Kinder mehr bewegen – Elternverantwortung für Ernährung und Bewegung
Erziehung beginnt im Säuglingsalter und erfordert Aufklärung
Der Schulsport muss reorganisiert werden.
05. Juni 2007 (Pöhlitz) – Der einfachste Weg alle unsere Kinder und Jugendlichen zu erreichen ist den Schulsport zu reorganisieren. Das setzt natürlich flächendeckende Investitionen in Schulsportstätten, Sportlehrer, Sportlehrerqualifizierung und Unterrichtszeit voraus. Aber nur wenn im Sportunterricht keine „Stehgeiger“ ausgebildet werden oder die mit dem Kopftuch weiterhin auf der Bank sitzen dürfen, sondern eine ausbildungsorientierte Lehre, ein echter Bewegungsunterricht mit systematisch steigenden Anforderungen von der 1. bis zur 10. / 12.Klasse mit im Verhältnis zu anderen wichtigen Fächern konkurrenzfähiger Benotung, stattfindet, können Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Normalgewicht der Kinder optimiert werden. Um einen echten Bewegungsunterricht wirksam durchzuführen sind 3-4 Doppelstunden pro Woche der täglichen Sportstunde vorzuziehen (Zeitverluste durch umziehen, Weg zur Sportstätte und zurück usw.)
Begleitend sollte im Biologieunterricht Ernährungslehre Bestandteil der Ausbildung werden.

Der einfachste Weg wäre die vielen Millionen an Steuergeldern die gegenwärtig in die Kultur, auch für viele nicht gebrauchte Projekte fließen, zukünftig teilweise in den Schulsport und den außerschulischen Kinder- und Jugendsport zu leiten. Dabei wäre eine brauchbare Möglichkeit, die teilweise Wahnsinns-Gehälter von Schauspielern, Sängern, Moderatoren, Comediens usw. sowie die Gelder der vielen überflüssigen Radio- und Fernsehstationen, mit teilweise erschreckenden Niveau, die z.B. ihre Nachrichtensendungen einschließlich Bildmaterial in der Regel gegenseitig abkupfern – aber ständig nach mehr Geld schreien -, auf das Gehaltsniveau von Diplomsportlehrern oder Diplom-Trainern außerhalb des Fußballs abzusenken.
Ein erster demonstrativer und notwendiger Schritt der Regierungen wäre neben die Kulturminister, die die gegenwärtige Situation im Sport und im Schulsport zu verantworten haben, endlich Sportminister mit auch entsprechender Kompetenz, einzusetzen. Sie sollten mit den dringend zu lösenden Aufgaben und entsprechender Kompetenz an der Basis möglichst schnell etwas zu „bewegen“. Dazu gehört auch eine zu verändernde quantitative und qualitative Sportlehrerausbildung. Die gesundheitliche Entwicklung unserer Kinder duldet keinen weiteren Aufschub!
Zu dieser Aufgabe sollte gehören die Bewegungsarmut unserer Kinder auch z.B. in Ganztagsschulen oder Gymnasien durch wiedereinzuführende, in den letzten Jahren sehr rückläufige, Arbeitsgemeinschaften in den unterschiedlichsten Sportarten, durch außerschulischen Sport, zu bekämpfen.
Elternaufklärung in ihrer Verantwortung für Bewegung und Ernährung
Mit der Ernährung und Bewegung können sie vom ersten Lebensjahr an wesentlichen Einfluss auf die körperliche und geistige Entwicklung ihres Kindes nehmen. Bis zum Eintritt ins Schulalter sind vor allem die Eltern für die Erziehung, für anzuerziehende Gewohnheiten, für Hygiene, Ernährung, auch für Schulung von Körpergefühl und Ausbildung der Koordinationsfähigkeiten, für Bewegungserfahrungen, für den sozialen Umgang mit anderen Kindern, auch in der Krippe oder im Kindergarten zuständig, auch wenn sie nicht immer präsent sind. Die längste Zeit sind ja in diesem Altersbereich sie mit ihren Kindern zusammen, dies wird gerade durch die umfassende Diskussion um Kinderkrippen- und Kindergartenplätze bestätigt. Und es wird sich auch nicht ändern.
Gesunde Kinder werden nicht dick geboren, sondern „fett“ gefüttert, lernte ich in meiner Jugend. Meine Beobachtungen bestätigen diese „Lebensweisheit“. Kinder, die im Vorschulalter vor allem in der Ecke liegen und geistig und körperlich nicht gefordert werden, entwickeln sich nicht wie lebhafte, interessierte, auch körperlich geforderte Kinder (Bewegungsvielfalt).
