Neuerscheinung


Neuerscheinung – Trainingskonzepte


2. Auflage


Buchtipp – Das große Laufbuch von Lothar Pöhlitz


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Kids for Olympia

Doping nein – Leistung ja

Unsere Top-Athleten brauchen aber Hilfe

10. August 2007 (Pöhlitz) - Nun hat es auch Jolanda Ceplak erwischt – Epo! In Peking und sicher auch bei der WM in Berlin wird sie fehlen. Keiner aus der Leichtathletik sollte also auf den Radsport und den Skandal bei der Tour de France mit Fingern zeigen und frühzeitig jubeln. Gerade hat es wieder eine Prominente erwischt. Bis nicht auch hier weltweit richtig durchgegriffen wird bleiben noch zu selten welche im Netz mit den derzeit noch zu großen Maschen hängen. Ohne auszuschließen das auch bei uns alle sauber sind, „positiv - Meldungen“ sollten Keinen überraschen. Auch wenn die DLV-Anti-Doping-Aktivitäten präsent sind und auch Wirkung zeigen, sie schrecken ab und könnten international Vorbild sein. Das in diesem Zusammenhang nicht immer entgegenkommende Verhalten von Funktionären und auch Sportlern anderer Länder Deutschland gegenüber zeigt, das bis zum „sauber“ für alle noch ein weiter Weg ist.

 

Wir wollen aber unterstreichen, dass mit Hochleistungstraining und den damit verbundenen Bedingungen auch ohne Dopingunterstützung Spitzenleistungen im Bereich Lauf / Gehen erreichbar sind. Die Leichtathletik Coaching-Academy möchte dazu einen Beitrag leisten.

Gegenwärtig muss eingeschränkt werden, dass Olympiasiege oder Medaillengewinne bei Weltmeisterschaften „ohne UM“ nur von außerordentlichen Talenten mit Bereitschaft zu „außerordentlichem Training“ (Hochleistungstraining) unter professionellen Bedingungen möglich sind und dies solange keine Waffengleichheit besteht. Würden weltweit alle unter gleichen, dopingfreien Bedingungen trainieren, könnten auch unsere deutschen Athleten in allen Disziplinen wieder um die Fleischtöpfe mit kämpfen. Das Können von Athleten, Trainern, Sportwissenschaftlern, Ärzten, von TEAMs die den Sportler begleiten, würde dann wieder mehr über die Leistungsfähigkeit der Sportler entscheiden. Weltrekorde würden Mangelware, die Spitzenzeiten gingen zurück, der Kampf um den Sieg wäre wieder vorrangig und Zuschauer und Fans, vielleicht auch die Medien – die sich offenbar in Unkenntnis der wahren Situation zurückgezogen haben - würden sich wieder mehr einer ehrlichen Leichtathletik zuwenden.

Ein Jahr vor Olympia 2008 muss man leider für die Leichtathletik folgende Situation konstatieren:
Das Dopingproblem in der Welt ist nicht gelöst, weltweit mangelt es an ausreichenden, ganzjährigen, zielgerichteten, für alle Länder gültigen Trainingskontrollen, vor allen in wichtigen Trainingsphasen. Dies bedeutet zugleich dass auch zukünftig nicht die Wettkampfkontrollen die Dopingpraxis einschränken sondern die „intelligenten“ Trainingskontrollen, vor allem in Phasen, in denen „die Leistung gemacht wird“.

Es gibt z.Zt. immer noch keinen Grund eines oder auch mehrere Länder bzw. auch Einzelathleten dabei namentlich hervorzuheben oder auch auszuschließen, weil keine genaue Übersicht (Offenlegung) darüber besteht, welche Spitzenathleten welcher Länder wann wo trainieren und wann sie auf welche Mittel kontrolliert wurden. Eine Vielzahl z.B. afrikanischer und asiatischer Leichtathleten verbringen Monate in europäischen „Camps“, in Japan, den USA, Australien, Marokko oder auch Quatar und werden unter der Leitung von Managern, Trainern, Ärzten, Apothekern, ehemaligen Top-Athleten und Sportwissenschaftlern vorbereitet. Die amerikanischen Leichtathleten kommen immer erst spät zu Wettkämpfen nach Europa und dies hängt nicht nur mit ihren Qualifikationswettkämpfen im eigenen Lande zusammen. Und sie verschwinden zwischendurch mehrere Wochen nach Hause „um sich dort auf den Jahreshöhepunkt vorzubereiten“. Auch die Sportler Kubas, Russlands und mehrerer ehemalig dazugehöriger Ostblock-Länder bereiten sich „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ in den verschiedensten Ecken des Landes scheinbar unbehelligt von Kontrolleuren vor. Dies beweisen immer wieder die ersten Wettkämpfe in der Saison zu Hause mit außerordentlichen Leistungen. Eine besondere Problematik für die deutschen Läufer leitet sich aus den vielen Weltrekordläufern und Olympiasiegern Kenias und Äthiopiens, die scheinbar wie Pilze aus der Erde schießen, ab. Sie stehen inzwischen im Dutzend an den Startlinien internationaler aber auch deutscher Events und es kommen fast „täglich“ neue dazu. Es wird noch nicht einmal in den Medien darüber spekuliert wie es wohl kommen mag. Auch die neueste Botschaft aus Äthiopien und Kenia ist zumindest interessant: 6 Wochen vor der WM bleiben die meisten Sportler im Land und es finden keine Auslandswettkämpfe mehr statt!

