Olympianachlese - man kann doch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen
Versuch einer Nachbetrachtung auf der Grundlage der Medienberichterstattung bei und nach den Olympischen Spielen in Peking - entsprechend unserem Motto „Es gibt keine Denkverbote“ –.Olympia lehrt: unsere Trainingsbelastung reicht nicht zur Konkurrenzfähigkeit
02. Oktober 2008 (© Lothar Pöhlitz) - Zumindest für die Ausdauerdisziplinen in der Leichtathletik gilt, wie auch für das deutsche Schwimmen und Rudern analysiert wurde, unsere Trainingsbelastung reicht nicht zur internationalen Konkurrenzfähigkeit. Selbst Schwimmtrainer Embacher, dessen Schützling Paul Biedermann 5. über 200 Freistil in deutscher Rekordzeit wurde, analysierte nach Ende der Wettkämpfe: „die Härtesten sind wir wohl derzeit im Training nicht!“
Für bestimmte Leistungsbereiche, die zumindest zum Anschluss ans Weltniveau reichen, darf die Ausrede Doping nicht gelten. Wer bei Olympischen Spielen seine höchste persönliche Leistung im Bereich des Weltniveaus nicht erreicht und sie dort nicht abrufen kann ist nicht ausreichend gut vorbereitet. So einfach ist das. Bedingungen, die Konkurrenz und das zu erwartende Klima war im Vorfeld bekannt, dem Jammern im Vorfeld wurde vor Ort glücklicherweise die Basis und die Ausreden entzogen; es gab schon Olympische Spiele da waren die Bedingungen weit härter. Die Medaillengewinner haben sich im Gegensatz zu den Verlierern perfekt vorbereitet. Und die geringe Zahl der „Erwischten“ im Vergleich zur Zahl der Olympiateilnehmer ist absolut zu vernachlässigen, widerspiegelt aber zugleich die derzeitige Qualität der Dopinganalytik. Sie hatten im Vorfeld getönt bestimmt 40 – 50 Dopingsünder zu überführen, aber es hat sich gezeigt dass sie schlechter vorbereitet waren als die Sportler. Man wird aber auch das Gefühl nicht los, dass das IOC sie gar nicht erwischen will.
Olympiasieg im Triathlon durch Jan Frodeno – wir verneigen uns – eine Botschaft auch für die Ausdauerdisziplinen der Leichtathletik. Von 6 - 8 Stunden Training täglich hat er berichtet, kein Wunder also. 2007 war ja Unger schon Weltmeister. Emil Zatopek, sagte schon in den 50igern: „Langstreckentraining ist verdammt harte Arbeit“ und Frodeno sprach von bis zu 45 Stunden pro Woche, ohne Physiotherapie.
Und in den Interviews der Besten aus den verschiedensten Ländern wurde deutlich, dass wir derzeit in vielen Sportarten, in den Anstrengungen in Richtung Hochleistungssport im Vergleich zu den uns umgebenden europäischen Ländern nicht nur ein lahmes Bein haben. Großbritannien hat schon 4 Jahre vor den OS 2012 die Wende geschafft. Viele waren bei Olympia besser unterwegs als Germany. Wir haben den Anschluss verloren, kaum Talente und auch nicht die notwendigen Bedingungen für den Fulltime-Job des Hochleistungssportlers oder Trainers. Nur eine neue veränderte Mentalität „der Deutschen“ wieder zu mehr Härte in der Trainingsbelastung bringt uns wieder nach oben. Dafür werden aber auch die notwendigen Bedingungen gebraucht.
Will unsere Regierung Konkurrenzfähigkeit und Hochleistungssport?
Ob man sich zu einer Strukturreform im Schulsport durchringen kann?
Nicht nur geringe Zweifel sind angebracht. Eigentlich sind wir ein Hochleistungsland. Aber leider nur in einem Teil der Wirtschaft. Nicht in der Bildung, nicht an den Eliteschulen des Sports, nicht an den Universitäten und Hochschulen oder in der Ausbildung von Trainern, nicht im Schulsport und auch nicht in der Leichtathletik bei Olympischen Spielen. Da präsentieren sich in den Laufdisziplinen „die Armen“ und wir haben den Anschluß verloren. Wer in Peking aufmerksam hingesehen hat darf nicht übersehen, dass in den Ländern um uns herum in der Leichtathletik in den letzten Jahren zunehmend besser gearbeitet wurde, als bei uns. Erstaunlich Großbritannien und Belgien bei Olympia!
