Neuerscheinung


Neuerscheinung – Trainingskonzepte


2. Auflage


Buchtipp – Das große Laufbuch von Lothar Pöhlitz


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Kids for Olympia

Crossveranstaltungen richtig gemacht

Tipps zum Gelingen einer Crosslauf-Veranstaltung


Zeitplan und Durchführung

18. Februar 2007 (Ring) – Gehen Sie lieber einmal das Risiko von zehn Minuten Verspätung bedingt durch einen straff gehaltenen Zeitplan ein, als dass Sie sich durch ein Sechsstunden-Mammutprogramm mit Miniläufen für wirklich jede Altersklasse und vielen großen Pausen dazwischen, durchquälen. Nicht immer scheint bei Crossläufen die Sonne mit fünfzehn Grad vom Himmel. Alle Beteiligten werden es Ihnen danken. Die letzten Bezirksmeisterschaften haben wir in knapp neunzig Minuten mit über zwei hundert Teilnehmer/Innen in nur vier Laufentscheidungen durchgezogen und selbst da ist einigen Zuschauern schon recht kalt geworden. Zusammenlegung von Altersklassen heißt die Zauberformel, auf der Straße läuft schließlich auch alles miteinander. Siegerehrungen sollten unmittelbar nach den jeweiligen Läufen direkt an der Strecke durchgeführt werden. Der Rahmen dafür hängt natürlich von der Größe des Crosslaufes ab.

Infrastruktur

Damit ist das ganze Drum herum mit Toiletten, Umkleiden, Organisationsräumen, Verpflegung etc. gemeint. Grundsätzlich ist dazu zu sagen, dass es immer einfacher ist, eine bestehende Infrastruktur in der Nähe des Parcours zu nutzen, als eine solche mit Zelten, Clohäuschen, Ständen und Fahrzeugen aufbauen zu müssen. In der Nähe heißt dabei immer in einem Umkreis von ca 200 bis 300 Metern zum Streckenzentrum, möglichst mit Start und Zielbereich. Eine Strecke kann noch so schön sein. Wenn sie mitten in der Wildnis liegt, wird es schwer werden, drum herum ohne größeren finanziellen Aufwand eine gute Veranstaltung zu machen. Bei größeren Events sollten Sie die nötige Strom- und Wasserversorgung mit Fachleuten besprechen. Sie glauben gar nicht, wie schnell ein Stromkreis von ein paar Haushaltsmaschinen lahmgelegt wird. Besonders peinlich ist es, wenn exakt dort auch noch die Lautsprecheranlage und die EDV angeschlossen war. Crossläufe sind oft Schlammschlachten. Bieten Sie deshalb allen Teilnehmern eine Möglichkeit an, ihre Spikes außerhalb der Umkleidekabinen sauber machen zu können. Damit ersparen Sie sich im Anschluss deftige Reinigungskosten für die Umkleide- und Duschräume. Zu den Umkleideräumen muss ferner gesagt werden, dass eben solche in ausreichender Form vorhanden sein sollten, pro hundert Teilnehmer mindestens zwei. Ferner ist anzuraten, mit den Besitzern des Laufterrains (meistens sind das Kommunen oder öffentliche Einrichtungen) die "Flurschäden" des Crosslaufs und deren Beseitigung schon im Vorfeld zu regeln. Damit gehen Sie viel Ärger nach der Veranstaltung aus dem Weg. Das Uni-Gelände in Regensburg hat jedenfalls nach den Deutschen Meisterschaften wie ein Schlachtfeld ausgeschaut.

Personalbedarf und Leitung

Das richtige Planen des Personalbedarfs ist auch so eine Sache. Selbst beim kleinsten Cross ohne selbst verwaltete "Fressmeile" und sonstigem Schnickschnack, braucht man sicher nicht unter zwanzig Helfer. Größere Veranstaltungen haben dann schon andere Kennzahlen. Pro hundert Teilnehmer jeweils zehn Helfer zusätzlich zum Grundbedarf ist ein knappes, aber machbares Verhältnis. Als Organisationschef sollten Sie am Veranstaltungstag von allen speziellen Aufgaben entbunden sein. Nur so können Sie die Fäden sicher in der Hand halten, wobei sich hier Handfunkgeräte bzw. eine Handy-Liste der wichtigsten Leute als äußerst hilfreich erweisen, weil man im Gewirr der Leute den Ansprechpartner selbst im Umkreis von fünfzig Metern nur schlecht findet. Alle Entscheidungen, auch die der Verbandsoberen, dürfen nur über Sie laufen, schließlich halten Sie auch den Kopf für die ganze Veranstaltung hin. Wie gut Ihr Event läuft, hängt natürlich von der Güte Ihrer "Stabchefs", den Obleuten für die verschiedenen Bereiche ab. Erziehen Sie sie zur Selbstständigkeit, damit sie Ihnen nicht nur bei jeder Kleinigkeit ein Loch in den Bauch fragen, sondern eben schon Lösungen anbieten können. Nur so können Sie im Problemfall blitzschnell reagieren. GAU's werden Sie niemals in den Griff bekommen, wenn Einweisungen erst unmittelbar vor dem Wettkampf stattfinden. "Was ist, wenn …" sollte schon Tage vorher in aller Ruhe durchgespielt werden.

Moderation und Beschallung

Eine Flüstertüte und der Organisationschef selbst am Mikrofon ist die schlechteste aller Lösungen. Sie werten Ihre Veranstaltung mit einem fachkundigen Sprecher, vielleicht sogar deren zwei, die eben dann miteinander nicht nur ansagen, sondern eben moderieren, um Klassen auf. Diese Fachmänner lohnen sich für größere Events auf alle Fälle, waren aber leider selbst bei Deutschen Crossmeisterschaften der letzten zehn Jahre nicht immer usus. Sollten Sie solch Personal engagiert haben, müssen Sie denen auch professionelles Handwerkszeug anbieten mit genügend großen Lautsprechern in ausreichender Anzahl und mit den heute üblichen schnurlosen Mikros. Pausen sollten mit der passenden Musik zum Ereignis gefüllt werden. Interviews der Sieger/Innen lockern das Ganze auf. Glauben Sie ja nicht, dass eine lockere Moderation so einfach vom Himmel fällt. Die Leute, die so etwas machen, kennen sich meist in der Szene verdammt gut aus, eine spröde Ansage, wie man sie im Stadion immer noch all zu oft antrifft, ist beim Cross völlig unangebracht. Eins sollte Ihnen aber auch klar sein. Wenn Sie den Sprecher "verhungern" lassen, ihm die Lauflisten vorenthalten, die Ergebnisse zu spät bringen, wird er auch nur allgemeines Zeug reden können. Nirgends ist die Bringpflicht so wichtig wie hier.

Eins sollte Ihnen nach all den Erläuterungen klar sein: Crosslauf kann man nicht nebenbei machen und locker damit Geld machen kann man auch nicht. Was den Cross so faszinierend macht, ist, dass Ihrer Kreativität keinerlei Grenzen gesetzt sind. Wenn Sie nun noch das Glück haben, Olympiasieger wie Nils Schumann oder Dieter Baumann am Start zu haben, kann Ihnen auch das mieseste Wetter keinen Strich mehr durch die Rechnung machen.

Fotos: DM-Cross 2003 (Archivbilder)