Teamarbeit in der Leichtathletik
Regensburger Modell zwischen Anspruch und WirklichkeitDie Zusammensetzung des Teams muss sich den Anforderungen anpassen
Dem Bewegungsmangel im Kinderalter entgegenwirken
12. Mai 2007 (Ring) - Gezielte sportliche Grundlagenarbeit muss frühzeitig (Kindertraining), allgemein (sportartübergreifend) und erlebnisorientiert einsetzen. Eine Chance, die die meisten Sportvereine in den letzen Jahrzehnten einfach verschlafen haben bzw. professionelle Strukturen, die diese Aufgaben erfordert, nie geschaffen wurden. Staatliche Stellen haben mit verschiedenen Aktionen immer wieder versucht, diese Strukturen zumindest im Ansatz in Gang zu bringen. „Sport nach eins“, die Initiative „Schule und Verein“ oder in letzter Zeit der Vorstoß der KISS (Kindersportschule) der bayerischen Staatsregierung sind gut gemeint, oft auch ordentlich bezuschusst. Im Grund setzt dennoch keiner einen wirklichen Ansatz zur flächenübergreifenden Umsetzung mit einem hauptamtlich installierten Management-Stab. Wie gesagt: Einer verlässt sich auf den anderen. Wie dringend die jetzige Bevölkerung die Nachmittagsbetreuung ihrer Kinder wünscht, zeigen Umfrageergebnisse, die derzeitige sozialpolitische Diskussion und die fortschreitende Tendenz zur Bewegungsarmut des bundesdeutschen Nachwuchses.
Meines Erachtens kann die Baustelle Nachmittagssport innerhalb einer Nachmittagsbetreuung nur von staatlicher Seite aus in Kooperation mit den kommunalen Mandatsträgern und den kommunalen Sportvereinigungen geschultert werden und könnte sich dann finanziell durchaus selbst tragen. So haben auch die Regensburger von dieser „Baustelle“ noch die Finger gelassen, wohl wissend, dass hier die eigentlichen Grundlagen für spätere Leistungssportressourcen gelegt werden müssten.
Man beginnt in der Domstadt zwar auch mit einer Kindersportgruppe, ist sich aber im Klaren, dass das einmalige Training pro Woche nicht einmal ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Auch die vor Jahren installierte Spielleichtathltetik konnte die wahren, mit der Leichtathletik verbundenen Inhalte „schneller, höher, weiter“ nicht entscheidend weiterbringen.
Grundlagentraining geprägt von allgemeiner Beschulung und multiplem Trainerstab
Beim Grundlagentraining geht man dann aber recht unübliche Wege der Teamarbeit. Um den Kiddys möglichst viele allgemeine Inhalte zukommen zu lassen, verzichtet man auf eine echte Headcoach-Bindung und lässt diese Gruppierung im Durchreichverfahren von allen Disziplintrainern nach einem speziellem Ablaufplan mitbetreuen. Der Headcoach selbst koordiniert nur die einzelnen Übungseinheit zu einem sinnvollem Arrangement. Bei Wettkämpfen werden die Kidys entweder vom Headcoach oder den einzelnene Disziplintrainern entsprechend ihrer Disziplinwettkampfwahl betreut. Die Vorteile sind klar ersichtlich. Die Schüler/Innen zwischen 11 und 14 Jahren lernen alle Trainer kennen, die Leichtathletik in der gesamten Vielfalt der Disziplinen. Eine von außen gesteuerte frühzeitige Disziplinbindung wird vermieden, da in der Regel, vorpupertär wie die Kinder in diesem Alter noch sind, auch keine genetischen Endveranlagungen in deutlicher Ausprägung sichtbar sind. Die Beteiligung am Training anderer Sportarten wird ausdrücklich gewünscht, selbst auf die Gefahr, dass Schützlinge abwandern. Die tägliche Bewegungshäufigkeit hat eindeutig Vorrang vor einer einseitigen Bindung. Die Regensburger haben damit nie schlechte Erfahrungen gemacht.
Die Vorteile dieses Teamsystems sind:
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Die Schüler/Innen werden disziplinoffen gehalten und fast täglich „bewegt“. |
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Die Schüler/Innen bleiben sachbezogen |
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Es erfolgt noch keine Prägung durch die Trainerpersönlichkeit. |
Jugendaufbautraining mit Headcoachsystem
Allein die Aussage „Headcoachsystem“ weist schon darauf hin, dass es sich auch in dieser Entwicklungsstufe beim Regensburger Modell um einen Trainermix handelt. Der Ansatz „Stärken der Spezialtrainer einbringen, Schwächen ersetzen“ bleibt hier voll erhalten. Es ist den Regensburgern inzwischen bestens gelungen absolute Fachleute zu Bereichen wie „Beweglichkeit, Koordination, Athletik“ an sich zu binden. Zu einem Headcoacheinsatz, also Führung eines Disziplinblocks wären diese Spezialisten auf Grund anderer Bindungen (privat oder beruflich) nicht bereit gewesen. Im Spezialeinsatz zeigt dieses Lehrpersonal aber hohe Motivation, Kompetenz mit allen Freiheiten der zeitlichen Gestaltungsmöglichkeiten und Bereitschaft zur persönlichen Qualifizierung.
Der Begriff Kompetenzteam erhält hier neue Dimensionen. Die sich nun herausbildenden Kaderathleten/Innen können über Spezialtraining, Zusatzeinheiten und Einbindung in den bestens mitarbeitenden OSP (Diagnose und Therapiezentrum des Olympiastützpunktes Bayern) bereits täglich optimal betreut werden. Kombinationen wie Krafttraining-Physio helfen durch ihre örtliche Gemeinsamkeit Zeit sparen.
Die Fäden der Trainingsplanung hält nun natürlich der zuständige Headcoach (Disziplintrainer) voll in seien Händen. Aus dem anfänglichen Trainingskoordinationsansatz entsteht ein System mit klarer Leistungszielsetzung, Periodisierungsplanung und deutlicher Gewichtung der Trainingsmittel.
Bei allem aber bleibt eins erhalten: Der/die Athlet/In bleibt mit seinem leichtathletischen Tun im Mittelpunkt der Interessen.