Wenn unser auch - Sportminister Schäuble kurz vor den Olympischen Spielen seine Erwartung für Peking formulierte und für die nach – Peking - Zeit Gesprächsbereitschaft und Hilfen signalisierte, hatte er sicher nicht bedacht, dass Hochleistungssport in anderen Ländern ein Fulltime - Job für Sportler und Trainer ist, in Deutschland aber mehr Hobby neben dem eigentlichen Gelderwerb. Das Interesse für eine deutsche Konkurrenzfähigkeit im Sport scheint ganz oben nicht besonders ausgeprägt, dies zeigten u.a. die Auftritte vom Sportbeauftragten der SPD Danckert, der sich vor allem dann im TV engagiert geäußert hat, wenn es um die Dopingproblematik ging, sich aber nie um die Probleme des Hochleistungssports, nicht um den Niedergang des Kinder- und Jugendsports oder auch nicht um die Misere des Schulsports und ihrer Lösung sorgte. Bei den Paralympics drängte er sich dafür immer gleich neben Bundespräsident Köhler ins Fernsehbild, zu sagen hatte er nichts. Da kommen sie aus den Löchern, wie die Roth und Bütikoffer von den Grünen, die wohl sonst mit Sport nichts am Hut haben und versuchen aus jeder Gelegenheit politisches Kapital zu schlagen, mit Vokabeln wie Menschenrechte, Tibet, Umweltschutz und Polizeistaat. Wo Politiker jahrelang nichts veränderten, sollten die Sportler nun die Kastanien für sie aus dem Feuer holen. Dabei negieren sie einfach was seit der Zeit der Kulturrevolution in China auch alles Positives passiert ist.
Man wird das Gefühl nicht los, dass z.B. der Schulsport als Diskussionsthema nicht erwünscht ist. Da geht es nicht in erster Linie um die Inhalte, die sind sicher da und dort gut. Der gesunde Geist im gesunden Körper ist für die Mehrzahl unserer Politiker und bei den Kulturministern scheinbar kein Thema. Sie brauchen doch selbst keine Angst zu haben, sie sollen ja gar nicht mitmachen. Den Weg aber raus aus der Katastrophe konzipieren und schnell einleiten ist die Aufgabe. Wirkung erzielt man nur durch mehr Sportstunden, mehr besser ausgebildete Sportlehrer und in dem man die vielen mittelalterlichen Sportstätten mal auf einen modernen Stand bringt. Auch zum Schulsport gehört Motivation. In Zukunft würde der Gesundheitsminister, der Staat bestimmt beträchtlich Geld sparen, mehr als investiert würde. Viele Kinder und ihre Eltern würden es ihnen danken und sie, wenn es bald und gut gemacht ist sicher auch wiederwählen. Aber so? Sie könnten sich ruhig einmal an Schulen und Universitäten in den USA umsehen, sie taugen nicht nur als Buhmann. Dort ist der tägliche Sportunterricht nichts Außergewöhnliches und die Anlagen z.T. Spitze.