Stellen Sie sich einen jungen Baum mit nur 2 kahlen Ästen vor. Mit der Zeit entwickelt sich der Baum, bildet immer neue Verästelungen, wird größer und hat am Ende viele „Abzweigungen“ mit Millionen Blättern. Das Gehirn ihres Säuglings ist in seiner Ausprägung in etwa mit dem jungen, noch kahlen Baum zu vergleichen. Mit jeder neuen Bewegung, mit immer vielseitigeren Bewegungen von Händen und Füßen, mit dem Krabbeln auf einer Decke, mit jeder Erfahrung im Laufställchen, bis zum freien Laufen, mit dem hantieren mit immer neuen Gegenständen, die sie damit kennen- und beherrschen lernen, mit der ersten Ausfahrt oder mit den ersten Schritten in der freien Natur bilden sich immer neue „Verästelungen“ im Gehirn ihres Kindes, es lernt täglich, stündlich tausend Dinge neu, vorausgesetzt, sie bieten sie ihm an. Eingeschlossen in diesen ständigen Lernprozess ist auch das Bewegungslernen. Je mehr sie ihrem Kind schon im frühen Kindesalter anbieten, um sie beweglicher werden seine Nervenprozesse, seine Beweglichkeit. Die „Intelligenz“ entwickelt sich.
Spätestens ab dem 3. Lebensjahr müssen ihre Kinder selbst aktiv werden. Wenn Sie diese Aufgabe nicht selbst übernehmen können, bringen sie es zum Mutter- und Kindturnen, zum Kleinkinderschwimmen oder sorgen sie dafür dass in „ihrem“ Kindergarten ausgiebig Sport getrieben wird. 60 Minuten und mehr tägliches „Training“ der körperlichen Fähigkeiten sollten es sein, sie schaden im Vorschulalter ihrem Kind durch Bewegung nicht.
Mit Beginn des Schulalters bis etwa zum 10. Lebensjahr sollten sie zum Ausgleich des stundenlangen ruhigsitzens in der Schule ihr Kind Sportarten zuführen, die den ganzen Körper fordern, Bewegungsgefühl, Koordination, Ausdauer, Motorik weiterentwickeln. Das bietet z.B. die Leichtathletik, die Spielsportarten und das Schwimmen. Dort lernen die Kinder auch sich in der Gruppe zu bewegen und durchzusetzen. Hier ist eigentlich die Form der Bewegung noch egal, alles ist „Training“. Wichtig ist möglichst „täglich an die Luft“, Spaß an der Bewegung, auch Kräftemessen und Erster sein wollen sollte gefördert werden! So ist doch das spätere Leben.
Denken Sie daran, nur in einem gesunden, leistungsfähigen Körper wohnt in gesunder Geist! Das schließt den frühzeitigen sinnvollen Umgang mit dem Computer nicht aus. Aber auch das kann man steuern, wenn man es nur will. Man kann auch Kinder schon frühzeitig an einen Tages-Organisationsplan gewöhnen. Das spätere Leben funktioniert erfolgreich auch nicht im Chaos. Sie dürfen nicht froh darüber sein, wenn Ihr Kind sie in Ruhe lässt, sich an den PC verzieht und dort Räuber und Schandarm oder das Töten schon einmal virtuell übt oder schon sehr früh plötzlich mit der Pornographie konfrontiert wird! Innerhalb des Elternhauses kann niemand anderes die Verantwortung übernehmen als sie selbst.
Etwa ab dem 11. Lebensjahr haben sich nach einem solchen Weg bereits Vorlieben für bestimmte Sportarten herausgebildet. Gehört Ihr Kind zu den Begabten, Talenten in einer Sportart, sollten sie es bereits jetzt einem kompetenten Verein zuführen, wo sie wissen, dass qualifizierte Trainer den weiteren sportlichen Weg ihres Kindes bereiten. Aber auch für alle diejenigen, für die der Sport weiterhin Sport als Spaß an der Bewegung ist, sollten Sie ihr Kind nun in die Obhut eines gut geführten Vereins in ihrer Umgebung geben.
Fotos: 1, 2, 3 - Dann fliegt das Ding (Leichtathletik-in-Aktion), Hütchenläufe (Lutz-Foto)
© Lothar Pöhlitz


