |||
| 3. B Edwin C. Soi | KEN | 13:06,22 | 13:46,41 | 13:13,53 | > | |||
| 5000 m Frauen | ||||||||
| WR: 14:11,15 – DR: 14:42,03 | ||||||||
| 1. G Tirunesh Dibaba | ETH | 15:41,40 | VL | 15:09,89 | 14:11,15 | < | ||
| 2. S E. Abeylegesse | TUR | 15:42,74 | 14:58,79 | 15:26,33 | > | |||
| 3. B Meseret Defar | ETH | 15:44,12 | 14:56,32 | 14:12,88 | < | |||
| 3000 m Hindernis Männer | ||||||||
| WR: 7:53,63 – DR: 8:09,48 | ||||||||
| 1. G Brimin K. Kipruto | KEN | 8:10,34 | VL | 8:23,53 | 8:13,60 | > | ||
| 2. S Mekhisi Benabbad | FRA | 8:10,49 | 8:16,95 | 8:17,22 | > | |||
| 3. B Richard Matelong | KEN | 8:11,01 | 8:19,87 | 8:07,64 | < | |||
| 3000 m Hindernis Frauen | ||||||||
| WR: 8:58,81 – DR: 9:29,86 | ||||||||
| 1. G Samitova-Galkina | RUS | 8:58,81 | VL | 9:15,17 | 9:08,22 | > | ||
| 2. S Eunice Jepkorir | KEN | 9:07,41 | 9:21,31 | 9:11,18 | > | |||
| 3. B Yekater. Volkova | RUS | 9:07,64 | 9:23,06 | 9:18,24 | > | |||
| 10000 m Männer | ||||||||
| WR: 26:17,53 – DR: 27:21,53 | ||||||||
| 1. G Kenenisa Bekele | ETH | 27:01,17 | 26:25,97 | < | ||||
| 2. S Sileshi Sihine | ETH | 27:02,77 | 26:50,53 | < | ||||
| 3. B Micah Kogo | KEN | 27:04,11 | 28:08,92 | > | ||||
| 10000 m Frauen | ||||||||
| WR: 29:31,78 - DR: 31:03,62 | ||||||||
| 1. G Tirunesh Dibaba | ETH | 29:54,66 | 31:03,37 | > | ||||
| 2. S E.Abeylegesse | TUR | 29:56,34 | 31:36,33 | > | ||||
| 3. B Shalane Flanagan | USA | 30:22,22 | 30:34,49 | > | ||||
| Marathonlauf Männer | ||||||||
| WR: 2:04:26 – DR: 2:08:47 | ||||||||
| 1. G Samuel K. Wanjiru | KEN | 2:06:32 | 2:05:24 | < | ||||
| 2. S Jaouad Gharib | MAR | 2:07:16 | 2:07:02*** | = | ||||
| 3. B Tsegay Kebede | ETH | 2:10:00 | 2:06:40 | < | ||||
| Marathonlauf Frauen | ||||||||
| WR: 2:15:25 – DR: 2:24:14 | ||||||||
| 1. G Const. Tomescu | RUM | 2:26:44 | 2:21:30 | < | ||||
| 2. S Cather. Ndereba | KEN | 2:27:06 | 2:18:47*** | < | ||||
| 3. B Chunxiu Zhou | CHN | 2:27:07 | 2:19:51*** | < | ||||
| 20 km Gehen Männer | ||||||||
| WR: 1:16:43 – DR: 1:18:42 | ||||||||
| 1. G Valerie Borchin | RUS | 1:19:01 | 1:17:55 | < | ||||
| 2. S Jeff Pérez | ECU | 1:19:15 | 1:20:31 | > | ||||
| 3. B Jered Tallent | AUS | 1:19:42 | 1:19:41 | = | ||||
| 20 km Gehen Frauen | ||||||||
| WR: 1:25,41 – DR: 1:27,56 | ||||||||
| 1. G Olga Kaniskina | RUS | 1:26:31 | 1:25:11 | < | ||||
| 2. S Kjersti Plätzer | NOR | 1:27:07 | 1:29:29 | > | ||||
| 3. B Elisa Rigaudo | ITA | 1:27:12 | 1:30:33 | > | ||||
| 50 km Gehen Männer | ||||||||
| WR: 3:34:14 – DR: 3:37:46 | ||||||||
| 1. G Alex Schwazer | ITA | 3:37:09 | 3:37:04 | = | ||||
| 2. S Jared Tallent | AUS | 3:39:27 | 1:19:41 | > | ||||
| 3. B D.Nizhegorodov | RUS | 3:40:14 | 3:34:14 | < | ||||
Foto: Gehen Alex Schwazer ITA
© Lothar Pöhlitz