Es dopen nur die „Bösen“, bei den Guten gibt es weniger Zweifel
Sportwissenschaftliche Institute sollten nicht drohen sondern den Athleten helfen
Jetzt hat endlich mal einer die Hosen richtig heruntergelassen. Angel „Memo“ Heredia, Dopingexperte, seit Jahren, nicht nur für die Leichtathleten in den USA, wurde vom FBI endlich gestellt. Von SPIEGEL ONLINE der staunenden Welt präsentiert, am 11. August 2008, mitten in der Weltrekordflut der Schwimmer bei den Olympischen Spielen. Vor und von Peking aus wurde noch das alte Feindbild „Ost“, der Bösen transportiert, Russland und China an der Spitze, zumindest kam es so über den Teich. Auch DLV-Präsident Prokop schiebt immer noch „den ehemaligen Ostblockstaaten die unter Generalverdacht stehen“ in seinem Interview in leichtathletik 33/34-2008 flächendeckendes Doping zu. Sogar den kleinen „aber auffällig athletischen China-Fußballerinnen“ traute man bei der Fußball-Fernsehübertragung nicht. Aber „King Kong Phelps“ und 9,69 s und 19,30 s Sprinter Bolt wurden von den Medien und Moderatoren ins rechte Bild gerückt, bejubelt, bewundert. Unbändige Kraft, Wahnsinnswillen, im Blindflug zum Weltrekord (die Brille war bei Phelps voll Wasser gelaufen), toll, unglaublich, verblüffend, fantastisch, „amazing“, von märchenhaften Steigerungen war die Rede. Weltrekorde im Dutzend, Jamaica „beherrschte“ die USA im Sprint und keiner wurde „erwischt“. Damit keine Missverständnisse entstehen: Es gibt keine leichtathletische Disziplin ohne Dopingwirkung! Es gibt wahrscheinlich keine olympische Sportart ohne Manipulationen!
„Die Antwort nach dem sauber ist eine Glaubensfrage, es gibt stichhaltige Gründe sie mit Nein zu beantworten, wer aber an die Verkettung vieler Superlative glaubt (mit denen er von den Medien umgeben wird), der mag sie mit Ja beantworten“ konnte man im Kölner Stadtanzeiger vom 14.8.2008 zur Problematik lesen.
Ich habe in vielen Jahren Arbeit im Hochleistungstraining noch nie eine derartig unglaubliche Erholungsfähigkeit gesehen, wie sie Phelps und Bolt und viele andere uns vorgeführt haben. Es wird für alle Zeit in den Generalverdacht Ost die USA, Afrika und nicht nur im Sprint auch die Karibik-Staaten einzubeziehen. Und eins soll an dieser Stelle noch angefügt werden, die DDR gehörte mit ihrem „oral-Turinabol“ im Vergleich zu den modernen Designerdrogen-Mixturen, wie sie „Memo“ Heredia beschrieb, zu den Doping-Anfängern.
Von damals ist aber auch eine sehr hohe Trainingskultur bekannt geworden, die erst die Erfolge ermöglichte. Dieser Teil der DDR – Ära, aber auch der aus den 70iger + 80iger Jahren aus der Bundesrepublik, sind uns leider inzwischen verloren gegangen.
Die Antwort zu den Peking-Leistungen finden wir bei „Memo“ Heredia:
„Bei härtestem Training, Talent und einem perfekten Team machen die Drogen den Unterschied, es ist alles eine große Komposition, eine Symphonie. Sie sorgen dafür dass du dich schnell erholst, die katabolen Phasen vermeiden kannst, es geht um die Erholungsphasen. Ich hatte 20 Drogen, die noch immer unauffindbar sind. Es sind im Prinzip alle Sportarten betroffen, auch Golf, Fußball und Bogenschützen. In Peking werden 8 Sprinter im 100 m Finale gedopt sein, nicht mal einen sauberen Teilnehmer können sie erleben. Zwischen 10,0 und 9,7 Sekunden machen Drogen den Unterschied“. Ob er gelogen hat? In Peking war doch kein Sprinter positiv!
Schon vor etwa 20 Jahren hat mir einer der besten Frauen-Sprinttrainer der Welt glaubhaft versichert, dass Frauen „naturell“ nicht unter 11,0 sec. laufen können.
m Peking-Finale lief Bolt mit 9,69 + 19,30 sec. Weltrekorde, die ersten 50 m über 100 m gab´s noch keine Unterschiede, aber dann... kann man diese Schnelligkeitsausdauer so trainieren? Was machte wirklich den Unterschied bei 8 Läufern die alle unter 10 Sec. laufen können ? Ob sie im Nachhinein auch das Schicksal einiger ihrer Vorgänger ereilt ? Sie sitzen im Startblock, bekreuzigen sich, recken den Zeigefinger und den Blick zum Himmel und beten sicher: „hoffentlich werde ich nicht erwischt!“.
