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Der Coopertest ist nicht tot zu kriegen

03. Januar 2008 (Ring) - „Der Cooper-Test (benannt nach dem amerikanischen Sportmediziner Kenneth H. Cooper) ist ein bekannter Test zur Überprüfung der läuferischen Ausdauer. Es handelt sich um einen Lauf von 12 Minuten Dauer, bei dem die in dieser Zeit zurückgelegte Strecke ermittelt wird. Der Test ist anspruchsvoll, da die zurückgelegte Strecke zwischen einer reinen Mittel- oder Langstrecke liegt. Der Sportler muss sich sehr gut einschätzen können, um nicht zu früh zu viel Laktat aufzustauen und in den anaeroben Bereich zu kommen, aber auch nicht zu langsam zu laufen. Deshalb ist der Test für Untrainierte und Anfänger ungeeignet.“ So steht es jedenfalls bei Wikipedia im Internet. Cooper hat in Medizin promoviert und wurde als Autor des populärwissenschaftlichen Buchs Bewegungstraining (Originaltitel: Aerobics) bekannt. Seine Trainingsmethoden verwenden ein leicht zu benützendes Punktesystem, das während seiner Karriere in der Air Force entwickelt wurde.

Seit Jahrzehnten benutzen verschiedene Landesfachverbände diese Messmethode, um ihren Nachwuchs zu testen. Im sogenannten Kadertest werden zumindest in Bayern den heranwachsenden Talenten ein fliegender 30 m Sprint, der Fünfer-Hop, der 150 m Lauf aus dem Startblock, das Medizinbalschocken und eben der Cooper-Test zur Ermittlung der Ausdauerfähigkeit abverlangt, tabellarisch festgehalten und mit den Vorjahren bzw. den anderen Landesverbänden verglichen. Die Frage sei erlaubt: Ist das beim heutigen Stand der Leistungsdiagnostik überhaupt noch relevant? In Sachen Cooper-Test muss das mit Zielrichtung einer genauen Leistungsdiagnostik aerobe Ausdauer stark angezweifelt werden.

Frank MöckelDie Sportwissenschaft hat als Messmethode für das Ausdauervermögen von Sportlern vor nun schon zwei Jahrzehnten den Laktattest eingeführt. Dabei wird nach entsprechenden Belastungen den Sportlern Blut (meist aus dem Ohrläppchen) abgenommen, die Laktatakkumulation und die Herzfrequenz gemessen. Die aerobe Schwelle, bis zu der der Sportler seine Energiegewinnung rein aerob erzielt liegt bei 2 mmol/l, bei 3 mmol/l Laktat (1500 m und länger) bzw. 4 mmol/L Laktat befindet er sich im aerob-anaeroben Übergang. Damit wird der aerobe Bereich definiert (=100%) und man steuert damit das aerobe Training bzw. ermittelt die aeroben Belastungsstufen.

Beim Cooper-Test befindet sich die/der Athlet/In in einer 12-minütigen Dauermaximalbelastung, einem 3000 m Rennen in etwa gleichzusetzen. Dr. Hans Peter Löffler von der DHfK Leipzig hat bereits 1983 in Feldversuchen mit jungen Mittel-/ und Langstrecklern nachgewiesen, dass eine solche Belastung mit einem Mittelwert von ca. 12 mmol/l Laktat erzielt wird, also relativ hoch anaerob ist. Ein Rückschluss auf das aerobe Ausdauervermögen ist daher nicht möglich. Es kann mit dieser Diagnostikmethode zwar die Fitness der Athleten gemessen werden, über die Art bzw. die Zusammensetzung der Energiebereitstellung ist kein Rückschluss möglich.

Laktatvergleiche bei Läuferinnen in einer westdeutschen Laufgruppe ergaben, dass diese bei durchaus gleicher 3000 m Leistung eklatant unterschiedliche vL3 hatten (bis zu 25 Sekunden Unterschied auf einem Kilometer). Die mit der wesentlich schwächeren vL3 entstammten der schnellkräftigen, noch wenig konditionierten Gruppe, die der schnelleren vL3 der in der Unterdistanz langsamen, aber stark ausdauerlastigen Gruppe. Ein gemeinsames aerobes Training von Mitglieder beider Gruppen war nicht möglich.

So kann zwar beim derzeitigen Kadertest bei den Jungtalenten eine gewisse Tendenz zur schnellkräftigen oder ausdauerlastigen Talentierung in Kombination mit dem 30 m fliegend Test festgehalten werden, eine genaue Zuordnung der aeroben Ausdauerleistung der Testperson ist jedoch nicht möglich und damit auch keine Trainingsempfehlungen. Hinweise zur Dosierung im „lockeren, mittleren und flotten Bereich“ abzuleisten sind somit immer ungenau. Der für die Entwicklung der aeroben Kapazitäten so wichtige Schwellenbereich kann nicht getroffen werden. Aussagen der Athleten, sie seien knapp unter vL3 oder knapp drüber gelaufen sind anzuzweifeln. Feldversuche haben bewiesen, dass die Bereiche gefühlsmäßig kaum unterscheidbar sind.

Abschließend muss also festgehalten werden, dass der Cooper-Test nur ungenaue Rückschlüsse auf das aerobe Leistungsvermögen von jungen Athleten/Innen zulässt, den bekannten modernen Messmethoden weit unterlegen ist. Eine moderne Leistungsdiagnostik ist deshalb immer dem Cooper-Test vorzuziehen.

Foto: Leistungsdiagnostik