Dem Doping kann man nur ein „besseres“ Training entgegensetzen
Wie Bundespräsident Horst Köhler den Behinderten hilft
19. Februar 2008 (Pöhlitz) - Doping, immer wieder Doping. Viele können es schon nicht mehr hören, die Medien erhoffen sich neben meist oberflächlicher Aufklärung Quoten, die Zuschauer, so zeigen es die Top-Events, wollen Leistungen unserer deutschen Athleten. Meist reicht es nur zu Anklagen, darüber hinaus lässt man die Sportler im Regen stehen oder bemängelt sogar, auch hämisch, ihr hinterherlaufen. Zwischendrin stehen die Sportler und ihre Trainer. Sie denken öfter als viele vermuten über einen Ausweg nach, um den sich die Medien kaum Gedanken machen. Endlich, am 12.1.2008 im ZDF-Sportstudio in der Diskussion mit unserem Bundespräsidenten Horst Köhler wurde ein schon eingeschlagener Weg präsentiert. Mehr und besseres Training als Gegenpol gegen die Pillen. Hilfen, „damit sie ihren Sport auch leistungsgerecht betreiben können“ sagte der Bundespräsident!
Der Sporthilfe-Eid und die deutsche Leistungsperspektive
Mit dem Sporthilfe-Eid, der schriftlichen Verpflichtung der Athleten, „niemals zu dopen“ und jede Art der Leistungsmanipulation zu bekämpfen, den bis Ende 2007 über 4400 geförderte Sporthilfe-Athleten unterschrieben haben, ist den Funktionären ein weiterer Schritt gelungen, deutsche Athleten noch mehr in die Pflicht gegen eigene Dopingvergehen zu nehmen. Es ist auch die Geldzurückgarantie der Fördergelder im „positiv - Falle“ vereinbart. Dies ist ein weiterer nationaler Schritt Doping zu bekämpfen und deshalb auch löblich. Leider steht nicht in der Vereinbarung, dass als Gegenleistung die Unterstützungsleistung erhöht wird, damit die deutschen Athleten durch „besseres Training“ zukünftig gegenüber gedopten Ausländern auch eine größere Chance haben konkurrenzfähig zu sein oder zu bleiben. Besseres Training setzt aber auch für Top-Talente mehrmals wöchentlich „Doppelschichten“ voraus.
Mit den ganzjährigen Trainingskontrollen in allen Ländern, durch die Wada oder IAAF veranlasst, liegt bekanntlich noch vieles im Argen. Fast wöchentlich wird eine „neue Sau“ durch die Medien getrieben, auch wenn sie, wie zuletzt, zunächst nur auf Gerüchten von Journalisten beruhen, die offensichtlich viel lieber über gedopte Radfahrer, Skilangläufer und wenn irgend möglich auch Leichtathleten als über Spitzenleistungen, ganz zu schweigen vom Nachwuchsleistungssport, berichten. Die Negativberichterstattung lebt von diesem „Kriegschauplatz“ offensichtlich gut.

Aus dieser Aufgabenstellung leiten sich für die deutschen Athleten die Herausforderungen für demnächst ab, weil innerhalb der gegenwärtigen Organisationsstrukturen die Trainer mit ihren Athleten nur in Ausnahmefällen gegen solche Konkurrenten eine Chance haben, was das Erreichen der Weltspitze betrifft. Nur wer sich Bedingungen für ein grenzwertiges Training schafft, hat auch, ohne verbotene unterstützende Mittel, die Möglichkeit bei sportlichen Höhepunkten konkurrenzfähig zu sein. Auch weil in der Regel viele der „Gedopten“ dort objektiv nicht mehr ihre außergewöhnliche sportliche Form aus den Vorfeld zeigen können. Aber dem begegnen die Schlauen schon seit längerem mit individuellen Ausscheidungsraten, die dem Sportler genau sagen, ab welchem Tag nach dem Absetzen sie nicht mehr zu erwischen sind.
Ein „German – Top -Team“ bereitet sich professionell auf Peking vor
Interessant war im Zusammenhang mit dieser Problematik und der Förderung der Behindertensportler, die sich auf die Olympischen Spiele in Peking vorbereiten, der Besuch des Bundespräsidenten Horst Köhler am 12.1.2008 im ZDF-Sportstudio. Er hat sich erfreulicherweise einem German –Top –Team der Behinderten angenommen. Das sind 40 Sportler die mit Behinderungen Spitzenleistungen (Medaillen) bei den Paralympics in Peking 2008 zeigen sollen und wollen. Die Unterstützung durch die beiden Hauptsponsoren Allianz und Telekom ermöglicht dieser Gruppe in einem 2 – Jahreszeitraum eine Vorbereitung, wie sie gegenwärtig in diesem Rahmen Nicht - Behinderten Leichtathleten nicht zur Verfügung steht.
