Neuerscheinung


Neuerscheinung – Trainingskonzepte


2. Auflage


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Kids for Olympia

Neukirchen – Cross macht Lust auf mehr

Gedanken zu einer neuen Cross-Planungs-Struktur

09. Februar 2007 (Ring) – Selten sind sie geworden, die Tage, an denen die deutsche Leichtathletik zur Winterzeit die warmen Hallen verlässt. Anfang Februar war wieder einmal so ein Tag, als in Neukirchen eine durchaus sehenswerte U23-Cross-Challenge stattfand, die Lust auf mehr machen könnte. Europäische Nachwuchsspitze maß sich bei guter Organisation, auf anspruchsvollem Terrain im Laufen über Stock und Stein. Ein Aufbruch zu besseren (Cross)-Zeiten? Mitnichten, lediglich wieder ein Mosaiksteinchen auf einer dringend nötigen Cross-Struktur-Reform. Wir wollen mit diesem Beitrag keineswegs als Besserwisser dastehen, uns lediglich als „Ideengeber“ oder auch „Ideensammler“ dessen betätigen, was die Experten zum Thema Crosslauf und Crosssaison  in den letzten Monaten und Jahren geäußert haben, versuchen, es einmal zum gängigen Netzwerk zusammenzufügen, damit nun endlich einmal  mit der überfälligen Reform begonnen wird. Dabei wollen wir den Verantwortlichen nichts vorschreiben, sondern lediglich gedankliche Hilfen geben. Die Verlegung der Cross-DM zurück in den März zeigte bereits deren Ansatz, etwas zu verändern.

Die Zielsetzung:

Die Zielsetzung für eine spezielle Crosssaison mit der verbundenen Vorbereitung und den zu installierenden Wettbewerben wurde vom derzeitigen Bundestrainer Detlef Uhlemann klar und unmissverständlich formuliert: Fernziel muss es sein, mit deutschen Mannschaften wieder bei den jeweils Ende März stattfindenden Cross-Weltmeisterschaften vertreten zu sein. Zur Vorbereitung dieses hohen Ansatzes bezeichnet er die jeweils nun Anfang März stattfindenden deutschen Crosslaufmeisterschaften als Nahziel. Geht man von dieser Zielsetzung aus, war die Verlegung der nationalen Titelkämpfe von Ende November in den frühen März eine sinnvolle Planungskonsequenz. Wer in der Halle starten will, kann das, muss das sogar, sofern er sich zur schnellen Fraktion der Läufer/Innen zählt. Wer zur Straße tendiert, hat seinen Meisterschaftsblock im Herbst oder Frühjahr oder kann sogar mit dem Cross eine Verbindung eingehen. Zumindest war es so bis Dezember des letzten Jahres, als ein unsinniger, sponsorenprotegierter Verbandsratsbeschluss die Marathon-DM wieder ins Frühjahr katapultierte. Die Cross-EM im Dezember ist trainingsmethodisch sicher nicht das Beste,  könnte aber von einem zukünftig zu schaffenden zeitweiligen Cross-Langstreckenkader in einer speziellen Vorbereitung mitgenommen werden.

Die Wettkampfplanung

Man spricht viel darüber, geschehen ist bisher wenig. Die Eckpfeiler einer zukünftigen Crosssaison stehen mit den nationalen Titelkämpfen, der Cross-EM und –WM fest. Über ein weiteres Cross-Wettkampfkonzept in Vorbereitung dieser Events muss man offensichtlich noch reden. Als theoretisch methodischer Ansatz sollten 4-6 leistungs- und zahlenstarke Crossläufe in die geplant werden. Fragmente dazu sind schon vorhanden. Ende November gibt es den Darmstadt-Cross mit den Hochschul-Crossmeisterschaften und der darin integrierten Qualifikation für die Cross-EM. Anfang Februar existiert die U23-Challenge, die eine qualitative Ausweitung auf die Frauen/Männer-Klasse bzw. die U20/18 Klasse durchaus vertragen könnte.

