Neuerscheinung


Neuerscheinung – Trainingskonzepte


2. Auflage


Buchtipp – Das große Laufbuch von Lothar Pöhlitz


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Kids for Olympia

Läuferschwachstelle – Achillessehne – Was ist zu tun?


 13. Januar 2007 (Pöhlitz) - Die etwa 1,5  cm starke Achillessehne, die sich in einem Gleitgewebe bewegt, ist die stärkste Sehne des Menschen. Sie überträgt die Kraft über den Wadenmuskel zur Ferse. Die vieltausendfache, von der Geschwindigkeit und den Bodenverhältnissen abhängige Belastung beim Lauf (Fußaufsatz, Abrollbewegung, Fußabdruck), die mit zunehmenden Trainingsalter im Hochleistungstraining nicht immer systematisch erhöht, nicht ausreichend physiotherapeutisch begleitet wird und oft nicht ausreichend vorbereitend die Ausbildung der Fuß-, Bein- und Becken-/Rückenmuskulatur sichert, führt häufig zu Reizungen, zu Entzündungen des Gleitgewebes und auch zu Sehnenrissen.

Ungenügend vorbereitete, länger anhaltende Extrembelastungen, chronische Überforderungen, eine gleichzeitige qualitative und quantitative Steigerung der Intensität, ohne die gleichzeitig zu verstärkenden Maßnahmen zur schnellen, umfassenden Regeneration, der Durchblutungsförderung, zur Dehnung der Wadenmuskulatur und der Kräftigung der Antagonisten, der Unterkühlung der Ansatzbereiche oben und unten sowie die Wahl der Sportschuhe und der Bodenverhältnisse sind wesentliche Ursachen für eine sich meist langsam entwickelnde Achillessehnenentzündung (Achillodynie).
Langjährige Beobachtungen aus der Trainingspraxis weisen zusätzlich besonders auf Zeiträume von Modellwechseln bei Sportschuhen (meist sind die Sportler ja an eine bestimmte Sportschuhfirma „gebunden“)  und Zeiträume nach längeren Trainingsabschnitten, in denen nur in Einlaufschuhen trainiert oder nur langsam gelaufen wurde, hin. Deshalb wird empfohlen in solchen Phasen regelmäßig, wenn auch nur wenige Tempoläufe mit Spikes oder auch Steigerungsläufe nach Dauerläufen einzufügen. Vor allem in Trainingsabschnitten, in denen Tempolaufprogramme mit Spikes wieder wichtig sind,  sollte eine systematische Gewöhnung an die Spikes durch zunächst nur 2-3 Läufe in Spikes jeweils zum Ende eines Tempolaufprogramms erfolgen, um dann die Anzahl schrittweise zu erhöhen. Nur mit Geduld können sich in solchen Trainingsphasen, aber auch bei Aufnahme neuer Trainingsformen wie z.B. intensiver Sprünge, die belasteten Strukturen in den weniger durchbluteten Bereichen der Achillessehne anpassen.

Langwierige, schmerzhafte Beschwerden sind oft das Ergebnis nicht frühzeitiger intensiver Eigenbehandlungen. Deshalb kommt der Pflege dieser „Konstruktionsschwachstelle“  für Menschen, die viele Tausend Kilometer im Jahr oder auch hohe Geschwindigkeiten in Spikes laufen, eine außerordentliche Bedeutung zu!

Bei ersten Reizungen der Achillessehne reichen oft mehrrnals tägliche Eisbehandlungen und eine sofortige mehrtägige Trainingspause. Um weitere Trainingsausfälle zu vermeiden sollten schnellstmöglich physiotherapeutische bzw. ärztliche Maßnahmen ergänzend einbezogen werden.
Voraussetzung für die Wirksamkeit ist eine konsequente mehrmals tägliche Durchführung der ausgewählten Maßnahmen und eine sofortige Abstimmung möglicherweise veränderter Trainingsinhalte mit dem Trainer. Dabei sollten veränderte Konsequenzen in den Regenerationsmaßnahmen an der Spitze aller Überlegungen stehen.