Ob man unter diesen Offenbarungen nicht endlich einmal dazu kommen sollte, nicht mehr den Amerikanern und den vielen unkontrollierten aus Afrika und Asien und ihren auch nicht immer ganz sauberen Managern die Bühne in Wettkampfserien in Deutschland und in Europa zu bieten und mit ihnen horrende Antritts- und Siegprämien zu verschwenden, sondern besser das Geld in den deutschen Leistungs- und Nachwuchssport zu stecken. Von den 3 Voraussetzungen (nach Heredia s.o.) für Spitzenleistungen könnten wir doch wenigstens mit Talenten und härtestem Training zwei davon ausschöpfen, dann brauchte unser Antidopingprogramm auch nicht mehr angezweifelt zu werden und wir könnten in der Welt Vorbild sein. Zurzeit freuen sich sehr viele in der Welt über Deutschlands Niedergang.
Warum gibt es keine Veröffentlichungen über Kontrollen und ihre Dichte in den ~200 Mitgliedsländern des IOC, über das wann und wo welcher Kontrollen ? Offenlegen ist die Aufgabe der Stunde.
Bei den gegenwärtigen Wissen um die Doping-Praktiken sind die erstaunlich geringen Doping-Nachweise in Peking der Beweis, dass die Doping-Analytik derzeit nicht auf der Höhe der Aufgaben ist. Sie wissen offensichtlich gar nicht wo und wonach sie alles suchen müssten.
Die im Olympiavorfeld gezielten Darstellungen zu demnächst zu erwartenden neuen Doping-Kontrollverfahren aus verschiedenen Sportwissenschaftlichen Instituten („wir arbeiten am Gen-Doping – brauchen aber mehr Geld“ – Peking wirft die Frage auf was sie in den vergangenen Jahren erforscht haben ?) sollten ergänzt oder in unserer derzeitigen Leistungssportsituation ersetzt werden durch neue Erkenntnisse zur Trainingsmethodik, zu modernen Methoden im Nachwuchstraining und neuen verbesserten Möglichkeiten zur Beschleunigung der Regeneration. Man wird das Gefühl nicht los, dass Deutschland allein für die Dopinganalytik in der Welt zuständig ist und für alle anderen das Geld mit ausgibt. Seit sich das Institut für angewandte Trainingswissenschaft Leipzig (IAT) mehr als angebracht in die Anonymität zurückgezogen hat, sind keine neuen Erkenntnisse, bzw. Forschungsergebnisse mehr zu trainingsmethodischen Fragestellungen im Sinne von Hilfen für den Spitzenbereich bekannt geworden.
Das Wissen um die Dopinganalytik bietet noch lange nicht die Garantie dass es auch in der Praxis eingesetzt wird. Vor und bei den Olympischen Spielen wurde dies immer wieder deutlich. Man wird dabei das Gefühl nicht los, dass das IOC in der Vergangenheit weltweit keine wirksamen Trainingskontrollen angestrebt bzw. sie organisiert hat
Die Einschätzung von Hanka Kupfernagel (deutsche Spitzenfahrerin im Radsport) zur Frage des Dopings bei der Radsportkonkurrenz in Deutschland soll noch angefügt werden, sie passt auch gut zur Situation in der Leichtathletik:
„Ich weiß dass die Kontrolldichte in Deutschland sehr dicht ist,
da kommt kein Hering durchs Netz. In anderen Ländern schwimmen
da richtige Walfische durch !“
Ist „Mentaltraining“ nur etwas für die Erfolgreichen
Das Wort der Stunde bei den Olympischen Spielen
Früher wurden die Psychologen gern versteckt, der Anteil am Erfolg „Außenstehender“ gern verschwiegen. Peking hat unterstrichen, dass es da in den letzten Jahren weitere Veränderungen gegeben hat. Die Danksagung an die Psychologen war in den Nachwettkampf-Interviews auffällig, so deutlich neu, aber nur für die Erfolgreichen. Die vielen Verlierer dagegen redeten in der Regel über ihre „Helfer im Hintergrund“ besser nicht, sie nahmen es auf ihre Kappe und „schämten“ sich still vor sich hin. Wenn sie alles gegeben haben gibt es dafür auch keinen Grund. Es hilft nur eins: gründlich analysieren und auf höherem Niveau weitermachen.