Das man auch bei den Wettkämpfen im Sprint fast nur noch „schwarz“ sieht und immer die gleichen Staaten SprinterInnen (bis 400 m) unter 10 bzw.11 sec. hervorbringen zeugt sicher nicht nur von hervorragenden Trainern und Talenten. Man darf doch wohl mal zweifeln dürfen. Da ist es auch nicht verboten als Trainer einmal zu fragen wie man solche Muskelproportionen überhaupt aufbaut, wie man in solcher Dichte derartige Wettkampfqualitäten abliefern kann, wie man 9,80 bei Männern oder auch 10,80 s bei den Frauen „erarbeiten“ kann.

„Ana Bolika“ hat immer noch zu viele Verehrer

Durch den nachfolgenden Auszug aus dem Buch DOPING IN DER DDR von Giselher Spitzer (1998) soll aktuell noch einmal öffentlich gemacht werden (nicht nur den Fans der Leichtathletik, sondern auch Insidern und Funktionären) welche Vorteile durch Doping „unterstützte“ Sportler gegenüber „naturell – vorbereiteten“ Athleten haben können. Welche materiellen Vorteile aus solchen Leistungen erwachsen wissen alle am Prozess beteiligten selbst. Damit ist sicher auch nicht verwunderlich, dass Sportler und Funktionäre nicht nur aus den „armen Ländern“ leicht auch gesundheitliche Gefahren aus ihren Überlegungen ausklammern.
Auch wenn gegenwärtig durch die Tour de France und nun auch Jolanda Ceplak das Epo-Doping in aller Munde ist, soll mit diesen konkreten Beispielen – die nicht empirisch sondern durch „Experimente“ belegt sind, unterstrichen werden, das auch heute noch die Schnellkraftdisziplinen – wie es in der DDR hieß „trainingsunterstützende Mittel“ (UM) zur Verfügung haben. Der Begriff „uM“ wurde damals bewusst eingeführt, weil man zu Beginn dieses Prozesses nicht sofort begriffen hatte, dass Dopingmittel zur Leistungssteigerung in erster Linie eingesetzt werden „müssen“ um umfangreicher und qualitativ hochwertiger trainieren zu können. Damit wird auch deutlich, dass damals bei Wettkämpfen relativ Wenige erwischt wurden, schließlich hatte man ja für viel Geld in das Anti-Doping-Labor Kreischa investiert.

Dabei soll nicht einseitig die Schuld Richtung Osten geschoben werden, dafür gibt es zu viele Beispiele und Vermutungen auch über Verfehlungen im Westen. Konkrete Veröffentlichungen über Leistungsentwicklungsraten gibt es aber eben nur aus der DDR-Praxis, sie haben es auch noch selbst aufgeschrieben.

Bevor die konkreten Zahlen präsentiert werden, möchten wir nochmals unterstreichen, dass gegenwärtig saubere Sportler international ganz vorn kaum konkurrenzfähig sein können und den DLV und seine Landesverbände bitten baldmöglichst außerordentliche Anstrengungen zur Verbesserung der Trainingsbedingungen für unsere Talente im Hochleistungsbereich zu machen. Es sind Leistungen im Anschlussbereich zur Weltspitze (Endkampfchance) unter professionellen Bedingungen von Talenten auch ohne Doping möglich. Deshalb sollte nicht zuerst darüber diskutiert werden wo möglichst viel Geld für die Dopingbekämpfung herkommt, sondern gleichberechtigt darüber wo das notwendige Geld für die Zurverfügungstellung der Trainingsbedingungen (einschließlich Höhentraining) zu organisieren ist! Natürlich kann nur soviel verteilt werden wie zur Verfügung steht. Aber es gibt z. Zt. doch auch nur eine überschaubare Anzahl von Athleten die zum Hochleistungstraining bereit sind. Um in dieser Hinsicht konkret werden zu können sollte für alle einmal der Unterschied zwischen Leistungs- und Hochleistungstraining und seinen Zielen definiert werden.

