Eisenmangel beeinträchtigt die Ausdauerleistungsfähigkeit
von Dr. Birgit Friedmann – Sportleranämie*Kurzzusammenfassung aus Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 52, Nr. 9 (2001)
11. Januar 2007 (Pöhlitz) - Eisenmangel mit und ohne Anämie führt zu Einschränkungen in der Ausdauerleistungsfähigkeit und zu subjektiven Beschwerden, die sich vor allem in Müdigkeit, hin und wider auch in Appetitlosigkeit ausdrücken. Klagen Läufer über Schwierigkeiten vor allem im letzten Drittel von DL- oder langen Tempoläufen kann zunächst geprüft werden ob eine Hämoglobinverminderung vorliegt. Zur Feststellung eines akuten Eisenmangels sind neben dem Serumeisen auch Transferrin und Ferritin zu untersuchen. Für Läufer sollte im Rahmen von kontinuierlichen Elektrolytbestimmungen immer auch der Eisenspiegel kontrolliert werden.
- Aufgrund erhöhter Eisenverluste über den Gastrointestinaltrakt, mit dem Schweiß und im Urin haben Sportler einen vermehrten Eisenbedarf.
- Neben vegetarisch sich ernährenden Sportlern haben insbesondere Ausdauersportler sowie jugendliche Sportler/Innen menstruations- bzw. wachstumsbedingt ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Eisenmangels.
- Nach intensiven Ausdauerbelastungen sind Eisenverluste bis zu 2 mg/Tag möglich. Durch starkes Schwitzen können 1 mg und mehr verloren gehen. Weitere zusätzliche Eisenverluste gibt es im Urin (ca. 0,2 mg/Tag). Durch Zunahme des Plasmavolumens (Flüssigkeitsverluste) liegen die Hämoglobinkonzentration (Hb) und Hämatokrit (Hk) häufig im unteren Normbereich oder sind sogar leicht erniedrigt:

- Der tägliche Eisenbedarf von Ausdauersportler/Innen ist durchschnittlich um ca. 1 mg gegenüber den nichtsporttreibenden Männern und Frauen ( ca. 10-15 mg / Jugendliche ca. 18 mg ) erhöht und kann nur mit einer bewussten, ausgewogenen und möglichst fleischhaltigen Ernährung gedeckt werden. Insbesondere eine Diät der auf ein niedriges Körpergewicht bedachten Ausdauersportlerinnen und der Jugendlichen enthält nicht genügend Eisen. Ernährungsberatungen und regelmäßige Untersuchungen werden empfohlen.
- Bei Sportlern/Innen mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung eines Eisenmangels sind regelmäßige Kontrollen von Hämoglobin, Hämatokrit und Ferritin indiziert. Dabei darf nicht vergessen werden das auch eine krankheitsbedingte Anämie vorliegen kann und eine weitere Diagnostik erforderlich wird.
- Zur Eisensubstitution sollten für 4 – 12 Wochen (!) morgens nüchtern 100 mg Fe²+ peroral möglichst mit Vitamin C verabreicht werden (eventuell auch ein zweites Mal im Laufe des Tages ) bis zur Normalisierung des Ferritinwertes ( 20-40 μg/l ). Bei Ferritinwerten knapp < 20 μg/l sollte bereits eine Eisensubstitution durchgeführt werden weil schon hier eine Beeinträchtigung der Ausdauerleistungsfähigkeit gegeben sein kann. Eine Eisengabe bei normalen Ferritin hat keinen Nutzen.
- Da 1-5 Tage nach einer intensiven und / oder langen Ausdauerbelastung infolge einer bis zu 25 %- tigen Zunahme des Plasmavolumens eine Pseudoanämie auftreten kann, sind Kontrolluntersuchungen besser am Ende einer Regenerationswoche zu planen.
Ergänzung :
Eisenmangelgefährdete Sportler/Innen sind im Höhentraining erfahrungsgemäß „anfälliger“als andere. Sie sollten nur „gesund“ d.h. mit gut gefüllten Eisenspeichern ins Höhentraining gehen und die angezeigte Vorsicht (Substitution) in der Höhe mit ihrem Arzt vorbesprechen bzw. vorplanen!
Eine besondere Bedeutung kommt im Höhentraining der Ernährung und Flüssigkeitsversorgung zu. Gefährdet sind Selbstversorger, die sich neben ihrem Training auch noch um die Mahlzeiten und deren Zubereitung kümmern müssen und glauben, dass vor allem Kohlenhydrate für Läufer bzw. Geher wichtig sind. Unmittelbar nach Rückkehr aus dem Höhentraining ist eine Kontrolluntersuchung für alle sinnvoll und angezeigt.
© Lothar Pöhlitz



