Ab Morgen muss auch der Kopf trainiert werden
Trainer als praktizierende Psychologen im Hochleistungssport
06. April 2007 (Pöhlitz) - Trainer im Hochleistungstraining sind täglich mit Athleten konfrontiert die Sieger werden sollen bzw. dies auch wollen. Die Aufgabe „gewinnen lehren“ ist im Prinzip täglich und über Jahre mit psychologischen Problemen und Aufgaben verbunden. Das Endziel muss sein, dass der Athlet bei wichtigen Wettkämpfen allein handlungsfähig ist! Wir stimmen voll mit den leitenden Bundestrainer im DLV überein, der formulierte:

Viele Trainer verfügen durch ihre Trainerausbildung oder ein Sportstudium zumindest über eine psychologische Grundausbildung, andere schöpfen aus ihrer Intuition. Besonders ältere Trainer haben durch einen langjährigen Umgang mit immer wieder neuen, aber auch unterschiedlichsten „Sportlerpersönlichkeiten“ umfangreiche Erfahrungen gesammelt. Im Verlaufe eines Trainerlebens lernten sie immer besser und genauer zu beobachten, zu beurteilen und die richtigen Schlussfolgerungen für ihre Athleten, aber auch die Gegner, zu ziehen. Wer bei vielen 1000 – DL-Kilometern am Wegesrand gestanden hat, viele 1000 Tempoläufe aufmerksam beobachtet hat oder viele erfolgreiche oder auch weniger erfolgreiche Wettkämpfe und die Reaktionen und Verhalten seiner Sportler „studieren“ durfte, gehört bestimmt zu den guten, den „praktizierenden Psychologen“ im Laufbereich. Den noch jungen Kollegen an der Laufbahn kann man deshalb vor allem empfehlen:

Das Wissen des Trainers und seine psychologischen Einsichten, das Erkennen der Fähigkeiten und Fertigkeiten seiner Sportler, aber auch ihrer psychologischen Schwachstellen sind Grundlage für ein gutes allgemeines Verhältnis, für gute zwischenmenschliche Beziehungen zwischen Trainer und Athlet und Voraussetzung zur ständigen Optimierung der sportlichen Leistung.
Es ist eine Kunst den Athleten immer öfter zu Grenzbelastungen im Verhältnis zu seiner Spezialstrecke zu animieren, die dann auch mit optimaler Motivation und hohen Einsatz realisiert werden. Der Weg vom Anschlusstraining zur sportlichen Spitzenleistung verläuft umso schneller je vernünftiger, behutsamer und einfühlsamer der Trainer seinem Athleten die Belastungen auf der Grundlage seiner jeweils aktuellen Leistungsfähigkeit abverlangt. Problemtrainer trennen sich besser frühzeitig von Problemathleten, weil sie in der Regel nicht gemeinsam zum gewünschten Ziel kommen.
Trainer die im Hochleistungsbereich erfolgreich sind, zeichnen sich meist durch eine besondere Persönlichkeitsstruktur, durch für die Erarbeitung sportlicher Spitzenleistungen besonders wichtiger Charakterzüge aus:

nach Ogilvie ,/ Tutko 1980 - modifiziert
Neben den genannten Persönlichkeitseigenschaften lassen sich aber auch bei „Großen“ dieser Gilde Charakterzüge ausmachen, die sich für die Wirksamkeit der Zusammenarbeit nicht so günstig auswirken (OGILVIE/TUTKO 1980) - nennen eine ungenügende Bereitschaft bzw. geringes Interesse „wenn ein Sportler den Wunsch hat umsorgt zu werden, Gehör für seine persönlichen Sorgen sucht und jemanden braucht, der ihn verteidigt, wenn er in Schwierigkeiten ist bzw. emotionale Unterstützung sucht.“ Besonders den amerikanischen Trainern wird „ein Fehlen von Wärme und Flexibilität“ nachgesagt. Sie haben aber den Vorteil dass sie aus dem Vollen schöpfen können, wenn es um Talente geht.
Neben umfangreichen Aufgaben, die auf einen nebenamtlichen Trainer mit einer noch dazu großen Trainingsgruppe zukommen, sind sie nicht auch noch daran interessiert „als Sozialarbeiter“ zu fungieren. Hier liegen sicher auch die Ursachen dafür, dass die Manager ihnen heutzutage mehr ins „Handwerk pfuschen“, als ihnen lieb sein kann. Dazu kommt, dass meist die schwächsten Athleten der Trainingsgruppen die „Unbequemsten“ sind, die größte Aufmerksamkeit und Hilfen erwarten, die meiste Zeit in Anspruch nehmen.
Im Gegensatz zu den Erfahrungen aus der DDR-Zeit, wo neue Trainingserkenntnisse jährlich in Weiterbildungsveranstaltungen allen Trainern mündlich und schriftlich (RTP) vermittelt wurden, kann man leider für die Jetztzeit für viele Trainer feststellen, dass sie über Jahre ihr einmal „erfolgreiches Wissen“ konservieren, sich nicht oder oft nur passiv an Fortbildungsmaßnahmen beteiligen und sich damit neuen Informationen oder Denkweisen, dem Erfahrungsaustausch verschließen. Das ändert sich auch nicht, wenn sie über eine längere Zeit von Misserfolgen oder Stagnation begleitet wurden. Dies gilt auch für Spitzentrainer.
Profitrainer im modernen Hochleistungstraining müssen ihre Methoden ständig hinterfragen, fortbilden, über den Zaun schauen, weiterentwickeln und in der Lage sein ihre Eliteathleten so auf die internationalen Höhepunkte vorzubereiten, dass sie dort auch erfolgreich sein können! Auch Hospitationen bei erfolgreichen Trainern im Ausland sind nicht verboten.
Trainer motivieren ihre Athleten durch:
- Lob und anerkennende Worte, positive Orientierung
- ein positives Trainings- und Wettkampfklima - „nutze Deine Gegner im Training um sie im Wettkampf zu besiegen“
- realistische, aber auch herausfordernde Trainings- und Wettkampfziele, Überreinstimmung mit den Zielen der Athleten
- Herausbildung des Leistungs- und Siegeswillens (Ziel : Verschiebung der individuellen Grenzen)
- Erziehung zur Selbständigkeit und Selbstverantwortung
- Vorbildwirkung und positive Selbstdarstellung
- Vertrauen in die Athleten und weitere Verstärkung ihrer Stärken, aber auch Abbau der Schwächen
- sachliche Analysen positiver, aber auch negativer Wettkampfergebnisse, ehrliche Beurteilung der Anstrengungsbereitschaft, aber auch durch Aufzeigen der Perspektive
- Erfahrungsanalysen nach Niederlagen
© Lothar Pöhlitz