Zentrale Veranstaltungen Mitte Dezember, als Alternative für alle Nicht-Nominierten der Cross-EM oder auch in Vorbereitung auf die Cross-WM, Mitte Januar bis Ende Februar fehlen noch. Dort sollte  der deutsche Cross-Cup postiert werden. Der DLV-Beauftragte Wilfried Raatz ist  optimistisch, sieht gute Möglichkeiten für eine rasche Realisierung schon in der Saison 2008. Natürlich spielt das Geld eine große Rolle, schon gleich, wenn die Veranstaltung „Crosslauf“ heißt. Ausrichtungen, die wir dringend brauchen, sollten Niveau haben, publikumsfreundlich und medienträchtig. Eine Vergabe nach dem Prinzip „Wer von den Ausrichtern die meiste Kohle auf den Tisch legt, bekommt den Zuschlag“ halten wir für wenig konstruktiv. Gerade beim Crosslauf ist hohe Fachkompetenz gefragt, die notwendige Erfahrung dafür haben in Deutschland nur noch wenige. Die Realisierung vor Ort zeigt dies immer wieder. Auch den regionalen Gesichtspunkten mitten im deutschen Winter muss Rechnung getragen werden.

Die Kaderplanung

Will man den Crosslauf wirklich erfolgreich voranbringen, braucht man einen ähnlich dem Berglauf-Kader zu schaffenden Cross -Kader, der nach modernen didaktischen und methodischen Grundsätzen der Trainingslehre zielorientiert in Richtung der zu erfüllenden Aufgaben geführt wird. Gleichzeitig ist ein solches Vorgehen  als ein zentrales Mittel des Langstrecken-Wintertrainings anzusehen. Grundlage dazu könnte schon ein Athleten/Innen Screening bei den diesjährigen deutschen Crossmeisterschaften sein. Wer kommt in Frage, wer würde die Planung mittragen, wer kann sich mit solchen Zielen identifizieren?

Bestehende Laufkader-Athleten/Innen und ihre Trainer sollten frühzeitig entscheiden, welchen Weg sie in der VP1 (September bis Ende März) gehen wollen, spätestens aber unmittelbar vor Beginn des Wintertrainings.Ein bisschen Cross, ein bisschen Halle, garniert noch mit dem einen oder anderen Straßenlauf erschwert die Systematik im langfristigen Aufbau und zieht oft auch eine instabile Saison nach sich. Um dem neuen Konstrukt Gewicht zu verleihen, sollten Nominierungen für internationale Einsätze ausschließlich aus dem Spezialkaderpotential erfolgen. Es gibt keinen Sinn, Athleten/Innen, die sich gezielt auf eine Cross-WM bzw. die nationalen Titelkämpfe im Frühjahr vorbereiten, Ende November durch den Vorzug gerade mal gut in Form befindlicher Athleten/Innen aus anderen Spezialkadern (z.B. Hallen-Kader) zu düpieren, selbst dann nicht, wenn das Niveau der nominierten Mannschaft dadurch „wahrscheinlich“ steigen würde.  Das Ziel muss also sein: ein neues Konzept als Basis für eine neue Leistungsstärke im Langstreckenlauf.
Die zu beobachtende Praxis, vor allem auch jugendliche Talente adhoc für internationale Einsätze zu nominieren, ohne zuvor genügend Einfluss auf  deren Vorbereitung ausgeübt zu haben, sie dann durch Cross-EM, Hallensaison mit Länderkampfeinsatz, Cross-Challenge, Cross-DM und einer verkürzten Frühjahrs-Vorbereitung zu jagen, mag kurzfristig von den Entwicklungsschüben der Youngster abgefangen werden können,  für einen langfristigen Aufbau in Richtung Hochleistungsalter aber sind sie Gift.
Die Aufnahmen in die jeweiligen neuen Kader (Kadergruppe 1 , Kadergruppe Cross o.ä. ) könnten so auch frühzeitig flexibler gehandhabt werden, d.h. Aufnahme in Abhängigkeit vom trainingsmethodischen Konzept für das neue Jahr.