Vielleicht trifft auch zu, was einer der erfolglosen Schwimmer beobachtete: „Wenn man die anderen trainieren sieht hat man das Gefühl das wir im Training der 80iger Jahre hängen geblieben sind“. Für die deutschen Läufer jedenfalls gilt das nicht, vielmehr wurde damals mehr investiert, besser, härter und „gemeinsamer“ trainiert als derzeit. Patriz Ilg, der 1983 neben 800 m Weltmeister Willi Wülbeck Weltmeister über 3000 m Hindernis wurde (wo gleichzeitig Brigitte Kraus in 8:35,11 den Weltmeistertitel über 3000 m nur knapp verpasste) äußerte sich in FAZ.NET vom 14.8.2008 zur Problematik : „Das Laufen war mal ein Domäne Deutschlands. Wir haben uns gegenseitig richtig hochgepusht, ich bin um den Sieg gerannt. Wir sollten uns erste einmal wieder an Europa orientieren. Das in Deutschland nicht mehr gerannt wird ist ein Kulturverlust. Dagegen müsste auch im Schulsport viel mehr gegengesteuert werden“
Auch Peter-Michael Kolbe, ehemals Erfolgreicher des Rudersports, führt den Leistungsrückgang im Rudern zuerst auf das mangelhafte Training und zu geringe Wettkampftätigkeit zurück und spricht nicht vom Versagen des Kopfes: „Die Deutschen trainieren zu wenig, die Neuseeländer z.B. fahren pro Trainingstag 2 x 25 km“. Der Kopf kommt also erst ins Spiel wenn die notwendige „Basisarbeit, sprich Training“ gemacht wurde.
Die leider zu vielen „Erfolglosen“ sollten aber alle, auch die Psychologen, die notwendigen Partner im Hochleistungstraining, zu Überlegungen und Konsequenzen anregen, schließlich waren sie auch an den Niederlagen beteiligt. Vielleicht zu defensiv, die erhoffte mentale Stärke nicht vermitteln können, das Selbstvertrauen nicht „eingeimpft“. Nein, dies ist keine Schuldzuweisung, zuerst müssen Athleten und Trainer die Ursachen in ihrer Arbeit, im Training suchen. Und im neuen Olympiazyklus könnten Reserven erschlossen werden, wenn sich auch die Trainer rechtzeitig Rat und Ideen bei ihrem „Psycho“ holen, auch weil das Wort Mentaltraining in Peking wieder einmal unterstrichen hat, dass es „Erfolge ohne Kopf“ bei solchen Höhepunkten wie EM, WM oder OS nicht gibt. Aber auch Veränderungen im Kopf sind nur in einem langfristigen Prozess zu erarbeiten und sind immer an außergewöhnliche „Erfolge im Training oder in vorbereitenden Wettkämpfen“ gebunden. Wenige Wochen vor dem Höhepunkt kann im Prinzip auch der Psychologe nicht mehr helfen. Franziska von Almsick und Britta Steffen haben sehr offen berichtet dass sie über Jahre von ihrer „gemeinsamen Psychologin“ sehr intensiv begleitet wurden. Das Projekt 2008 Britta Steffen begann vor 4 Jahren und brachte nach 2 Jahren erste spürbare Erfolge. „Sensibelchen“ muss nicht das Prädikat für immer sein, Britta hat es bewiesen.
Wählen Sie also gut aus, Peking lehrt auch Psychologen können erfolgreich oder auch erfolglos sein.
Fazit: Der Kopf führt den Körper nur zu Siegen wenn man auf die Konkurrenz top und komplex vorbereitet ist. Aber die Mär, die man von den Reportern nicht selten gehört hat „der hat keine Nerven“ sollte man nicht so ernst nehmen. Sie können ja nicht alles wissen. Alle haben Nerven und die Besten können sie offensichtlich sogar programmieren und zu Erfolgen nutzen.