Der neue Weg zur Verletzungstherapie
Keiner wünscht sie sich und die wenigsten können damit ordentlich umgehen. Die Rede ist vom Super-GAU jedes Hochleistungssportlers, der oft lang andauernden Verletzung.
Unser Doc – und wir schätzen uns sehr glücklich mit Dr. Dr. Homayun Gharavi einen Mediziner gefunden zu haben, der zugleich auch noch die Sportwissenschaften an der Uni Göttingen mit einer Doktorarbeit abgeschlossen hat und über mehrere Jahre Übersee-Erfahrung verfügt – sagt: Die Therapie einer Verletzung braucht seine Zeit, ob mit oder ohne Sport. Was er mit seinem Regensburger Modell verfolgt hat aber noch eine weitere klare Zielsetzung:

Logische Folge: Der Doc gehört zum engsten Betreuungsteam, nicht nur bei eintretendem Verletzungsfall, ist so oft wie möglich ins Trainingsgeschehen mit eingebunden und zieht die Fäden in Richtung Physiotherapie und Sportpsychologie. Was anfangs am Trainingsgelände etwas komisch wirkt, wenn der Arzt wieder einmal seine Schützlinge mit Terabändern regelrecht „verschnürt, ist in Wirklichkeit eine gezielte Theapiemaßnahme. Die jüngsten Erfolge geben ihm recht. Julia Liedl (damals W15) zog sich auf Grund eines zu schnellen Längernwachstums Ende März des letzten Jahres eine Stressfraktur im Fuß zu. Nach hinlänglicher Meinung wäre damit die Saison vorbei gewesen. Der Doktor begann aber bereits nach drei Tagen mit ihr wieder hart zu arbeiten. Das Mädchen stieg Ende Juni in die Saison ein, als wäre nichts gewesen und lief Ende Juli als neue Landesmeisterin über 300 m Hürden deutsche Jahresbestleistung. Die Vorgaben waren immer klar mit Zeitangaben, die selten mehr als ein paar Tage schwankten. Auch die Dritte der deutschen B-Jugendmeisterschaften über 1500 m Hindernis Sarah Heuberger überstand einen Bänderriss im Sprunggelenk in einer problematischen Trainingsphase Mitte März scheinbar ohne Einschränkungen.
Die beiden Grafiken zeigen deutlich den Unterschied in der Gesamtbetrachtung der Verletzung. Die unterschiedlichen psychischen Folgen (negativ wie positiv) sind leicht abzulesen.

Links die fast erdrückende Problematik der Verletzung, rechts die Einstellung: „Da ist ein Problem, aber damit brauche ich meine Ziele nicht aus den Augen verlieren“
Erweiterte Teamarbeit auch im Hochleistungsbereich
Die Anforderungen im Hochleistungsbereich sind bei nun 9-12 TE/Woche, der Organisation einer gestreckten Berufsausbildung/eines gestreckten Studiums bzw. Beschaffung einer adäquaten Halbtagsbeschäftigung immens höher, die Erweiterung des „Hochleistungsteams“ mit weiteren Stabstellen die logische Konsequenz. Auch hier haben die Regensburger den mühevollen Weg zur professionellen Umstrukturierung eingeleitet. Ein Förderverein wurde gegründet, die Beteiligung und Zusammenarbeit mit der athletics SPORT GmbH gesucht. Dabei stecken sich die Regensburger hohe Ziele zur Finanzierung, Imagepflege und Organisation des Hochleistungssports.
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Errichtung eines Sichtungs- und Fördersystems |
im Gange |
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Management der Hochleistungssportler/Innen |
im Gange |
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Anmietung und Pflege von Athletenhäusern |
vor Abschluss |
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Perfektionierung des/r Trainingslager |
ständig in Arbeit |
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Initiative für ein zu entstehendes Landesleistungszentrums |
Projekt – AG entsteht 2007 |
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Zusammenarbeit mit Uni und Partner aus der Wirtschaft |
wird forciert |
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Verbesserung der eigenen Meetings |
ständig in Arbeit |
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Ausbau eines Leichtathletikkalenders |
ständig in Arbeit |
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Ausbau der Homepage als Leichtathletik-Portal |
ständig in Arbeit |
Das Management des Hochleistungssports übernimmt der Teamchef in enger Zusammenarbeit mit den Disziplintrainern, der medizinischen Abteilung, der Vereinsführung, des Fördervereins, der GmbH und den koopierenden Sportorganisationen (OSP, Bundestrainer, Landesverband).
Schlussbemerkung
In Ermangelung eines professionellen Systems setzen die Regensburger auf ein breitangelegtes Netzwerk von leistungssportdienlichen Personen und Organisationen. Je breiter das Fundament, desto sicherer wird die Bauweise in den oberen Bereichen gelingen. Man ist sich durchaus im Klaren, dass durch personelle Veränderungen immer wieder Löcher ins System gerissen werden, die aber in der Regel durch flexible Umorganisation meistens bald wieder geschlossen werden können.
© Kurt Ring