Zum Stand der unterstützenden Mittel, auch u.M. genannt

Auszug aus einem Bericht von Dr. Manfred Höppner vom 3.3.1977 (Doping in der DDR - S. 379)

Der Verfasser des nachfolgenden Berichts Dr. Manfred Höppner war über viele Jahre im DTSB der DDR für die praktische Umsetzung der Doping-Konzeption verantwortlich und für die Realisierung, die Vorgabe und Vergabe (diese Präparate wurden durch Apotheken nicht vertrieben) an die  Sportclubs eingesetzt. Vom Vizepräsidenten des DTSB der DDR Horst Röder, wurde die jahrzehntelange Dopingpraxis in der DDR unter www.sport-ddr-roeder.de/kapitel_9_71.htm bestätigt:

„ Im Frühjahr 1989 hatte das Sekretariat des DTSB eine Antidopingrichtlinie beschlossen, die ungeachtet der damals erkennbaren Gefahr, dass sich international durch neue Mittel und Methoden (Wachstumshormone u.a.) eine weitere Ausdehnung der Dopingpraktiken andeutete, schrittweise umgesetzt werden sollte. Mir ist heute klar, dass dieser Beschluss viel zu spät erfolgte und dass er in seinen Konsequenzen noch unzureichend war. Mit der Einsicht und dem Wissen von heute möchte ich in keiner Weise versuchen, dieses dunkle Kapitel des Dopings im internationalen Sport und im DDR-Leistungssport klein zu reden oder gar zu rechtfertigen.“

Im Höppner-Bericht steht u. a.:

„Sportliche Spitzenleistungen oder ihre Weiterentwicklung ist durch alleinige trainingsmethodische Maßnahmen heute (1977) nicht mehr möglich. In Sportarten mit messbaren Leistungen lässt sich diese Tatsache durch Meter, Sekunden oder Kilogramm eindeutig nachweisen. In anderen Sportarten ist die Realisierung höherer Belastungen im Training ohne diese Mittel nicht möglich. Dazu einige wenige Beispiele.
Die Leistungen konnten mit Unterstützung dieser Mittel innerhalb von 4 Jahren wie folgt gesteigert werden (diese Entwicklungsraten waren in den vergangenen vorherigen olympischen Perioden mit reinen Trainingsmaßnahmen nicht möglich). Die bisherige Anwendung von anabolen Hormonen hat bei zahlreichen Frauen, insbesondere im Schwimmsport zu irreversiblen Schäden geführt“.

Abschließend soll noch einmal unterstrichen werden: das Anliegen dieses Beitrags ist weiter aufzuklären. Gleichzeitig alle Verantwortlichen zu bitten über das bisherige Maß hinaus unsere Sportler auf ihrem Weg nach oben zu unterstützen. Die Quantität des Qualitätstrainings muss erhöht werden. Dazu bedarf es professioneller Bedingungen.

Es sollen an dieser Stelle auch noch einmal die Ausführungen des Kanadiers Dick Pound (Chef der Anti-Doping-Agentur WADA) hinzugefügt werden, weil man solche Meinungen nicht oft genug öffentlich machen kann, der angesichts internationalen Lobes über die weit fortgeschrittenen Olympiavorbereitungen Pekings meinte:

„Die Welt wird den Erfolg der Olympischen Spiele nicht danach beurteilen, ob die Busse pünktlich fahren, sondern ob es ein wirkungsvolles nationales Anti-Doping-Programm in China gegeben hat oder nicht. Wenn sie mit tausend Athleten erscheinen, von denen vorher niemand etwas gehört und gesehen hat und alle Goldmedaillen gewinnen, ist das ein Problem!“

Über die Verantwortung der WADA und ihre erfolgreichen ganzjährigen Kontrollmaßnahmen im Training weltweit im Vorfeld der Spiele referierte Pound leider nicht. Bis dahin muss jeder damit rechnen, dass der Läufer / Geher neben Dir in seiner Vorbereitung nicht immer „sauber“ war. Um aber „wettkampfdopingfrei“ zu sein, müssen sie schon vor einiger Zeit „absetzen“ und haben deshalb oft die Form der Wettkämpfe im Vorfeld nicht mehr. Es reicht auch nicht China als alleinigen „Buhmann“ aufzubauen, wenn man nicht in der Lage ist in den USA, Afrika, Asien, in allen Ländern, aktuell sicher auch in Marokko, durch intelligente, ganzjährige Trainingskontrollen die Konkurrenzfähigkeit aller zu sichern! Auch unter der Konsequenz dass die Spitzenleistungen dadurch etwas zurückgehen.

Fotos: Chai-Foto, Kiefner-Foto