Sie muss da wohl „die Olympia-Aufgabe“ falsch verstanden haben
Viele waren wahnsinnig enttäuscht, wenn sie die Olympiaaufgabe „Finalplatzierung“ nicht realisieren konnten, in Vorkämpfen ausgeschieden sind oder die Besten die Olympiamedaille gerade verpasst hatten. Die Melanie (Kraus) aus Leverkusen muß da wohl etwas falsch verstanden haben mit der Olympiateilnahme. Sie „flog als 38. des Marathonlaufs ins Ziel“, hat nicht an die Enttäuschung gedacht, die sie möglicherweise mit dieser im Vergleich zu anderen Disziplinen „Vorlaufplatzierung“ den Freunden und Bekannten zu Hause gerade bereitet hatte. Sie hat berichtet, dass die Stimmung an der Strecke gut war, die Bedingungen weniger schwer als in Osaka 2007 und sie mit ihrem Trainer Paul Heinz Wellmann das defensive Anlaufen bis Kilometer 25 abgesprochen hatte. Ja und dann ? Trainer Wellmann hat mit Sonja Oberem schon bessere Tage an den Marathonstrecken der Welt erlebt, wir haben oft gemeinsam um jede ihrer Platzierung weiter vorn in der Spitze mitgefiebert und Sonja war im Ziel nie in der Lage die besten Grüße von einem schönen Erlebnis „Marathon“ nach Hause zu schicken. Sie hat immer alles gegeben und war nie nur mit der Teilnahme zufrieden. Da liegen wohl die Unterschiede. Kann man denn zu Olympischen Spielen fahren um dort einfach nur Spaß zu haben? So hat sich dies bestimmt der DLV und DOSB bei ihrer Nominierung nicht gedacht.
"Die Bedingungen waren nicht so schwer wie im letzten Jahr bei der WM in Osaka“ Sie wusste, dass zuhause viele Freunde und Bekannte vor dem Fernseher mitfieberten. "Deshalb wollte ich ins Vogelnest einfliegen. Meine Fluggeste war ein Gruß nach Hause. Die Stimmung an der Strecke war ähnlich wie in Osaka. Es hat sich gut angehört, auch wenn ich nichts verstanden habe" (gefunden bei leichtathletik.de 17.8.2008)
Die Briten mit vielen Paukenschlägen vom Tief in Atlanta erholt
Ein Gegenschlag ist auch aus Australien zu erwarten
Wer geglaubt hatte, dass für die Engländer die Vorbereitung auf Olympia 2012 zu Hause erst nach Peking beginnt, ist sicher schon einmal gewaltig erschrocken. Diese Rehabilitation nach dem Tief in Atlanta, als GBR gerade mal eine Goldmedaille gewann, hatten wohl die Wenigsten erwartet. Sie haben jetzt schon Flügel bekommen, sich eigentlich erst für 2012 einen 4.Platz in der Nationenwertung vorgenommen. Jetzt haben sie 19x Gold, 13x Silber und 15x Bronze. Der „Rekord“ stammte aus dem Jahre 1920 mit 15 Goldenen. Man konnte beobachten: sie haben richtig Spaß gehabt. Da ist ein Schub für alle Sportarten in Richtung „Heimspiel“ zu erwarten, zumal noch nicht einmal alle Träume in Peking aufgegangen sind. Denken wir nur an Paula Radcliffe.
Sebastian Coe – früherer Weltklasse-Mittelstreckler, heute Londoner OK-Chef formulierte die Aufgabe so: „Das Großbritannien 2012 gut abschneidet ist ausschlaggebend“. Seit 1997 fließen schon die Gelder aus einer nationalen Lotterie für die Sportnation. Dazu kommen die vom nationalen Sportbund und die von den Sponsoren, die sicher nach den Erfolgen von Peking noch weiter aufgestockt werden.
Sie wollen den Fokus nicht darauf legen die Chinesen in der Präsentation der Sportstätten oder in einer „Organisation - noch perfekter“ zu übertreffen, vielmehr wieder das Normalmaß erreichen. Im Mittelpunkt sollen in 4 Jahren die britischen Sportler stehen. Man liest : Sie werden mehr in die Athletenförderung investieren und neue Leistungsstützpunkte schaffen. Die Konzentration der Mittel ist auf die besten Athleten und Leistungen gerichtet, statt auf die Förderung der Masse. Professionelle Förderung für professionelles Training ist schon seit längerem Programm, man hat´s gespürt.