Die Kadermaßnahmen

Die aus einer solchen Kaderplanung entstandenen Kadergruppierungen lassen eine weit höhere Effizienz der Trainingsmaßnahmen zu. Nach dem bisherigen Modell ist es in VP1 durchaus möglich, das Athlet/In 1 aus dem Hindernis  -Kader eine Hallenvorbereitung wählt, Athlet/In 2 aber die Crossvorbereitung favorisiert. Wer was wann wie macht blieb bisher Individualentscheidung. Das hier vorgeschlagene Modell zielt auf eine gruppendynamische, gezielte Langstreckenvorbereitung über einen Crosswinter, über eine stärker gemeinsame Vorbereitung der Athleten/Innen im Team, mit dem Ziel der Erhöhung des Entwicklungstempos der Langstreckendisziplinen auf der Bahn.

Gemeinsame Trainingsmaßnahmen scheinen Ende Oktober/Anfang November (mit ärztlicher Grunduntersuchung und 1. Leistunsdiagnostik) im Umfang von einer Woche und Ende Dezember/Anfang Januar im Umfang von 2 Wochen angebracht. Eine weitere dritte Maßnahme ist dann nötig, wenn sich Teams für die Cross-WM qualifizieren (Zeitpunkt: unmittelbar nach  der DM in einer kleinen UWV zur WM, einwöchig)

Die Finanzierung

Dies alles muss natürlich bezahlt werden. Von der Betrachtung ausgeschlossen ist dabei die Finanzierung des eigentlichen Cross-Events, den Meisterschaften bzw. der Challenge oder der Cross-Cup-Veranstaltungen. Dies ist ein eigenes Thema zur gesonderten Diskussion. Fakt zu sein scheint, dass nach Worten des Crossbeauftragten Wilfried Raatz zumindest die Richtung Challenge und der  Cross-Cup große Fortschritte gemacht werden. Das auch Meisterschaften mit hohem Qualitätsanspruch finanziert werden können, haben in jüngster Zeit die Beispiele Darmstadt und Regensburg gezeigt. Die Frage nach der Finanzierung des Cross - Kaders, der Trainingsmaßnahmen und der Wettkampfeinsätze soll hier aber schon eine zentrale Rolle spielen. Deshalb wollen auch wir einen Plan aufstellen, wie in Sachen Crosslauf Geld flüssig gemacht werden könnte. Die Mittel sollten aus vier Bereichen rekrutiert werden:

  • Verbandseigenmittel
  • Individuelle Eigenmittel der Athleten/Innen
  • Fördergelder
  • Sponsoring

Verbandseigenmittel
Verbandseigenmittel sind zweifelsfrei vorhanden (Trainingsmaßnahmen, Wettkampfeinsätze), sollten aber flexibel und sinnvoll gebündelt werden. Ein eigenes Budget entsprechend der in Frage kommenden Sportler könnte aus den verschiedenen Disziplin-Kadermitteln (Langstrecke, Hindernis, Marathon) entstehen.

Individuelle Eigenmittel der Athleten/Innen
Gelingt es, die in Frage kommenden Athleten/Innen vom Sinn des anzustrebenden Cross-Kaders zu überzeugen, wird man  auch etwas in deren Umfeld Mittelressourcen (Verein, Verband) freischaufeln können. Die individuelle Einzelbetrachtung wird hier eine große Rolle spielen. Wer ein Ziel sieht, das sich lohnt, der investiert auch!