Positive Erfahrungen bei der  Behandlung von Achillodynien

Prophylaktisch sollten Läufer regelmäßig ihre Trainingsuntergründe wechseln (Bahn, Wald, Straße, Finnbahn, feste Wege, auch Querfeldeinläufe, Wasserlaufen usw.), nicht auf seitlich abgeschrägten Straßen laufen, Extreme (wie Sandstrände oder zum Meer abfallende Strände in Trainingslagern nur vorsichtig ins Training einbeziehen) meiden, die Bereiche „rund um die Sehne“ warm halten bzw. richtig für das jeweilige Training aufwärmen (vorbereiten) und nicht in „abgelatschten“ Schuhen trainieren, auch wenn der Sportler meint, es seien seine Besten.
Bei ersten Reizerscheinungen Läufe in Spikes, Sprünge und Kraftübungen die auf die Sehne wirken, zeitweilig einstellen, aber das Training geht, angepasst an die Möglichkeiten, weiter. Die Regeneration und Entlastung wird durch Alternativtraining wie Wassertraining, Schwimmen, Rad fahren, Beweglichkeits- und Lockerungsübungen (vor allem der  Unterschenkel, Waden und Füße) unterstützt. Außerdem:

  • Selbstmassage
    Massage mit Salbe nach Arztempfehlung + Verträglichkeit / Heilpflanzenöl
    Einen 2-3 cm langen Salbenstrang auf das mit Heilpflanzenöl eingeriebene Gewebe geben, den zu behandelnden Unterschenkel auf das andere Knie legen, mit Daumen und Zeigefinger die Salbe ~ 5 Minuten leicht einmassieren, dabei den Fuß langsam kreisend bewegen
  • Bürstenmassage unter der Dusche „von unten nach oben“ (Handbürste) leicht mit weicher Handbürste von Ferse zum Knie hin streichen (Durchblutung)
  • Lockerung der Waden- und Fußmuskulatur / Dehnübungen
  • mehrmals täglich Eisbehandlung
  • Überprüfung des Schuhwerks durch einen Fachmann (evtl. Einlagen beidbeinig)
  • Wechselbäder
    1 Eimer heißes + 1 Eimer kaltes Wasser + 2-5 Tropfen Heilpflanzenöl
    beide Füße bis mindestens Mitte Wade für ~ 5 Minuten ins 39-42° heißes Wasser, danach 20 – 30“ ins leitungskalte Wasser 2 – 3x wechseln, anschließend Dehnübungen + Fußkreisen (heben- senken- rotieren)
  • Salbenverbände über Nacht
    feuchtes Mulltuch – Salbe wie vom Arzt verordnet  großflächig verteilen + Heilpflanzenöl -auf gereizte Stelle legen – Übergang Achillessehne Wade, mit Plastikfolie abdecken, mit Wickel (Handtuch) befestigen, über Nacht einwirken lassen („feucht-warme Kammer“)
    Oma sagt : auch Packungen mit Haushalts-Quark helfen!
  • Strombehandlungen (nur beim Physiotherapeuten)
  • Ultraschall
  • Histamin-Iontophorese
  • Medikamentöse Begleitung : - Tabletten gegen Entzündungen
  • Vitamin C (zeitweilig 1 Teelöffel tägl. als Salz)
  • Entsäuerungsmittel (z.B. Basica u.a.)
  • Tägl. Fuß-, Bein-, Rücken-Gymnastik (Stabi) vor jedem Training (auch vorm DL - zu Hause auf dem Teppich!)

Ist Besserung in Sicht soll mit leichten Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit, der Stabilität und Fuß-/Fußgelenkskräftigung begonnen werden. Die Dauer des Wiederaufbaus hängt vom Grad der vorherigen Entzündung / Schädigung ab. Auf alle Fälle soll der Belastungsaufbau allmählich erfolgen. Bewährt haben sich Übungen auf dem Gymnastik-Kreisel, wiederholtes Heben in den Zehenstand, Gehen auf dem Vorfuß (Ballen) und der Ferse, Kräftigung des Fußgewölbes mit Fußstreckung gegen einen Widerstand (Hand hält Zehen fest), Übungen zur Beseitigung von Fußschwächen (Fußgewölbe / Pronation, Supination und zur Kräftigung der vorderen Schienbein- und Wadenmuskulatur).
Analyse der vor der Verletzung gemachten Fehler. Ein intelligenter Sportler macht
einen Fehler nur einmal!

Operationen lassen sich nicht umgehen, wenn über längere Zeit, trotz aller konservativer Maßnahmen, und veränderten Trainingsbelastungen, sich die Beschwerden nicht beheben lassen. Fragen Sie deshalb rechtzeitig ihren Arzt oder Physiotherapeuten!