„Damit sie ihren Sport leistungsgerecht betreiben können“, führte der Bundespräsident aus, bekommen sie eine monatliche Unterstützung bis zu 2200 €. 1500 € davon fließen für Berufstätige an die Sponsoren, die dafür die Sportler für das Training freistellen! Eine Superinitiative, wie man sie sich in der Zukunft auch für das Hochleistungstraining nur wünschen kann.

Höhere Ansprüche an die Talentauswahl machen die Förderung leichter
Eine zweite damit verbundene Aufgabe könnte sein, die Talentauswahl und deren Ausbildung und Erziehung zum Hochleistungsathleten zu präzisieren. Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte lehrt, dass nur wenige der zu früh z. T. hoch gelobten Landesmeister der Jugend in den Lauf- und Gehdisziplinen das Anschlusstraining auch mit einem Anschluss an das Weltniveau beendet haben. Der Anspruch an die geförderten und die Bedingungen für ihr Training waren zu gering oder gar nicht gegeben, ein Vergleich mit den Weltbesten auch in den jeweiligen Altersklassen hat nicht stattgefunden, das Lob für die erbrachte Leistung war nicht angemessen. Dabei fehlte es den meisten jungen Aktiven doch nicht am guten Willen. Vielleicht aber am nicht aufgezeigten Weg.
Zieht man einmal mehr als die reine Leistung zur Beurteilung der Perspektive von Jugendlichen heran, lässt die gegenwärtige Situation im Talentangebot keine Jubelstürme zu. Auch die Körperkonstitution, das Ausbildungs-Umfeld und die Trainingsbedingungen, die Persönlichkeitsvoraussetzungen für die bevorstehende „Arbeit im Training“ und die Willensqualitäten und Durchsetzungsbereitschaft in wichtigen Wettkämpfen gehören dazu. In erster Linie kann und muss man wohl rückblickend eine mangelnde Qualität des Jugendtrainings für die Situation verantwortlich machen, denn wer behauptet dass es keine Talente gibt entzieht sich seiner Verantwort. Würde bedeuten, dass zukünftig auf den DLV und seine Bundestrainer eine größere Verantwortung bei der Auswahl, dem Anspruch an das Training und die Schaffung von Bedingungen für solche „Ausnahme-Förderungen“ (damit ist ja nicht der ganze Kader gemeint) zukommen muss.
Derzeit kann man in den Laufdisziplinen sicher vor allem auf Robin Schembera (88) und Sebastian Keiner (89) aus der männlichen Jugend sowie bereits mit Einschränkungen auf Anne Kesselring (89), Fabienne Kohlmann(89) und Katharina Heinig (89) aus der weiblichen Jugend für die Zukunft hoffen.
„Damit sie ihren Sport leistungsgerecht betreiben können“ sagte Horst Köhler im Hinblick auf die Behinderten, müsste es ab sofort auch für die Nicht-Behinderten möglich sein unter solchen Bedingungen ein optimales trainingsmethodisches Vorgehen entsprechend der komplexen Anforderungen des Hochleistungstrainings für mindestens 2-4 Jahre zu realisieren. Nur dann ist ihre Konkurrenzfähigkeit im Weltniveau, ihre Positionierung im Anschlusstraining ganz oben, ganz gleich unter welchen Bedingungen die Gegner vorbereitet wurden, auch zu erwarten. Sind dann weiterhin solche Bedingungen gegeben, ist ein längerer Aufenthalt auch unserer Talente im Weltniveau möglich, dies lehrt doch die Vergangenheit nicht nur bei unseren Spitzenathleten.
Es soll noch angefügt werden, dass die nur beispielhaft ausgewählten Namen nicht ausschließen, dass sich jetzt schon weitere Begabte im Jugend-Aufbautraining oder im Anschlusstraining befinden, aber nicht die Rolle eines Robin Schembera spielen. Alle haben die gleichen Möglichkeiten, vorausgesetzt sie schaffen sich solche oder ähnliche Bedingungen für ihr Training in den nächsten Jahren. Es sollte keinesfalls Aufgabe dieses Beitrages sein, die derzeitigen Talente für ein solches Vorgehen auszuwählen, das ist selbstverständlich Aufgabe der DLV-Bundestrainer. Vielmehr sollte aufgezeigt werden, dass eine Konkurrenzfähigkeit, zumindest erst einmal bis zum Anschluss an den Weltniveaubereich, gegen „Gedopte“ möglich wäre. Am Beispiel von Turner Fabian Hambüchen wird ergänzend deutlich, dass man auch in einem Familienunternehmen die Weltspitze erreichen kann.
Siehe auch unseren Beitrag vom 10. August 2007: Doping nein – Leistung ja
Foto: Doping (ap)
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