Neuerscheinung


Neuerscheinung – Trainingskonzepte


2. Auflage


Buchtipp – Das große Laufbuch von Lothar Pöhlitz


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Kids for Olympia

Die richtige Taktik nach den individuellen Stärken wählen

Überspannung – realistische Wettkampfstrategie – Angst – Sicherheit


27. April 2008 (© Lothar Pöhlitz) - Übermäßige Erregungen, Überspannungen vor einem Wettkampf resultieren aus der Unsicherheit ob das Ziel zu erreichen ist, ob die Erwartungen des persönlichen Umfeldes auch zu erfüllen sind, ob man sie alle vielleicht enttäuschen werde, ob die Medaille auch zu erringen ist, ob die tausend Zweifel nicht eher zu einem negativem Wettkampfausgang führen werden. Je höher die Leistungserwartung, je bedeutender der Wettkampf, je ungewisser der Ausgang des Rennens, umso größer wird der Druck. Und dann sind ja noch die Gegner. Eine realistische Einschätzung fällt immer schwerer je näher der Wettkampf kommt und in der Regel werden sie alle überschätzt. Erstaunlich dabei ist, auch die die man bisher richtig im Griff hatte. In internationalen Rennen sind es vor allem die mit dem großen Namen, die bisher schon deutlich mehr erreicht haben als man selbst.

Auch wenn der Sieg bei EM, WM oder vielleicht sogar OS schon Jahre zurückliegt. Man weiß auch, das er/sie in den letzten Wochen nichts besonderes geleistet hat, aber da steht er plötzlich neben Dir auf der Bahn, der „Riese“ und Du wirst immer kleiner. Das bitte nach Dir wird im Kopf immer stärker, vielleicht sogar unbewusst, aber es ist da und lähmt Deinen Willen. So bist Du kurz nach dem Start plötzlich schon im Vorlauf Letzter. In solchen Situationen ist das Schlimmste, wenn man keine Strategie hat diese Situation zu bekämpfen und das berühmte Glas plötzlich, obwohl Du Dir soviel vorgenommen hattest, halb leer und nicht besser halb voll ist. Die Sicherheit für Dein positives Wettkampfergebnis resultiert aber nur aus Deiner eigenen Stärke. Aus dem Wissen und der Überzeugung zu welcher Leistung Du selbst fähig bist, aus der Erinnerung an die letzten tollen Trainingseinheiten, die bisherigen doch sehr guten Wettkampfresultate, aus der letzten Leistungsdiagnostik mit „Bestwerten“ oder der Überzeugung, die Dir Dein Trainer mitgegeben hat. Aber auch aus der Fähigkeit die Angst, die zusammen mit den anderen Emotionen im Vorfeld von Wettkämpfen zum notwendigen Erregungszustand beiträgt und in der Tat normal ist, in die Grenzen zu verweisen, die die Leistungsdarstellung nicht behindert. Eigentlich ist das ja bisher in vielen Wettkämpfen schon gut gelungen.

Positiv denken setzt zugleich die Bereitschaft zu einem Versuch voraus, hier und heute festzustellen zu welcher Leistung man gegenwärtig fähig ist, auch wenn man erfahren muss, dass man danach an der einen oder anderen Schwachstelle in den nächsten Wochen noch arbeiten muss. Ich gestehe mir ein, dass ich natürlich noch nicht perfekt bin, ich kann es aber nur herausfinden, wenn ich bereit bin alles zu geben, offensiv meine Chance zu suchen, auch mit den Willen, alle zu besiegen, ohne Ansehen der Person. Schließlich kann ich vor dem Rennen in Ihr Innenleben nicht hineinsehen und äußerlich ihre sportliche Form nicht erkennen. Und im Endeffekt geht auch bei einer Niederlage das Leben schon nach kurzer Zeit ganz normal weiter.

(wie z.B. Aufmerksamkeit, Reaktionsbereitschaft, nicht an der Innenkante einschließen lassen, Spurtbereitschaft wenn es in die letzte Runde geht, gleichmäßiges Tempo in „Rekordrennen“, engen Kontakt im vorderen Feld o.ä.)

Selbstvertrauen und Motivation für Training und Wettkämpfe

Wer körperlich und mental auf wichtige Rennen gut vorbereitet ist, ist auch zu einem guten Ergebnis in der Lage. Er/Sie ist von sich überzeugt, läuft ökonomisch, ist in jedem Moment bereit zu Reaktionen, aber auch zu eigenen Aktionen und beherrscht möglichst viele taktische Varianten. Man wählt die für sich stets bestmögliche Position und zögert nicht wenn er/sie sich, bei Kenntnis der gegnerischen Schwächen, einen Vorteil verschaffen kann.

Sie erzielen die besten Ergebnisse, wenn die Motivation und das Selbstvertrauen groß sind und Sie ihre Zweifel, Ihre Angst so kontrollieren können, dass die Handbremse gelöst bleibt.

Erfolgreich sind erfahrungsgemäß vor allem diejenigen, deren Antrieb aus sich selbst kommt, die die gute Leistung wollen, die aus einem harten Training eine große Befriedigung über das Geschaffte mit in den Abend nehmen, die aus einer Niederlage mit einem „nun erst recht“ herausgehen und sich solche Ziele weiter oben stellen, die Andere nicht zum „verändern“ verführen. Sie finden auch nach längeren Verletzungsausfällen oder nach Krankheiten schneller wieder zurück zu alter Form, weil sie Freude bald wieder am Leistungsvergleich haben wollen, es als Glück empfinden neue Gipfel im Training zu erklimmen, sich in Wettkämpfen zu messen und sich hochwertige Ziele stellen. Es macht ihnen Spaß Andere hinter sich zu lassen und wenn sie es heute noch nicht schaffen probieren sie es morgen wieder. Übrigens in der Regel nicht nur im Sport, sondern auch im sonstigen Leben und später im Beruf.

Es ist sehr hilfreich, wenn man mit der Überzeugung an der Startlinie steht, dass man körperlich fit und mental voll da ist. Haben Sie schon einmal Haile Gebrselassie kurz vor dem Start in die Augen geschaut? Hatten Sie nicht auch das Gefühl dass er sich auf das bevorstehende Rennen, auf den Kampf um den Sieg oder den Rekord freut, dass er überzeugt war sehr gut trainiert zu haben?

Eine wichtige Rolle in einem solchen Prozess spielt die Erarbeitung eines unerschütterlichen Selbstvertrauens, das auch nicht durch unvorhergesehene Schwierigkeiten, Barrieren, eine unbefriedigende Trainingseinheit, Zusatzbelastungen wie z.B. Akklimatisationsprobleme, Jet Leg, unerwartet hohe Luftfeuchtigkeit, versäumte Anschlussflüge, ungewohnte Ernährung, schlechten Schlaf in der Nacht vor dem Wettkampf oder sogar unerwartete Rennverläufe zu zerstören ist.

Erarbeiten sie sich ihre Philosophie über das Gewinnen und Verlieren, bleiben sie aber trotzdem variabel. Streben sie nach dem kompletten Wettkämpfer. Auf dem Weg nach oben sollte aber lange ihr wichtigster Gegner die Uhr sein. Dann kommt eines Tages mit dem Sieg ihr größter Erfolg und vielleicht die Befriedigung fürs ganze Leben.

Siehe auch unser Beitrag vom 30.03.2007 „Ab morgen muss auch der Kopf trainiert werden“

Foto: Susi Lutz (Lutz-Foto)