Das ist mit unseren „kleinen Sporthilfe-Summen“ nicht zu machen, damit ist kein professionelles Training für Läufer und Geher möglich. Allein aus der Lotterie erhalten die die Besten in England jährlich um die 15000 €, weil bei einem Hochleistungstraining nebenbei nicht noch gearbeitet werden kann.
Und Deutschland kann sich schon einmal warm anziehen, vor allem wenn nicht endlich der Finanztopf für das Hochleistungstraining kräftig aufgefüllt und die Organisationsstruktur auf das erforderliche Niveau gebracht wird. Auch im DOSB könnte ein frischer Wind in dieser Richtung nicht schaden. Raus aus den Büros, die Arbeit der Olympiastützpunkte und Eliteschulen des Sports überprüfen und neu beleben, bei den Verbänden oder Bundesleistungsstützpunkten nachfragen wo der Schuh drückt oder auch die Trainer fragen, warum sie nicht zweimal täglich trainieren. Auch mehr Geld führt nicht zu mehr Bewegung von Funktionären, vielleicht muß man auch einmal ihrer Motivation auf die Sprünge helfen. Der bisherige Verteilerschlüssel nach dem Prinzip „wer nichts geleistet hat bekommt auch nichts“ ist ihnen in Peking zumindest was das Schwimmen und die Leichtathletik betrifft schon einmal kräftig auf die Füße gefallen. Nun gilt es auch hier: überarbeiten, verändern, umsetzen, kontrollieren, auch unter dem Gesichtspunkt dass wir in den medaillenintensiven Sportarten wie Schwimmen und Leichtathletik schon von der Konkurrenz überrollt wurden.
Es reicht nicht auf das von England investierte Geld zu verweisen, es wäre besser sich das britische Leistungs-Stützpunktsystem zum Vorbild zu nehmen. Keiner sollte mit den Fingern auf andere zeigen, sondern zuerst seinen eigenen Beitrag an dem Niedergang hinterfragen und schnell Konsequenzen ziehen.
Ergänzend wird in einem Bericht in der Welt am Sonntag vom 24.8.2008 berichtet, dass auch die Australier einen weiteren Gegenschlag konzipiert haben. „Sie richten in Gavirate, am Fuße der italienischen Alpen für ihre Athleten ein Ausbildungscamp in der richtigen Zeitzone ein: für 10 Millionen € entstehen Schwimmbäder, Ruderkurs, Basketballanlagen und Fußballplätze“. Sicher geht es dabei auch um Höhentraining.
Zwei 21 jährige holen im Marathonlauf Gold und Bronze
Wenn die „Überlieferungen“ stimmen wurden im Rahmen der Olympia – Abschlussfeier vor bestimmt 100000 „Zusehern“ – weil ja neben 91000 Zuschauern auch noch die Olympiateilnehmer und die vielen „Schauspieler“ im Vogelnest waren, zwei 21 jährige Marathonläufer mit Medaillen in einer einmaligen Kulisse geehrt. Neben dem 36 jährigen Zweiten Jaouad Gharib (MAR) siegte der 21 jährige Samuel Wanjiru (KEN) und der 21 jährige Tsegay Kebede (ETH) holte Bronze. Dazu erfuhr man, dass der Olympiasieger sich seit seinem 15. Lebensjahr in einem japanischen Werksteam unter Trainer Koichi Morishita – dem Olympiazweiten von Barcelona 1992 im Marathon - auf diesen Olympiasieg vorbereitet hat. Experten, die Einblick in das japanische Marathontraining haben, wissen was das bedeutet.
Diese Information ist nicht nur als eine letzte Randnotiz anzusehen, sondern soll auch zum nachdenken anregen, wenn in der deutschen Trainingslehre immer wieder vermittelt wird, dass Talente Zeit zum Reifen brauchen und man auch mit 5 TE im Laufen und Gehen ganz schön weit kommen kann.

© Lothar Pöhlitz