Fördergelder
Bei Vorlage von plausiblen, erfolgsorientierten Konzepten gibt es immer wieder Institutionen (z.B. „Freunde der Leichtathletik“) die geplantes, sinnvolles Vorgehen mit nicht unbeträchtlichen Fördermitteln unterstützen. Die Arbeit kann hier mühsam, oft aber auch lohnend sein. Anträge auf diesem Gebiet brauchen allerdings eine längere Vorlaufzeit, weil nicht selten Wettbewerbscharakter mit Terminen vorliegt.

Sponsoring
Sponsoring braucht ein Marketingkonzept. Was vermarktbar ist, muss für den potentiellen Sponsor klar ersichtlich sein. Dies erfordert eine fachspezifische Vorarbeit, verbunden mit neuen Ideen. Ein „Crosskalender“, ein Internetportal „Crosslauf“ gibt Raum und Möglichkeit für die Darstellung des/der Sponsor(en)s, ganz abgesehen davon, dass Publikationen eine zusätzliche Imagewerbung fürs eigene Produkt oder Projekt sind.(DLV-Sponsoren) Wichtig dabei ist, dass der Gewinn zu hundert Prozent dem Projekt zufließt.
Apropos investieren! Die derzeit alles bestimmende Frage zu diesem Bereich bleibt: Was lässt der DLV-Ausrüstervertrag bei solchen Sub-Unternehmen überhaupt zu. Hier lag wohl die Gewinnorientierung näher als eine optimale Grundlage für sinnvolles Investieren in die Leistungsentwicklung zu schaffen.
Zwei Möglichkeiten bleiben da: Der Verband erkennt seine für viele kleinere DLV-Events knebelnde Vertragswirkung und macht von sich aus Investitionssummen für Projekte frei oder er lagert diese Projekte aus (wie bei der Cross-Challenge) und macht damit den Weg frei für andere Ausrüster. Zumindest müssen hier schnellstmöglich neue praxisorientierte Wege freigemacht und vor allem für die Leistungsentwicklung hilfreich investiert werden.

Der Personalaufwand

Detlef UhlemannVom Bundestrainer zu verlangen, all diese Dinge zu leiten und zu initiieren, wäre sicher zu viel verlangt. Das Projekt braucht einen Führungsstab. Bruchstäbe davon sind vorhanden. Da ist der Crossbeauftragte des DLV. Ihn zum Cross-Direktor zu machen, würde schon vom Namen deutlich zeigen, dass er nicht mehr der Handlager des immer mehr bremsenden Verbandsrates ist, sondern ähnlich wie Thomas Pfüller im Skiverband voll verantwortlich und weisungsbefugt für das Gesamtunternehmen Crosslauf in Deutschland ist. Schnittstelle zum Verband sollte der zuständige Bundestrainer (derzeit Detlef Uhlemann) sein, über dessen Person der Verband ein Vetorecht für jegliche Maßnahmen hat. Dazu müsste sich ein Marketing-Spezialist gesellen, der die Verbindung zu den Geldquellen aufnimmt, die Dinge dort mit der DLP abgleicht und vor allem schnell und gezielt handeln kann. Nachdem der Crosskalender so wie so schon in den erfahrenen Händen des bisherigen Crossbeauftragten liegt, eine Internetadresse „Crosslauf“ bereits existiert und mit einer geschickten Verhandlungstaktik durchaus mit ins Boot gezogen werden könnte, scheint es um das Unternehmen gar nicht so schlecht zu stehen.

Es liegt daher ganz allein am Verbandsrat selbst,  den  „Crosslauf“ schnell  schlagkräftig zu machen. Er muss nur endlich die vielen bremsenden Waggons aus den eigenen Reihen, den Landesverbänden und den anderen Vereinigungen abkoppeln. Ein schlankes Management ist schneller, schlagkräftiger und fachkompetenter. Über ein Vetorecht behält sich der DLV  zu jeder Zeit die Kontrolle vor.

Fotos: Susi Lutz (Schröder-Foto), Cross-DM05 Start (Kiefner-Foto), DLV-Team U23 (Gantenberg-Foto), Detlef Uhlemann (Kiefner-Foto)